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Klostergründung
Standortwahl
Klostergeschichte im Mittelalter
Frühe Neuzeit
Spätromanische Kirche
Baugeschichte
Nachnutzung des Klosters
Baumaterialien
Archäologische Ausgrabungen

Kloster Buch

Ort: Klosterbuch (Leisnig, Mittelsachsen)
Typ: Klosteranlage
Datierung: Hochmittelalter | Spätmittelalter | Neuzeit | 1100 - 1600 n. Chr.

Beschreibung

Der Ort Klosterbuch, etwa 4,5 km östlich von Leisnig in einer Schleife der Freiberger Mulde gelegen, ist nach dem mittelalterlichen Zisterzienser Kloster Buch benannt. Es wurde wahrscheinlich vor 1192 gegründet und häufte im Laufe seines Bestehens einen beachtlichen Besitz von 52 Dörfern, 22 Kirchenpatronaten und 8 Vorwerken an, die dem Kloster Reichtum bescherten. Nach dem Tode des letzten Abtes 1525 wurde es im Zuge der Reformation aufgelöst. Die Besitztümer gingen an Kurfürst Johann den Beständigen über. Später wurde das Gut an die Landesschule Grimma übertragen. Im Dreißigjährigen Krieg kam es zur Plünderung des einstigen Klosters, das von da an zunehmend verfiel und als Steinbruch genutzt wurde. Dabei wurden auch große Teile der einstigen Basilika abgetragen. Im Jahr 1678 wurde aus dem Resten des Querschiffs eine evangelische Kirche errichtet. Im 18. Jahrhundert nutzte man die Gebäudereste des Klosters als Stallungen, was zusätzlich den Verfall vorantrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Gut an die SED, die den Besitz in das VEG Klosterbuch-Hochweitzschen umwandelte. Erst nach Auszug des Landwirtschaftsbetriebs 1989 konnte die Anlage wiederhergerichtet werden. Seit 1997 kümmert sich der Förderverein Klosterbuch e.V. um das ehemalige Kloster.

Annemarie Reck

Klostergründung

Das genaue Jahr der Gründung des Klosters Buch ist aufgrund des Fehlens einer Gründungsurkunde nicht überliefert. Weshalb das Datum der Gründung auf den faktischen Einzug der ersten 12 Mönche aus Sittichenbach bei Eisleben am 17. August 1192 festgesetzt wurde. Die Lage direkt am Fluss ist für ein Zisterzienserkloster eigentlich untypisch. Meist wurden die Klöster in abgelegenen und noch unbewohnten Gegenden gegründet und im Rahmen der Urbarmachung des Landes eingesetzt. Zur Gründung des Klosters Buch wurden hingegen die Bewohner des vorher schon dort bestehenden Dorfes Buch umgesiedelt. Auch lag das Kloster in Sichtweite zur Reichsburg Leisnig.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2012.

Standortwahl

Für gewöhnlich gründeten Zisterzienser ihre Klöster in schmalen, tief eingeschnittenen Seitentälern, während das Kloster Buch, wie auch das ebenfalls an der Mulde gelegene Kloster Altzella, trotz Hochwassergefahr direkt am Flussufer errichtet worden war. Bereits nach zehn Jahren kam dies dem Kloster teuer zu stehen: 1203 wurden einige der Gebäude durch ein Hochwasser derart beschädigt, dass die Mönche zeitweise umziehen mussten. Im Laufe der Geschichte wurde das Kloster mehrmals durch Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen, zuletzt bei den besonders verheerenden Katastrophen von 2002 und 2013.

Annemarie Reck

Bildquelle S. Bilz, Foto ©LfA 2024.

Klostergeschichte im Mittelalter

Gefördert wurde das Kloster vor allem vonseiten des reichsunmittelbaren Leisniger Burggrafen, der stets bemüht war, seine Machtstellung gegen seinen Konkurrenten, den Markgrafen von Meißen, zu einer selbstständigen Landesherrschaft auszubauen. Ob er auch der Stifter war, ist unklar. Das Bestreben zur Klostergründung könnte auch von Kaiser Friedrich Barbarossa selbst gekommen sein, der sich 1188 nachweislich in Leisnig aufhielt. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts verlor der Leisniger Burggraf seinen Einfluss und auch einen Teil seines Besitzes an die Wettiner. Bei einer Auseinandersetzung im Jahr 1365 zwischen den Burggrafen und der Klosterführung gerieten einige Klostergebäude in Brand. Später stellte der Markgraf von Meißen das Kloster unter seinen Schutz. Er übereignete ihm zudem Besitz, wie etwa die Parochie Belgern. So kam es, dass gegen Mitte des 15. Jahrhunderts der Abt von Buch gleichsam als Stadtherr von Belgern auftritt. Abgesehen von kleineren Rückschlägen, florierte das Kloster dank großer Aufmerksamkeit vonseiten der Politik und großzügiger Schenkungen. 1486 erhielt das Kloster vom Generalkapitel der Zisterzienser in Cîteaux die Erlaubnis zur Gründung einer Schule. Auch eine Filialgründung war im Gespräch, wurde aber nicht weiterverfolgt.

Annemarie Reck

Bildquelle U. Wohmann, blaugraue Wandscherbe mit Mönchskopf, Foto ©LfA 2014.

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Frühe Neuzeit

Nachdem der letzte Abt Antonius Dytz von Rochlitz am 20. Dezember 1525 gestorben war, wurde das Kloster als Folge der Reformation aufgehoben. Die verbliebenen Mönche erhielten eine Abfindung, während der Besitz an den Kurfürsten Johann den Beständigen übertragen wurde. 1550 ging das Gut im Bestand der neugegründeten Landesschule Grimma auf. Nur fünf Jahre später wird es als Rittergut an Hans von Schleinitz verkauft, der es seinerseits 1567 der Familie von Zeschau überließ. Sie führten am Abthaus, das nunmehr als Hauptgebäude diente, zahlreiche Umbauten im Stile der Renaissance durch. Zu dieser Zeit war die alte Klosterkirche schon teils verfallen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gut geplündert und ging 1663 schließlich wieder in den Besitz der Landesschule Grimma über.

Annemarie Reck

Bildquelle O. Spitzner, Foto ©LfA 2006.

Spätromanische Kirche

Welche Gebäude während des ersten Hochwassers 1203 zerstört wurden, kann nicht mehr nachgewiesen werden. Möglicherweise handelte es sich noch nicht um die späteren Stein- und Fachwerkgebäude. Ältester Bau des Klosters ist vermutlich die spätromanische Kirche, die in Teilen schon vor 1192 entstanden sein kann, wenngleich einige der Anbauten auch auf eine Errichtung im frühen 13. Jahrhundert hindeuten. Die Kirche ist dreischiffig und besaß eine wohl fünfjochige, kreuzförmige Pfeilerbasilika mit Querhaus, Rechteckchor und jeweils zwei Nebenkapellen. Eindeutig jünger einzuordnen ist die gotische Chorapsis mit einem polygonalen Abschluss und Strebepfeilern, die sich deutlich von den spätromanischen Bauelementen abheben.

Annemarie Reck

Bildquelle Stefan Delang u.a. 2006, S. 56, Abb. 64.

Baugeschichte

Der Ostteil der Kirche und die Klausur mit dem Dormitorium der Mönche wurden wohl gleichzeitig um das Jahr 1200 erbaut. Später wurde der Klausurflügels nach Süden hin erweitert. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts folgte eine große Anbauphase, in dessen Zuge das zweigeschossige Langhaus, die Basilika und der Kreuzgang fertiggestellt wurden. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts entstand das Abthaus, vermutlich aus einem Mönchskrankenhaus mit angeschlossener zweijochiger Kapelle, das ein Jahrhundert früher errichtet worden war. Bis Ende des 18. Jahrhunderts unterlag das Abthaus immer wieder Umbauphasen, die sowohl am Bau, als auch an den Wandmalereien und -vertäfelungen sowie an den Kassettendecken ihre Spuren hinterlassen haben.

Annemarie Reck

Bildquelle A. Reck, Foto ©LfA 2024.

Nachnutzung des Klosters

Im 17. Jahrhundert hatte sich durch den Verfall des Kreuzganges das Herzstück des Guts längst nach Osten verlegt. Zu der Zeit gehörten eine Mühle, ein Brauhaus, ein Brennhaus, eine Schmiede, ein Torhaus, mehrere Scheunen, Gärten und das „Neue Haus“ nördlich des Herrenhauses zu dem Ensemble. Im 19. Jahrhundert wurden im alten Klausurgebäude und im Kapitelsaal Kuhställe eingerichtet, bevor 1895 ein neues Stallgebäude an der Nordseite des Hofes hinzukam. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog der Landwirtschaftsbetrieb VEG Klosterbuch-Hochweitzschen in das ehemalige Kloster ein, der die mittelalterlichen Gebäude bis 1989 weiter in Mitleidenschaft zog. Im Jahr 1997 gründete sich dann der Förderverein Klosterbuch e.V., der sich dem Erhalt und der Pflege der Klosteranlage verschrieben hat.

Annemarie Reck

Bildquelle O. Spitzner, Foto Kapitelsaal ©LfA 2002.

Baumaterialien

Zu seinen Hochzeiten bestand das Kloster Buch aus einer Vielzahl von Gebäuden, wie einer Kirche, dem Kapitelhaus, einem Refektorium, einem Konversenhaus, einem Kreuzgang mit Brunnen, einem Abthaus mit Krankenkapelle, mehreren Wirtschaftsgebäuden, einer Schmiede sowie einem überwölbten Wassergraben und einer befestigten Klostermauer. Für die Steingebäude wurde größtenteils der rötliche Quarzporphyr (Rhyolit) aus dem direkten Umfeld des Klosters verwendet, der beispielsweise auch an den gegenüber gelegenen Klippen der Maylust ansteht. Dennoch wurde für sämtliche Gliederungselemente, wie Pfeilervorlagen, Kämpfer, Konsolen, Rundbögen und zahlreiche andere Bauteil, die einen ebenso gestalterischen Zweck erfüllen, der hochwertigere Rochlitzer Porphyr Tuff gewählt.

Annemarie Reck

Bildquelle A. Reck, Foto ©LfA 2024.

Archäologische Ausgrabungen

Bereits im Jahr 1901 und 1902 wurden, angeregt durch Cornelius Gurlitt, erste Grabungen in Kloster Buch durchgeführt. Der dabei entstandene Grundrissplan bestimmte für fast 100 Jahre das gültige Bild der Anlage. Erst im Jahr 2000 fanden im Rahmen von Sanierungsarbeiten erneut archäologische Untersuchungen im Bereich eines Wirtschaftsgebäudes und bei der Anlage von Abwassersammelbehältern statt. Infolge des schweren Hochwassers 2002 wurden in den Jahren 2003 und 2004 umfangreiche Ausgrabungen nötig, die sich vor allem auf den Chor der spätromanischen Klosterkirche bezogen. Später kamen bis 2007 im Bereich des Klostergeländes zahlreiche, meist baubegleitende Eingriffe hinzu, die der Archäologie halfen die Baugeschichte von Kloster Buch zu beleuchten. Zuletzt wurden 2014 aufgrund der geplanten Errichtung eines Hochwasserschutzes in Form eines halbkreisförmigen Deiches und einer Schutzmauer um Klosterbuch flächige Ausgrabungen nötig. Dabei konnte ein Areal von 13 300 qm um das Kloster archäologisch untersucht werden.

Annemarie Reck

Bildquelle F. Gall, Grabungsplan ©LfA 2014.

Literatur

Stefan Delang/Franziska Koch/Heinrich Magirius/Thomas Schmidt, Das Zisterzienserkloster Buch, Arbeitsbericht zur Bauforschung. Arbeitshefte des Landesamtes für Archäologie Sachsen 9 (Leipzig 2006).
Fabian Gall, Dem Kloster ein Gesicht geben. Archäologische Beiträge zur mittelalterlichen Topographie von Kloster Buch bei Leisnig. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Ausgrabungen in Sachsen 5. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege Beiheft 31 (Dresden 2016) 343–352.
Friedrich Gentzsch, Kloster Buch. Eine Annäherung an seine Geschichte anhand der Urkunden (Markkleeberg 2014).
Angelika Salmen/Michael Strobel/Anna D. Uschner/Johanna Wegner/Thomas Westphalen, Archäologisch-heimatkundliche Fahrradtour durch das Muldental zwischen Döbeln und Kloster Buch. Dienstag 1. Mai 2018. Ungedr. Heft, Archäologische Gesellschaft in Sachsen e.V. (Dresden 2018) 31–46.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags

Annemarie Reck, Kloster Buch. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (10.07.2024). https://archaeo-sn.de/ort/3903/ (Stand: 23.08.2026)

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