Logo Archaeo | 3D
Lage und Aufbau
Schlackewälle
Frühe Grabungen
Steinbrucharbeiten
Rechtsstreit um den Strohmberg

Frühmittelalterlicher Wall auf dem Strohmberg

Ort: Särka (Weißenberg, Bautzen)
Typ: Befestigte Anlage
Datierung: Frühmittelalter | Hochmittelalter | 900 - 1100 n. Chr.

Beschreibung

Südlich von Weißenberg (Wóspork) erhebt sich der 264 m hohe Strohmberg, dessen Doppelgipfel das umliegende Gelände um 75 m überragt und eine guten Weitblick in alle Himmelsrichtungen bietet. Auf dem spornartigen Ende des südlich gelegenen Gipfels befinden sich die Überreste einer Befestigungsanlage aus dem Frühmittelalter. Der heute noch erhaltene, gebogene Abschnittswall riegelt die Hochfläche der Erhebung nach Norden hin ab. Deutliche Hitzeeinwirkungen an den Basaltbrocken aus dem Wall deuten auf ein Ende der Befestigungsanlage im 10. oder 11. Jahrhundert durch ein Brandereignis hin.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Lage und Aufbau

Der dicht bewaldete Strohmberg besitzt einen markanten Doppelgipfel aus Nephelinbasalt. Die beiden Erhebungen sind dabei durch einen Grat verbunden. Die südlichere bildete eine Hochfläche aus, die im Frühmittelalter wahrscheinlich kesselförmig befestigt wurde. Außerdem soll sich im Wallbereich ein tiefer, wasserführender Brunnen befunden haben, der erst nach 1850 mit Steinplatten verschlossen wurde. Der heute nur noch im nördlichen Bereich der Erhebung erhaltene Abschnittswall bestand aus einer Konstruktion aus Basaltbrocken, Erdmaterial und Holzversteifungen. Infolge starker Hitzeeinwirkung waren die Basaltbrocken im inneren des Walls verschlackt.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2003.

Schlackewälle

Durch diesen Umstand zog der Strohmberg schon im 19. Jahrhundert die Aufmerksamkeit der Forschung auf sich. Sogenannte Schlackewälle galten in der frühen Forschung als ein regelrechtes Phänomen, das vor allem bei slawischen Befestigungsanlagen in der Lausitz beobachtet wurde. Es wurde auch diskutiert, ob sie absichtlich so verschlackt angelegt worden seien. Heute geht man jedoch davon aus, dass es im Zuge der Eroberung und Aufgabe der Burganlagen zu Bränden und der damit verbundenen Verschlackung der Wälle kam.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Bildquelle OA 15230, 27, Fotos ©LfA 1971.

Frühe Grabungen

Eine erste Grabung wurde schon vor 1839 vom Bergrat von Cotta aus Tharandt vorgenommen. 1870 führte auch der bekannte Berliner Arzt und Prähistoriker Rudolf Virchow (1821–1902) Untersuchungen am Burgwall durch. Dabei barg er charakteristische slawische Keramikscherben aus dem 10. und 11. Jahrhundert sowie Funde aus Eisen, wie Pfeilspitzen, Messer und Reste einer Hakensichel. Um 1899 und 1906 erfolgten weitere Ausgrabungen unter dem Oberlehrer Hermann Schmidt aus Löbau, der sich vor allem mit dem Aufbau von „Schlackewällen“ beschäftigte. Weitere Keramik- und Eisenfunde, Spinnwirtel und Brandlehmbrocken untermauerten dabei die Deutung des Strohmberges als slawische Befestigungsanlage aus dem Frühmittelalter.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Bildquelle OA 15230, 94, Rekonstruktion nach R. Virchow ©LfA 1870.

Steinbrucharbeiten

Grund für das eifrige Forschungsbestreben war nicht zuletzt auch die immer weiter fortschreitende Zerstörung der Burganlage. Schon seit 1836 wurde im Auftrag des Rittergutes in Särka am Berg Basalt abgebaut. Der Ostteil muss zu dieser Zeit bereits durch ältere Steinbrucharbeiten zerstört gewesen sein. Durch einen weiteren kleineren Steinbruch im Westen wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts zahlreiche Teile der frühmittelalterlichen Burganlage unbeobachtet zerstört. Bis 1930 war der kleinere, westliche Steinbruch bereits stillgelegt, dennoch wurde der Abbau im Süden weiterbetrieben. Bereits 1926 machte der Archäologe Walter Frenzel, der zu dieser Zeit an der Schanze in Ostro grub, mit dem Artikel „Volksgut in Not!“ auf die Situation am Strohmberg aufmerksam.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Bildquelle OA 15230, 172, geplante Steinbrucherweiterung ©LfA 1936.

Rechtsstreit um den Strohmberg

Nach Einführung des ersten Denkmalschutzgesetztes am 1. Januar 1934 bemühte sich der Landespfleger für Bodenaltertümer Georg Bierbaum (1889–1959) entsprechend um eine zügige Eintragung des Strohmbergs in die Denkmalliste. Jedoch legte der Besitzer des Ritterguts von Horst dagegen Widerspruch ein. Eine angedachte Rettungsgrabung scheiterte damals an den fehlenden finanziellen und personellen Mitteln der archäologischen Denkmalpflege. Daraufhin begann ein Rechtsstreit bis zur höchsten Instanz, dem damaligen Staatsministerium des Inneren. Schließlich wurde dem Freiherrn von Horst gestattet bereits lockeres Material und eine noch hervorstehende Felskante abzutragen. Dennoch ließ er den Steinbruch bis 1945 illegal durch Sprengungen vergrößern, wodurch der gesamte südwestliche Teil der Anlage verloren ging. Für seinen Verstoß gegen das Reichsnaturschutz- und sächsische Heimatschutzgesetz wurde Freiherr von Horst nie zur Rechenschaft gezogen. Heute ist der Strohmberg ein ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Bildquelle M. Strobel, DGM ©LfA/GeoSN 2019.

Literatur

Richard Andree, Wendische Wanderstudien. Zur Kunde der Lausitz und der Sorbenwenden (Stuttgart 1874) 130–131.
Michael Strobel/Thomas Westphalen, Steingewinnung und archäologische Denkmalpflege in Sachsen zwischen den Gründerzeitjahren und 1945 – Rückblick und Bilanz. Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V. 2/3, 2018, 27–38.
Michael Strobel, Die frühmittelalterliche Befestigung auf dem Strohmberg (Wósmužowa hora). In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 132–133.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags

Michael Strobel/Annemarie Reck, Frühmittelalterlicher Wall auf dem Strohmberg. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (24.07.2024). https://archaeo-sn.de/ort/3904/ (Stand: 14.08.2026)

Creativ Common Lizenz Logo CC BY-NC 4.0