



Kreisgrabenanlage Sieglitz
| Ort: | Sieglitz (Käbschütztal, Meißen) |
|---|---|
| Typ: | Kreisgrabenanlage 1-fach |
| Datierung: | Stichbandkeramische Kultur | 4700 - 4600 v. Chr. |
Beschreibung
Im Jahr 1997 wurde südlich des Ortes Sieglitz in der Lommatzscher Pflege während einer luftbildarchäologischen Befliegung eine frühneolithische Kreisgrabenanlage entdeckt. Sie lag auf einer Im Gelände weithin sichtbaren Geländekuppe und besaß einen Durchmesser von 53 m. Im Jahr 2014 konnten bei günstigen Bedingungen erstmals auch drei Palisadenzüge im Inneren der Anlage erfasst werden. Im Folgejahr wurde das Erdwerk im Rahmen einer vierwöchigen Lehrgrabung der Professur für Ur- und Frühgeschichte der Universität Leipzig in Kooperation mit dem Landesamt für Archäologie (LfA) Sachsen ein Sondageschnitt angelegt, um die aus der Luft beobachteten Strukturen zu überprüfen. Die während der Grabung im Erdwerksbereich gefundenen Keramikreste konnten der jungsteinzeitlichen Stichbandkeramischen Kultur zugeordnet werden. In einer einzelnen Grube fanden sich zudem Gefäßreste der älterbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur, was auf eine Nachnutzung des Platzes hindeutet.
Annemarie ReckEntdeckung der Anlage
1997 dokumentierte Otto Braasch während eines Luftbildfluges erstmals das bis dahin unbekannte Erdwerk südlich von Sieglitz in der Lommatzscher Pflege. Diese aufgrund der fruchtbaren Lössböden stark agrarwirtschaftlich genutzte Region wurde bereits in der Jungsteinzeit von ackerbäuerlich lebenden Kulturen gezielt aufgesucht. Durch die Fähigkeit des Bodens Feuchtigkeit gut zu speichern, werden Wachstumsunterschiede im Getreide jedoch nur gering ausgebildet, weshalb sich Bewuchsmerkmale nur bei großer Trockenheit zeigen. Erst 2012 gelang es daher den Kreisgraben ein zweites Mal zu fotografieren. Im Sommer 2014 waren die Bedingungen für die Luftbildarchäologie dann so günstig, dass nicht nur der äußere Graben, sondern erstmals auch drei innenliegende Palisadengräben beobachtet werden konnten. Im näheren Umfeld der Kreisgrabenanlage wurden zudem zahlreiche Gruben sichtbar, die auf Siedlungs- oder Pfostengruben zurückgehen können.
Annemarie ReckBildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2014.
Grabung 2015
Um die Anlage eingehender untersuchen zu können wurde im Sommer 2015 in Kooperation zwischen dem LfA Sachsen und der Professur für Ur- und Frühgeschichte der Universität Leipzig eine vierwöchige Lehrgrabung abgehalten. Der Grabungsschnitt wurde im nordöstlichen Durchgangsbereich des Grabenwerks angelegt und besaß eine Länge von 25 m bei 5 m Breite. Bereits nach dem Abtrag des Oberbodens wurden die beiden anschließenden Grabenköpfe sowie die Enden und der Verlauf der drei Palisadengräben sichtbar. Der äußere Graben besaß eine leicht variierende Breite von 1,3–1,5 m und einen trichterförmigen Querschnitt, der noch bis in eine Tiefe von 0,8 m erhalten war. Auf der Grabensohle befanden sich, anders als bei vergleichbaren Anlagen, kaum Ablagerungen, was gegen ein längeres Offenstehen des Grabens spricht. Hingegen wurde er vermutlich intentionell mit homogener Erde wieder verfüllt.
Annemarie ReckBildquelle G. Seifert, entzerrtes Luftbild mit Umzeichnung, M. 1:5000 ©LfA 2015.
Die Gräben
Der äußere Graben besitzt einen Durchmesser von 53 m, während der innerste der Palisadengräben noch eine Fläche von 27 m umschließt. Die Palisadengräben waren zwischen 0,2 und 0,3 cm breit, bei einer erhaltenen Tiefe von 0,2–0,4 m. Der Abstand der einzelnen Palisaden zueinander betrug zwischen 2 und 4 m. Teilweise zeichneten sich sogar einzelne Pfostenstandspuren im Boden ab. Im Nordwesten und Nordosten lagen die beiden im Luftbild erkennbaren Zugänge. Ob es weitere Eingänge im Süden gab ist unklar. Hinter dem Umfassungsgraben und vor der ersten Palisadenreihe könnte, wie von vergleichbaren Anlagen bekannt, aus dem Grabenaushub ein flacher Wall aufgeschüttet worden sein. Jedoch fand sich während der Grabung kein Hinweis darauf. Falls es ihn gegeben haben sollte, ist er heute vollständig eingeebnet.
Annemarie ReckBildquelle M. Schönfeld, Foto trichterförmiger Grabenkopf ©LfA 2015.
Die Funde
Die Funde aus dem Grabenbereichen können der frühjungsteinzeitlichen Stichbandkeramischen Kultur zugeordnet werden. Die Palisadengräben waren hingegen völlig fundleer. Unmittelbar im Vorfeld des während der Grabung untersuchten Zugangs konnte zudem eine runde Grube freigelegt werden, in der sich Keramik der älterbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur (ca. 2200–1600 v. Chr.) befand. Die zahlreichen Gruben nördlich und östlich der Anlage weisen auf eine rege Siedlungstätigkeit im Umfeld der Anlage hin. Welche der im Luftbild sichtbaren Befunde jedoch frühneolithisch und welche frühbronzezeitlich sind, ist unklar.
Annemarie ReckBildquelle Stichbandkeramische Scherbe mit Inkrustationsresten. Maße: 6,5 cm hoch, 5 cm breit ©LfA 2015.
Literatur
Jörg Frase /Ronald Heynowski/Gunar Seifert/Michael Strobel/Ulrich Veit, Sondagen in einer neuentdeckten stichbandkeramischen Kreisgrabenanlage bei Sieglitz, Gde. Lommatzsch, Lkr. Meißen (SID-05). In: Regina Smolnik (Hrsg.), Ausgrabungen in Sachsen 6. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege Beiheft 33 (Dresden 2018) 69–73.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski, Neu entdeckte Kreisgrabenwerte im Mittelsächsischen Lösshügelland. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Ausgrabungen in Sachsen 8. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege Beiheft 36 (Dresden 2022) 289–296.
Dana Mikschofsky, Ein Kreisgraben in guter Lage. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 40–41.
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
https://archaeo-sn.de/ort/kreisgrabenanlage-sieglitz/
Zitat des Beitrags
Annemarie Reck, Kreisgrabenanlage Sieglitz. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (02.09.2024). https://archaeo-sn.de/ort/kreisgrabenanlage-sieglitz/ (Stand: 14.08.2026)