



Wüstung Batwitz
| Ort: | Falkenberg (Trossin, Nordsachsen) |
|---|---|
| Typ: | Dorfwüstung |
| Datierung: | 1100 - 1400 n. Chr. |
Beschreibung
Im Wald zwischen Kossa und Dahlenberg in der Gemarkung Falkenberg wurde 2015 während der Durchsicht des digitalen Geländemodells (DGMs) eine annähernd langrechteckige Struktur entdeckt. Dabei handelte es sich um die Überreste eines im Mittelalter aufgegebenen und verlassenen Dorfes, der Wüstung Batwitz. Bei den wenigen zutage gekommenen Fundstücken handelt es sich vor allem um graue und helltonige Keramikscherben, die für eine Nutzung des Fundplatzes vom 12. bis 14. Jahrhundert sprechen. Weshalb das Dorf aufgegeben und verlassen wurde, ist nicht bekannt.
Ronald Heynowski/Annemarie ReckLage der Wüstung
Die Dorfwüstung liegt in einem Bereich des „Halbmondweges“, der heute zum Forstweg ausgebaut ist, aber auf eine alte Wegeverbindung zwischen Bad Düben und Dommitzsch zurückgeht. Sie befindet sich etwa im Bereich der Kreuzung dieses Weges mit dem „Spathen“, einer historischen Wegetrasse von Eilenburg über Pressel nach Bad Schmiedeberg und weiter in Richtung Wittenberg. In einer Eintragung auf dem Riss der Torgauer Heide von Johannes Humelius aus den Jahren 1557–1562 wird diese Stelle „Badnitzer dorfsted“ genannt. Andere Überlieferungen sprechen von dem Ort als Bathwicz oder Batwitz. In einer weiteren historischen Quelle fällt der Name „Patenicz“. Allerdings wird das zu dieser Zeit noch zum castrum Torgau gehörige Dorf schon im Jahr 1378 als „villa deserta“ bezeichnet.
Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle OA 8150, 308, Foto vom Wall und Dorfgraben ©LfA 2015.
Aufbau des Ortes
Im DGM stellt sich die Wüstung als rechteckige, west-ost-ausgerichtete Grabenstruktur dar. Sie besitzt eine größte Länge von etwa 500 m bei einer durchschnittlichen Breite von 220 m. Nordöstlich der Mitte wurde die eingehegte Fläche durch einen 65 m breiten und 46 m tiefen, rechtwinklig abgesetzten Anbau erweitert. Die Breite des Grabens liegt weitgehend konstant bei etwa 4 m. Sein Aushub wurde auf der Innenseite zu einem kleinen Wall aufgeschüttet. Etwa in der Mitte der West- und der Ostseite des Dorfes befinden sich Tore. An diesen Stellen springt der Graben leicht zurück und es bündeln sich auffällig die Fahrspuren. Der Weg zwischen den beiden Toren bildet die Mittelachse des Dorfes. Ein Teil der Fahrspuren weichen vom westlichen Tor ausgehend jedoch deutlich von diesem Weg ab und führen, parallel zum heutigen Halbmondweg nach Nordosten in Richtung Dahlenberg.
Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle R. Heynowski 2024, 145.
Ein Herrensitz?
In der Nordhälfte des Dorfes, knapp östlich der Mitte, befindet sich eine weitere L-förmige Grabenstruktur von 7–9 m Breite, von welcher nur noch der West- und Südteil erhalten sind. Es bleibt zu vermuten, dass sich ursprünglich auch im Ostteil ein Grabenstück befand, das heute verschüttet ist. Im Norden bindet das Teilstück direkt an die außerhalb des Dorfgrabens gelegene Erweiterung an, was sie als Einheit erscheinen lässt. Größe und Ausdehnung des L-förmigen Grabenzuges erinnern an die Außenanlagen von Wasserburgen, wie sie im Spätmittelalter häufig auftreten. Möglicherweise bestand an dieser Stelle ein Herrensitz, der durch neuzeitliche Störungen heute nicht mehr erkennbar ist.
Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle OA 8150, 309, Foto vom Wall ©LfA 2015.
Der Kirchenstandort
Innerhalb der rechteckigen Erweiterung im Norden des Dorfareals befindet sich mittig eine 7 x 11 m große, west-ost-ausgerichtete Grabenstruktur. Sowohl Größe als auch Ausrichtung lassen vermuten, dass es sich dabei um die Ausbruchsgräben der Fundamente einer kleinen Kirche handelt. Die um das Gebäude gelegene, umhegte Fläche könnte als Dorffriedhof gedient haben. Die Nähe des Herrenhofes zur Kirche und die leicht abgesetzte Lage des Kirch- und des Hofareals zum restlichen Dorf, sprächen für diese Deutung. Oberflächenfunde von grauer und helltoniger Ware aus dem Bereich der Wüstung stammen aus dem 12.–14. Jahrhundert.
Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle R. Heynowski 2024, 145, Detailansicht Nordosten.
Literatur
Ronald Heynowski, Batwitz – Wüstung am Halbmondweg. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 144–145.
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
https://archaeo-sn.de/ort/wuestung-batwitz/
Zitat des Beitrags
Ronald Heynowski/Annemarie Reck, Wüstung Batwitz. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (05.09.2024). https://archaeo-sn.de/ort/wuestung-batwitz/ (Stand: 18.08.2026)