



Schloss Moritzburg
| Ort: | Moritzburg-FR Kreyern (Moritzburg, Meißen) |
|---|---|
| Typ: | Schloßanlage |
| Datierung: | seit 1542 n. Chr. |
Beschreibung
Schloss Moritzburg wurde in den Jahren 1542–1546 vom Dresdner Zeugmeister Caspar Vogt von Wierandt als Jagdschloss erbaut. Im Auftrag gegeben wurde es von Herzog Moritz (1521–1553), der den umliegenden Wald für seinen Wildreichtum als Jagdrevier schätzte. Heute zählt das Gesamtensemble des Schlosses mit seiner kilometerlangen Allee, der weitreichenden Garten- und Parkanlage sowie der Teichlandschaft zu den bedeutendsten Bauten des Dresdner Barock. 1946 wurde ein Museum in Schloss Moritzburg eingerichtet, das bis heute mit vielfältigen Ausstellungen zum sächsischen Barock, der Bau- und Jagdgeschichte oder dem Meißner Porzellan aufwartet.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckErste Bauphasen
Aus der ersten Bauphase aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt das rechteckige Mittelgebäude. Es wird von einer regelmäßigen Vierflügelanlage und vier mächtigen Rundtürme umschlossen. Bei den Flügeln handelte es sich ursprünglich um nach innen in Fachwerk gebaute Wehrmauern, die als Wirtschaftsgebäude und Ställe dienten. Die herrschaftlichen Wohnräume befanden sich hingegen im Mittelgebäude und den Türmen. Nach dem Tod des inzwischen zum Kurfürsten gewordenen Moritz infolge einer schweren Verwundung in der Schlacht von Sievershausen (1553) gingen sein Titel und Besitz an seinen Bruder August (1526–1586) über, so auch Schloss Moritzburg. Dieser veranlasste 1584 die Umgestaltung des Jagdhauses durch den Hofmaurermeister Peter Kummer und den Dresdner Zeugmeister Paul Buchner. Um 1660 wurde das Schloss von dem Oberlandbaumeister Wolf Caspar von Klengel um eine Kapelle erweitert. Der rechteckige Anbau wurde an die hierfür durchbrochene westliche Front des Schlosses angesetzt und mit einem Schweifdach sowie Turmreitern ausgestattet.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckBildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2017.
Barocke Umgestaltung
Um 1700 plante August der Starke (1670–1733) Schloss Moritzburg zu einem repräsentativen Jagd- und Lustschloss im Sinne des Barocks umzugestalten. Maßgeblich beteiligt an den Ausführungen war der Architekt Matthäus Daniel Pöppelmann, der auch der Baumeister des Dresdner Zwingers, des Japanischen Palais oder von Schloss Pillnitz war. Hierfür wurden die vier Ecktürme des Schlosses erhöht bzw. neu errichtet und durch dreigeschossige Flügel miteinander verbunden. Gleichzeitig wurden neue Teiche und Tiergehege angelegt. Dabei erhielt das Schloss weitgehend sein heutiges Aussehen. So führte nun die neu angelegte, gerade Allee von Süden her über eine Brücke direkt auf die untere Terrasse mit ihren Torhäusern, Wassertreppen und Pavillons und über einen geschweiften Rampenaufgang bis auf die obere Terrasse hinauf. Um 1733 waren die Umbauten im Innen- und Außenbereich abgeschlossen.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckBildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2020.
Landschaftliche Erweiterung
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts konnte auch das weitere Gelände um das Schloss in die Landschaft miteingebunden werden. In diesem Zuge wurden der Fasanengarten und der Bärnsdorfer Großteich angelegt. Zwischen 1769 und 1782 wurde das Fasanenschlösschen vom Hofarchitekten Johann Daniel Schade errichtet. Ab 1933 diente Schloss Moritzburg dem wettinischen Prinzen Ernst Heinrich (1896–1971) als Wohnsitz, bis die Familie 1945 nach Sigmaringen floh und später enteignet wurde. 1985 bis 1989 wurde die Schlosskapelle aufwendig restauriert.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckBildquelle Fasanenschlösschen, Teppich um 1790, CC 0.
Notbergung des "Wettinerschatzes"
Noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs beauftragte Prinz Ernst Heinrich von Sachsen, seine beiden Söhne Dedo und Gero sowie den Revierförster insgesamt 43 Kisten voller Wertgegenstände im Wald zu vergraben. Später verriet der Förster unter Folter das Versteck an die sowjetischen Besatzer. Noch 1945 wurden 40 der Kisten wieder ausgegraben und als Beutekunst nach Russland gebracht. Die übrigen drei waren von den beiden Brüdern an anderer Stelle vergraben worden. Im Oktober 1996 wurden sie im Wald von Moritzburg von zwei Schatzsuchern mit Metallsonden wiederentdeckt. Nach drei Tagen meldeten sie den wichtigen Fund aber doch, woraufhin eine archäologische Notbergung eingeleitet wurde. Auch die alten, von den Sowjets geplünderten Gruben wurden im Zuge dessen nachuntersucht. Der Schatz wurde daraufhin seinen Besitzern zurückgegeben und zum Teil versteigert. Einige Stücke sind aber noch in der Ausstellung von Schloss Moritzburg zu sehen. Der Großteil des Familienschatzes der Wettiner befindet sich noch immer in Russland. Einige besondere Stücke werden in der Ermitage in St. Petersburg gezeigt.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckBildquelle H. Haßmann, Foto ©LfA 1996.
Literatur
M. Donath, Moritzburg. Glückliche Insel im Friedewald. In: Schlösser in Dresden und Umgebung (Meißen 2005) 116–119.
E. Lehmann (Hrsg.), Lößnitz und Moritzburger Teichlandschaft. Ergebnisse der heimatkundlichen Bestandsaufnahme im Gebiet um Radebeul und Dresden-Klotzsche. Werte unserer Heimat (Berlin 1973) 52–56.
Dana Mikschofsky, Jagdschloss Moritzburg. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 142–143.
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
https://archaeo-sn.de/ort/3905/
Zitat des Beitrags
Dana Mikschofsky/Annemarie Reck, Schloss Moritzburg. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (19.07.2024). https://archaeo-sn.de/ort/3905/ (Stand: 14.08.2026)