


Klarissenkloster und Schloss Seußlitz
| Ort: | Seußlitz (Nünchritz, Meißen) |
|---|---|
| Typ: | Klosteranlage | Schloßanlage |
| Datierung: | Spätmittelalter | Neuzeit | seit 1268 n. Chr. |
Beschreibung
Markgraf Heinrich III. von Meißen stiftete im Jahr 1268 auf Wunsch seiner verstorbenen Frau Agnes, einer Tochter des böhmischen Königs, in Seußlitz das erste Klarissenkloster Sachsens. Während der Hussitenkriege wurde das Kloster zerstört und 1541 säkularisiert. Von den ursprünglich zahlreichen, mittelalterlichen Grabsteinen der im Kloster bestatteten Adeligen sind heute nur noch wenige erhalten. Das Rittergut wurde ab 1722 von Georg Bähr zu einem Barockschloss mit Park umgebaut, in dem zeitweise die Wittenbergische Universitätsbibliothek untergebracht war. Dabei wurden weite Teile der ehemaligen Klosteranlage abgerissen oder umgebaut. Heute befindet sich das Schloss in Privatbesitz.
Annemarie ReckDas Kloster im Mittelalter
Das heutige Schloss war im Mittelalter ein Klarissenkloster. Der im Jahr 1215 entstandene Orden bildet den zweiten, weiblichen Zweig der franziskanischen Ordensfamilie. Er geht auf die hl. Klara von Assisi (ca. 1193 - 1253) zurück, die eine weibliche Gemeinschaft nach dem Vorbild der Lehren des hl. Franz von Assisi (ca. 1181 - 1226) gründen wollte. Der Orden fand rasch Zulauf und weite Verbreitung. Die ersten Nonnen zogen 1268 mit ihrer Äbtissin Mechthild aus dem schwäbischen Söflingen bei Ulm an die Elbe. Dem Kloster traten einige große Frauen des Mittelalters bei, wie etwa Gertrud, Herzogin von Österreich und Steiermark, um die selbst Kaiser Friedrich II. vergeblich als Braut geworben hatte, oder Helene, Markgräfin zu Landsberg. Das Kloster besaß schon zu seiner Gründungszeit eine reiche Grundausstattung, mit Besitz in über 17 Dörfern und Einkünften aus bis zu neun Vorwerken, was den Grundsätzen der Klarrissen eigentlich entgegenstand.
Annemarie ReckBildquelle A. Reck, Foto ©LfA 2024.
Das Ende des Klosters
Während der Hussitenkriege wurde das Kloster zerstört. Dennoch blieb der Konvent noch etwa hundert Jahre länger, bis zur Reformation, erhalten. Ab 1524 sind immer wieder Nonnen von Martin Luther und seinen Gleichgesinnten aus dem Kloster geholt worden. Nach der Auflösung des Klosters 1541 wurde es an den herzoglichen Kanzler Simon Pistoris verkauft. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde das Rittergut an Heinrich von Bünau, Kanzler Augusts des Starken, gekauft. Er beauftragte Georg Bähr, den Erbauer der Dresdner Frauenkirche, das Schloss und den Park im Stil des Barocks umzugestalten.
Annemarie ReckBildquelle O. Spitzner, Foto ©LfA 2002. Landesamt für Archäologie Sachsen/Spitzner 2002.
Reste der Klosteranlage
Die Klosterkirche wurde bei den Umbauten in das Schloss integriert, alle anderen Vorgängerbauten wurden abgerissen oder Veränderungen unterzogen. Von der ursprünglichen Klosteranlage ist darum nicht mehr viel erhalten. 2002 gelang es jedoch bei Trockenlegungsarbeiten an der Südwand der Kirche einzelne Arkaden des ehemaligen Kreuzganges archäologisch zu dokumentieren.
Annemarie ReckBildquelle O. Spitzner, Foto ©LfA 2002.
Literatur
Werner Coblenz, Die Wehranlage Goldkuppe – Heinrichsburg bei Diesbar-Seußlitz. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 18 (Berlin 1988) 137–138.
Reinhard Spehr, Gana – Paltzschen – Zehren. Eine archäologisch-historische Wanderung durch das Lommatzscher Land (Dresden 2011) 163–175.
Rebecca Wegener, Diesbar-Seußlitz und die Goldkuppe. Bei gutem Wein Geschichte entdecken. Archæo 4, 2007, 74–79.
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
https://archaeo-sn.de/ort/3171/
Zitat des Beitrags
Annemarie Reck, Klarissenkloster und Schloss Seußlitz. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (01.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/3171/ (Stand: 17.08.2026)