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Ein Wall auf der Schanze?
Feuersteinartefakte
Standortwahl

Westewitzer Schanze

Ort: Westewitz (Großweitzschen, Mittelsachsen)
Typ: Station/Lager/Rastplatz | Siedlung
Datierung: Magdalénien | Mesolithikum | Neolithikum | 14000 v. Chr. | 8000 v. Chr. | 5000 - 4500 v. Chr.

Beschreibung

Auf der Westewitzer Schanze, auch „Burgstadel“ genannt, soll sich eine vermutlich mittelalterliche Befestigung befunden haben. Außer dem Namen, der bereits auf alten Messtischblättern auftaucht, gibt es heute weder Hinweis noch nennenswerte Funde, die auf eine vorgeschichtliche oder mittelalterliche Befestigungsanlage hindeuten. Stattdessen kam in den 1960er-Jahren im Zuge des gezielten Suchens nach datierbaren Funden durch den ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Richard Diecke eine Vielzahl von Feuersteinartefakten zutage. Hierdurch konnte der Bergsporn gesichert als ein spätaltsteinzeitlicher und mittelsteinzeitlicher Lagerplatz identifiziert werden. Außerdem deuten zahlreiche Kratzer an, dass die siedlungsgünstige, lössbedeckte Hochuferterrasse auch während der Jungsteinzeit wieder von Menschen aufgesucht worden sein könnte.

Annemarie Reck

Ein Wall auf der Schanze?

Die Schanze liegt östlich des Ortes am Hochufer des zungenförmigen, spornartigen und etwa 231 m hohen Kirschberges. Der mit einer dicken Lössschicht bedeckte Felsrücken wird im Norden vom Zieschbach und im Süden von der Freiberger Mulde begrenzt. Der westliche Sporn diente als Steinbruch für Leisniger Quarzporphyr. Trotz der sehr frühen Nennung eines Walles oder einer Burganlage in den Ortsakten, lässt er sich faktisch im Laserscan heute nicht mehr nachweisen. Dass sich unter der im DGM sichtbaren, rechtwinkeligen Böschung noch eine Wallstruktur verbirgt, ist eher unwahrscheinlich. Falls es sich nur um einen Abschnittswall im Bereich des Sporns gehandelt haben sollte, könnte er im Zuge der Abbauarbeiten im Steinbruch zerstört worden sein. Möglicherweise wurde er auch durch die ackerbauliche Nutzung der Hochfläche bereits vollständig eingeebnet.

Annemarie Reck

Bildquelle A. Reck, DGM ©LfA/GeoSN 2024.

Feuersteinartefakte

Unter den Lesefunden, die der ehrenamtliche Mitarbeiter des Landesmuseums für Vorgeschichte, Richard Diecke aus Döbeln, aufgesammelt hatte, befanden sich vor allem jung- bis spätpaläolithische Feuersteingeräte, wie Rückenmesser (1–5) und Bohrer (6–11) oder Stichel. Sie gehen auf das sogenannte Magdalénien am Ende der letzten Eiszeit um 14 000 v. Chr. zurück. Die Rückenmesser waren dabei mit Birkenpech in das Ende von Wurfspeeren eingesetzt worden und stellen die für diese Zeit typische Jagdwaffe dar. Die Klingenkrater (32–44) hingegen kommen zwar auch im Paläolithikum vor, sind aber auch in der Jungsteinzeit weit verbreitete Geräte. Andere Funde wie mikrolithische Spitzen (13–16), Tardenois-Spitzen (17.18), Dreiecke (19–22), Trapeze (23-28) und Kerbreste (29–31) weisen auf ein mittelsteinzeitliches Lager um ca. 7000 v. Chr. hin. Sie wurden ebenfalls als Einsätze und zum Teil als Spitzen für Pfeile und Wurfspeere verwendet.

V. Geupel 1976, Abb. 2, 5./A. Reck, Bearbeitung ©LfA 2024.

Bildquelle Annemarie Reck (18.07.2024)

Standortwahl

Ausschlaggebend für die Wahl der Hochterrasse als Ort für ein Jagdlager war vor allem die Lage des Kirschberges. Von dort besteht sowohl Einblick in das Muldental als auch freie Sicht über die umliegende Hügelkuppenlandschaft, die während der ausgehenden Eiszeit noch weitestgehend unbewaldet war. Dadurch konnten vorbeiziehende Tierherden frühzeitig ausgemacht werden. In der Mittelsteinzeit hatte sich mit dem Klima auch die Landschaft verändert. Die Großtierherden wanderten nach Norden ab. In den sich ausbreitenden Wäldern wurde vornehmlich Standwild gejagt. Ebenso wurde der Wurfspeer immer häufiger durch den für diese Art der Jagd günstigeren Pfeil und Bogen verdrängt.

Annemarie Reck

Bildquelle P. de Vries, Foto ©LfA 2015.

Literatur

Volkmar Geupel, Die spätsteinzeitlichen und mittelsteinzeitlichen Feuersteingeräte von der „Schanze“ in Westewitz, Kr. Döbeln. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 20/21, 1976, 15–26.
Angelika Salmen/Michael Strobel/Anna D. Uschner/Johanna Wegner/Thomas Westphalen, Archäologisch-heimatkundliche Fahrradtour durch das Muldental zwischen Döbeln und Kloster Buch. Dienstag 1. Mai 2018. Ungedr. Heft, Archäologische Gesellschaft in Sachsen e.V. (Dresden 2018) 31–46.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags

Annemarie Reck, Westewitzer Schanze. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (18.07.2024). https://archaeo-sn.de/ort/3906/ (Stand: 22.09.2026)

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