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Maße und Ausdehnung
Ausgrabungen 1937–1939
Grabungsergebnisse
Keramikfunde
Sonstige Fundstücke
Besitzer der Burg

Wasserburg Göltzsch

Ort: Rodewisch (Rodewisch, Vogtlandkreis)
Typ: Wasserburg
Datierung: Hochmittelalter | Neuzeit | 1100 - 1600 n. Chr.

Beschreibung

Ganz im Süden von Rodewisch, in der Aue der Göltzsch, liegt eine mittelalterliche Wasserburg, die im Jahr 1411 erstmals in den Schriftquellen genannt wird. Ein Vorgängerbau der Burganlage geht bereits auf das 12. Jahrhundert zurück. 1450 tritt sie dann zum ersten Mal unter dem Namen „Burg die Göltzsch“, nach dem umgebenden Fluss, in Erscheinung. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde daneben ein Renaissanceschloss errichtet, das Hans Edler von Planitz, einem Freund Martin Luthers, als Wohnsitz diente. Im Jahr 1910 gingen Burg und Schloss in den Besitz der Stadt Rodewisch über, die sie in den umgebenden Stadtpark miteingliederte. Im Zuge dessen wurde der damals beinahe schon trockengefallene Graben zu einem Gondelteich umgestaltet. Gegen Ende der 1930er-Jahre fanden umfangreiche archäologische Ausgrabungen in der Burganlage statt.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Maße und Ausdehnung

Die Befestigung wurde an der Stelle errichtet, wo der Bach Pöltzsch in die Göltzsch Aue mündet. Heute stellt sich die Anlage noch als abgerundet trapezförmige Insel mit einer Ausdehnung von ca. 130 x 86 m dar. Sie wird von einem weiten wassergefüllten Graben umschlossen, der im Süden und Westen zwischen 12–18 m und im Norden 35–45 m Breite aufweist. Ganz im Nordwesten der Insel befinden sich die Reste einer annähernd quadratischen Wasserburg. Sie ist von einem zweiten umlaufenden Graben umgeben, der eine Breite von 6–10 m besitzt. Die noch erhaltenen Grundmauern dieser Anlage bemessen 22 x 20 m Größe.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle O. Braasch, Foto ©LfA 1993.

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Ausgrabungen 1937–1939

1937 entschloss sich die Stadt Rodewisch, die seit circa 1925 leerstehenden und verfallenen Gebäude der Schlossanlage wiederherzustellen. Hierfür fanden zunächst baugeschichtliche Untersuchungen, Vermessungen und schließlich von 1937–1939 archäologische Ausgrabungen im „Rittergute Obergöltzsch“ statt. Dabei zeigte sich, dass die ältesten Bestandsgebäude auf das 16. Jahrhundert zurückgingen. Durch eine urkundliche Erwähnung aus dem 15. Jahrhundert galt jedoch als gesichert, dass mindestens ein Vorgängerbau bestanden haben musste. Daraufhin wurde ein Suchgraben quer über den Schlosshof angelegt. Dabei kamen die ersten Grundmauerreste der alten Wasserburg zutage. Um Lage und Größe der Burg zu klären, wurden großflächigere Grabungen angeschlossen, welche die systematische Freilegung und „Durchgrabung“ der älteren Burg zum Ziel hatten. Hierfür wurde der Reichsarbeitsdienst herangezogen. Ausgräber war der Architekt und Denkmalpfleger Hans Nadler, der später über die Grabungen in Rodewisch promoviert wurde. 1937 besuchte zudem der auf slawische Keramik spezialisierte Prähistoriker Heinz Arno Knorr die Grabungen und schilderte sie in einem Brief dem Landespfleger und späteren Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden, Georg Bierbaum.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle OA 13300/0095, Brief ©LfA 1937.

Grabungsergebnisse

Die Ausgrabungen ergaben, dass die Burg Göltzsch bereits im frühen 12. und 13. Jahrhundert bestanden haben musste, wahrscheinlich in Form einer Wehranlage aus einem hölzernen Wohnturm, der von einem Wall und einem Wassergraben umgeben war. Im 14. Jahrhundert wurde dieser Vorgängerbau durch ein Steingebäude ersetzt. Den Kern der Anlage bildete eine Burg mit Wohnräumen und einem kleinen Burghof. Ihre Mauern waren in Schalenbauweise aus Bruchsteinen errichtet. Sie war von einem etwa 2 m hohen Erdwall umgeben und zusätzlich durch einen bis zu 7 m breiten Wassergraben gesichert. Der Zugang erfolgte über eine hölzerne Zugbrücke, deren Reste sich im feuchten Boden gut erhalten hatten. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war auf der Insel ein Renaissanceschloss errichtet worden. Die gesamte Burganlage war vermutlich im Zuge des Dreißigjährigen Krieges zerstört worden. Die Schuttschicht wurde zu großen Teilen im Wassergraben entsorgt und datiert in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle OA 13300/0105, Foto ©LfA 1938.

Keramikfunde

Bemerkenswert ist das reiche Fundinventar, das während der Grabungen gegen Ende der 1930er-Jahre geborgen wurde und sich im Landesamt für Archäologie Sachsen befindet. Ein großer Teil stammt dabei aus dem im 17. Jahrhundert zugeschütteten Burggraben. Darin allein wurden mehr als 2500 Keramikgefäße des 12. bis 16. Jahrhunderts gefunden, die sich durch ihre gute Erhaltung auszeichnen. Die Keramik des 12. bis 14. Jahrhunderts ist zumeist unglasiert und mit einer Bodenmarke versehen. Während vor allem die Keramik des 16. Jahrhunderts durch ihre farbige Glasur und ihr prunkvolles Dekor auffällt.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle U. Wohmann, Foto ©LfA 2014.

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Sonstige Fundstücke

Durch die feuchte Lagerung im Burggraben haben sich auch zahlreiche Holzfunde, wie etwa Quirle, Holzkellen und Schalen erhalten. Ebenso kamen Küchengeräte, wie Speisemesser, Löffel, ein Tischofen und Teile eines Leuchters zutage. Knochenreste und organische Rückstände erlauben sogar einen Blick auf die Speisekarte im „Festen Hus“: so wurde Reh, Schaf und Wildschein aufgetischt, außerdem fanden sich in einigen Gefäßen Reste von Quarkspeisen sowie Kerne von Kirschen und Pflaumen. In einem anderen Bereich fanden sich Gegenstände eines Werkraumes und einer Rüstkammer, wie Hammer, Zangen, Wetzeisen, Scheren, Rad- und Stachelsporen sowie Armbrustbolzenspitzen. Im Norden befanden sich die Wohnräume. Hier stießen die Ausgräber auf fast 800 Stecknadeln mit Fingerhut und Seidenfaden, auf Filetnadeln und Wollreste. Außerdem kleine Edelsteine, Münzen, Knöpfe, Kämme oder Spielzeug für Kinder. Zu den besonderen Funden zählt zudem eine zweiteilige „Taschensonnenuhr“ aus Holz.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle U. Wohmann, Fotos ©LfA 2014.

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Besitzer der Burg

Die Burg Göltzsch hatte im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Besitzer. Unter ihnen sind zu Beginn vor allem die Vögte von Plauen und die Wettiner zu nennen. Fast das gesamte 15. Jahrhundert hindurch gehörte sie dann den Burggrafen von Dohna. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Burganlage von Hans Edler von der Planitz erworben und um das Renaissanceschloss erweitert. Etwa zweihundert Jahre später gelangte es in den Besitz der Familie von Beust, die es Mitte des 18. Jahrhunderts an die Familie von Brandenstein verkaufte. 1780 geriet das alte Rittergut schließlich in bürgerliche Hand, als es erst von der Familie Franke und danach von der Familie Adler erworben wird. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging die Burg Göltzsch in den Besitz der Stadt Rodewisch über.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle O. Braasch, Foto ©LfA 1994.

Literatur

Martina Bundszus, Renaissancezeitliche Keramik von der Wasserburg Göltzsch in Rodewisch im Vogtland. In: R. Smolnik (Hrsg.), Keramik in Mitteldeutschland. Stand der Forschung und Perspektiven. Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen 57 (Dresden 2012) 245–258.
Dana Mikschofsky, Bei einem Freund von Martin Luther. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 196–197.
Hans Nadler, Denkmalpflegerische Arbeiten an der frühmittelalterlichen Wehranlage Göltzsch in Rodewisch. Építés-és Közlekedéstudományi Közlemények 10, 1966, 81–93.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck, Wasserburg Göltzsch. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (26.06.2024). https://archaeo-sn.de/ort/3902/ (Stand: 26.08.2026)

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