




Wiprechtsburg
| Ort: | Groitzsch (Groitzsch, Leipzig) |
|---|---|
| Typ: | Wehranlagen/Befestigungen |
| Datierung: | Frühmittelalter | Hochmittelalter | Spätmittelalter | 900 - 1294 n. Chr. |
Beschreibung
Die Wiprechtsburg bei Groitzsch ist eine imposante Burganlage, die ein wirtschaftliches und politisches Zentrum von überregionaler Bedeutung darstellte und der herrschaftlichen Repräsentation diente. Das Hauptareal umfasst eine Fläche von 8000 m2 und wurde von einem Wall umgeben, der in aufwendiger Kastenkonstruktion errichtet worden war. Das Vorburgareal, das wohl der wirtschaftlichen Versorgung diente, war in etwa dreimal so groß. Für die Burganlage ist eine Nutzung vom Beginn des 10. Jahrhunderts bis ins späte 13. Jahrhundert anzunehmen – historische Quellen benennen eine Zerstörung der Burg im Jahr 1294.
Linda SeifertTopografie
Die Wiprechtsburg liegt am Rande der heutigen Kleinstadt Groitzsch und wurde strategisch günstig auf einem natürlichen Sporn errichtet. Dieser fällt im Westen steil zum Ufer des Flusses Schwennigke hin ab, der sich in südlicher, westlicher und nördlicher Richtung um den Sporn windet. Nur etwa 900 m westlich der Fundstelle fließt die Weiße Elster, während unweit im Norden und Osten die Schnauder zu finden ist. Im Osten wurde der Burgbereich dagegen von einem hohen Abschnittswall gesichert. Auch der sich östlich anschließende Vorburgbereich wurde von einer Befestigung umgeben, die heute nur noch partiell erhalten ist.
Linda SeifertBildquelle O. Braasch, Foto ©LfA 1992.
Forschungsgeschichte
Die Wiprechtsburg weckte seit jeher das Interesse der Menschen. Bereits im Jahr 1743 nahm der Gerichtsherr von Groitzsch, Baron von Schwedendorf, erste Erkundungen des Geländes vor. Im Jahr 1848 wurden bei der Anlage von Fundamentgräben ringförmige Mauerstrukturen entdeckt, die später als Reste einer romanischen Rundkapelle identifiziert werden konnten. Umfassende Untersuchungen an der Burganlage nach wissenschaftlichen Standards wurden erstmals während der Grabung von 1959 bis 1967/68 unter der Leitung des Bodendenkmalpflegers und späteren Leiters des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden Heinz-Joachim Vogt durchgeführt. Die Bausubstanz wurde von dem Kunsthistoriker und Archäologen Herbert Küas untersucht. Eine weitere, baubegleitende und eher kleinräumige Untersuchung erfolgte 1998 im Zuge von Umbaumaßnahmen auf dem Gelände. Monografisch vorgelegt wurde der Fundplatz 1987 von Vogt, dessen Werk für die typochronologische Einordnung der hochmittelalterlichen Keramik im südlichen Leipziger Raum bis heute von Bedeutung ist.
Linda SeifertBildquelle OA 18670/468, Zeichnung ©LfA 1959.
Entwicklung der Burganlage
Insgesamt gab es fünf mittelalterliche Bau- und Siedlungsphasen, wobei die verschiedenen Umbaumaßnahmen die älteren Befunde meist überprägten. Im 10./11. Jahrhundert lässt sich eine Burg mit Torturm an der Nordseite nachweisen, die wahrscheinlich infolge von Bandereignissen zerstört und wiederaufgerichtet wurde (Phase I und II). Besonders hervorzuheben ist die Phase III, in der das Burgareal deutlich umgestaltet wurde. Die Befestigungsanlagen der Burg und der Vorburg wurden stark ausgebaut, was die Innenfläche deutlich reduzierte. Zudem wurden mehrere Steinbauten, ein romanischer Rundturm und eine Rundkapelle im Burgbereich und die Marienkirche im Vorburgbereich, errichtet. Der Beginn dieser Phase liegt etwa im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts, während das Ende wohl mit einer historisch überlieferten Zerstörung um 1115 im Zusammenhang steht. Die Burgmauer der Phase IV wurden etwa 2,5–3,5 m höher angelegt, wobei das Gelände um die romanischen Steinbauten ausgespart wurde. Außerdem wurden bereits die ersten Gebäude aus Ziegel errichtet. Der Übergang zwischen den Phasen IV und V liegt nach Vogt in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. In der letzten Phase V wurden die früheren Bauten zugeschüttet und das Areal durchgehend um 3–4 m erhöht, um (Ziegel-)Bauten auf einem einheitlichen Niveau zu errichten. Nach 1290 kam es zur endgültigen Zerstörung und Aufgabe der Burganlage.
Linda SeifertBildquelle H.-J. Vogt 1987, 152-153; L. Seifert, Bearbeitung ©LfA 2024.
Wiprecht von Groitzsch
Wiprecht von Groitzsch darf als herausragende Persönlichkeit seiner Zeit gelten. Sein Leben wird von verschiedenen Chronisten des Klosters Pegau geschildert. Im Jahr 1070 wurde ihm die Burg Groitzsch zugesprochen, wobei es bald zu Auseinandersetzungen mit dem ansässigen Adel kam. Wiprecht war ein Gefolgsmann von König Heinrich IV. und beteiligt am Kampf gegen die sächsischen Fürsten und Papst Gregor VI. Obgleich in zahlreiche Fehden verwickelt, dehnte er sein Herrschaftsgebiet immer weiter aus. Als Buße für das Niederbrennen der Zeitzer Jacobskirche gründete er 1091 das Kloster Pegau, das später die Familiengrablege werden sollte. Im frühen 12. Jahrhundert taten sich neue Konflikte auf, die 1115 mit der Belagerung und Zerstörung der Burg Groitzsch endeten. Wiprecht verlor seinen Besitz und wurde zum Tode verurteilt, später jedoch von Heinrich V. begnadigt. Im Jahr 1117 wurde er rehabilitiert und erhielt außerdem die Markgrafschaften Meißen und Niederlausitz. Wiprecht von Groitzsch verstarb 1124 als Mönch im Kloster Pegau. Sein Kenotaph befindet sich in der St. Laurentius-Kirche von Pegau.
Linda SeifertBildquelle L. Farkas, Foto ©LfA 2014.
Siedlungsgeschichte
Die archäologischen Untersuchungen zeigten, dass das Gelände bereits in früheren Epochen besiedelt worden war. Neben einer urgeschichtlichen Kulturschicht konnten während der Ausgrabungen in den 1960er-Jahren (Bild) einige ältere Gruben- und Pfostenbefunde dokumentiert werden. Da allerdings nur geringe Flächen untersucht wurden, sind keine Aussagen zur urgeschichtlichen Siedlungsstruktur zu treffen. Vogt stellt lediglich fest, dass sich die urgeschichtliche Besiedlung vermutlich gleichmäßig über das Burg- und Vorburgareal erstreckte. Das Fundgut erlaubt dabei eine Zuweisung in neolithische sowie in jungbronze- bis eisenzeitliche Perioden.
Linda SeifertBildquelle H.-J. Vogt 1987, 234.
Literatur
Peter Degenkolb, Wiprecht von Groitzsch. In: Sabine Wolfram (Hrsg.), In die Tiefe der Zeit – 300.000 Jahre Menschheitsgeschichte in Sachsen. Das Buch zur Dauerausstellung (Dresden 2014) 184–188.
Herbert Küas, Steinbauten der Wiprechtsburg bei Groitzsch, Kreis Borna, seit dem Ende des 11. Jahrhunderts. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 23, 1979, 107–146.
Heinz-Joachim Vogt, Die Wiprechtsburg Groitzsch. Eine mittelalterliche Befestigung in Westsachsen. Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden 18 (Berlin 1987).
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
https://archaeo-sn.de/ort/3952/
Zitat des Beitrags
Linda Seifert, Wiprechtsburg. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (09.08.2024). https://archaeo-sn.de/ort/3952/ (Stand: 14.08.2026)