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Forschungschronik
Erste Funde vom Schafberg
Erforschung der
Erste Grabungen
Aufbau des Walls
Zugänge zur Höhenburg
Zerstörungen durch Funkbetriebsstelle
Grabung 1985/1986
Funde und Datierung

Höhensiedlung auf dem Schafberg bei Löbau

Ort: Löbau (Löbau, Görlitz)
Typ: Wehranlagen/Befestigungen
Datierung: Lausitzer Kultur | ca. 1200 - 900 v. Chr.

Beschreibung

Die oftmals nur als „Löbauer Berg“ bezeichnete Basaltdoppelkuppe, die sich eindrucksvoll über der Stadt Löbau erhebt, ist der Erosionsrest eines im Tertiär aktiven Vulkans. Sie umfasst die beiden bis zu 449 m hohen und durch einen Sattel getrennten Gipfel „Löbauer Berg“ im Südwesten und den „Schafberg“ im Nordosten, die das hügelige Löbauer Becken um etwa 150–200 m überragen. Der „Schafberg“ besitzt ein 5,5 ha großes Plateau, das von einem annähernd fünfeckigen, bronzezeitlichen Wall eingehegt wird. Die eingefasste Fläche entspricht dabei in etwa der Größe der Stadt Löbau im Mittelalter. Die Befestigungsanlage misst bis zu 1,6 km Länge und ist im Westen und Südwesten des Berges heute noch circa 2 m hoch erhalten. Zahlreiche Terrassierungen im Innenbereich und Keramikfunde der Lausitzer Kultur sprechen für eine intensive Besiedlung des Berges während der jüngeren Bronzezeit.

Annemarie Reck

Forschungschronik

1802
Fund eines mittelständigen Lappenbeils aus Bronze durch Karl Benjamin Preusker.
1841
Preusker beschreibt den Ringwall auf dem Schafberg in seinem Werk „Blicke in die vaterländische Vorzeit“.
Spätes 19. Jh.
Erwähnung des Ringwalls auf dem „Schafberg“ bei Oscar Schuster 1869, Robert Behla 1888 und Ludwig Feyerabend 1893.
1899–1906
Erste Ausgrabung durch den Löbauer Heimatforscher Hermann Schmidt.
1926
Publikation des wissenschaftlichen Nachlasses von Hermann Schmidt durch Walter Frenzel, dem Vorsitzenden der Bautzener Gesellschaft für Vorgeschichte und Geschichte der Oberlausitz.
1935
Eintragung in die Denkmlliste.
1925–1954
Mehrere Artikel zur Höhensiedlung auf dem „Löbauer Berg“ von dem oberlausitzer Heimatforscher Walter Andert.
1964
Wissenschaftliche Ausgrabung mit Wallschnitt durch das Dresdner Landesmuseum für Vorgeschichte unter der Leitung von Werner Coblenz.
1965
Bau der Funkbetriebsstelle ohne archäologische Beobachtung.
1985/1986
Archäologische Notbergung im Vorfeld der Erweiterung der Funkbetriebsstelle und Vermessung des Ringwalls durch Klaus Simon und Thomas Gerlach vom Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden.
2007
Notbergung von Funden und Sicherung infolge von Sturmschäden.
Annemarie Reck

Bildquelle Foto ©LfA 2024.

Erste Funde vom Schafberg

Schon seit dem 18. Jahrhundert ist die unregelmäßig fünfeckige Befestigung auf dem Schafberg der Forschung bekannt. Um 1802 barg der heute noch häufig als Vater der sächsischen Vorgeschichtsforschung bezeichnete, gebürtige Löbauer Karl Benjamin Preusker (1786–1871) im Innern des Walls ein 16 cm langes, mittelständisches Lappenbeil. Später fertigte er für sein Werk „Blicke in die vaterländische Vorzeit“ von 1841 die erste Beschreibung der Befestigungsanlage und ihrer „Schlackewälle“ an.

Annemarie Reck

Bildquelle OA 57400, 59 ©LfA 1926.

Erforschung der "Schlackewälle"

Gerade die sogenannten „Schlackewälle“ waren es, die wie etwa auch am Strohmberg bei Weißenberg, die Aufmerksamkeit der Vorgeschichtsforschung des 19. Jahrhunderts auf sich zogen. So schrieben beispielsweise auch Oscar Schuster 1869, Robert Behla 1888 und Ludwig Feyerabend 1893 über den Ringwall bei Löbau. Man hielt die „Schlackewälle“ damals für absichtlich so angelegt und brachte sie mit „heidnischen Opfer- und Versammlungsorten“ in Verbindung. Etwa seit Beginn des 20. Jahrhunderts gilt ihre Funktion als Befestigungsanlage meist bronzezeitlicher Höhensiedlungen jedoch als gesichert. Häufig fielen die Wälle, die teils von Holzkonstruktionen gestützt wurden, Bränden zum Opfer, wodurch es zu den vielfach beobachteten verschlackten Steinen im Innern gekommen sein mag.

Annemarie Reck

Bildquelle N. Döhlert-Albani, Foto Schafberg ©LfA 2016.

Erste Grabungen

Während der Jahre 1899 bis 1906 unternahm der Löbauer Heimatforscher Hermann Schmidt eine erste Ausgrabung auf dem Berg. Dabei führte er vier Durchstiche im südwestlichen Wallbereich durch. Ein weiterer Sondageschnitt befand sich im Nordosten. Sein Ziel war es, den Aufbau und das Alter des Walls zu klären. Diese Fragen konnten jedoch erst 1964 beantwortet werden, als das Dresdner Landesmuseum für Vorgeschichte unter der Leitung von Werner Coblenz einen weiteren, 23 m langen Grabungsschnitt an der Nordwestflanke angelegte.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz, Foto ©LfA 1964.

Aufbau des Walls

Dabei wurden die Reste einer an der Basis 6 m breiten Mauer freigelegt. Die Hinterfront bestand aus übereinander geschichteten Steinblöcken und -platten. Die Vorderfront des Walls schien hingegen vollständig abgerutscht zu sein. Befüllt war der Wall mit einem Gemisch aus Erde, Lehm und Steinen. Aussparungen in der Konstruktion lassen auf waagerechte und senkrecht liegende Hölzer schließen, die das Gefüge stützten. Vor allem in diesen Bereichen befand sich verschlacktes Gestein. Das Gelände im Vorfeld der Mauer war auf eine Breite von 5 m durch eine Lehmschicht, mit Steinschotter und einen Belag aus Steinplatten künstlich befestigt worden. Unter der Mauerfüllung befand sich streckenweise eine bis zu 0,7 m dicke Brandschicht mit geglühten Steinen, die von einem 2 m breiten zweischaligen, provisorischen Holzbauwerk stammten. Vermutlich nach einem Schadfeuer, wurde die ruinöse Befestigung durch eine massivere, 7 m breite und ebenfalls zweischalige Wehrmauer ersetzt. Sie war innen und außen mit Steinen verblendet. Und mit waagerechen Holzbalken versteift.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz 1966, 128, Abb. 23 (nach A. Pietzsch), Rekonstruktion des Löbauer Walles.

Zugänge zur Höhenburg

Eine zusätzliche Vermessung der Anlage im Jahr 1965 zeigte, dass sich der Umriss der Befestigung stark an das Gelände anpasste und auch bastionsartige Felspartien und Steilhänge bewusst miteinbezog, andere jedoch auch bewusst außer Acht ließ, wie etwa am „Geldkeller“ im Nordosten. Eine schmale Aussparung im Wall deutet hier eine Pforte an. Das eigentliche Haupttor lag wahrscheinlich im Westen der Anlage, etwa dort wo noch heute ein Wanderweg aus dem Sattel heraufzieht. In diesem Bereich sind die Wallreste mit 2 m auch am höchsten erhalten. Ein weiteres Tor befand sich womöglich an der Südecke. Abgesehen vom nordwestlichen Randbereich weist das Plateau eine leichte Neigung nach Südosten auf mit seinem höchsten Punkt von 449 m nahe des nördlichen Wallabschnitts.

Annemarie Reck

Bildquelle T. Gerlach 2010, 184.

Zerstörungen durch Funkbetriebsstelle

Der Innenfläche wurde während der ersten Grabungskampagne leider keine Beachtung geschenkt. Nur ein Jahr später wurde dort eine Funkbetriebsstelle mit Zugangsstraße erbaut. Dabei wurden etwa 0,5 ha der Siedlungsfläche und, zugunsten der Zufahrt, der ehemalige Torbereich, ohne vorherige archäologische Untersuchungen zerstört. Erst die 1985 eingeleitete Erweiterung der Funkbetriebsstelle bot der Archäologie schließlich erneut die Möglichkeit einen Teil der Innenfläche des „Schafberges“ näher zu untersuchen.

Annemarie Reck

Bildquelle T. Gerlach, Übersichtsfoto Planum 2 ©LfA 1985.

Grabung 1985/1986

Der Grabungsschnitt von 1985 nahm eine Fläche von 556 m² im Zentrum des Plateaus ein. Im Befund zeigten sich zunächst wirr erscheinende Streuungen scheinbar ungeordneter Steine unterschiedlicher Größen. Bei genauerem Hinsehen waren sie als reihenförmige Setzungen und Schichtungen erkennbar. Dazwischenliegende Pfostengruben und Verfärbungen deuten auf Hauswände und terrassenartige Absätze kleiner Wohnpodien hin. Im Innern der Gebäude fanden sich dicht gesetzte, annähernd rechteckige Steinpackungen, die wohl als Unterfütterung der ebenerdigen Lehmböden dienten. Hangabwärts waren teilweise zentnerschwere Platten verbaut. Dazwischen befanden sich kleine, muldenförmige Pfostengruben, häufig mit Steinverkeilungen. Sie bezeichneten Grundrisse von etwa 6,5 x 5 m Fläche. 1986 wurden an weiteren Stellen der Innenfläche ausschnittsweise kleine Sondierungen geöffnet, die ein vergleichbares Bild zeigten.

Annemarie Reck

Bildquelle K. Simon 1988, 131, Abb. 3.

Funde und Datierung

Die während der Bodeneingriffe oder als Lesefunde entdeckten Keramikscherben und Mühlsteinbruchstücke deuten auf eine großflächige Besiedlung hin und sichern die Datierung der Anlage als Höhensiedlung der jüngeren Bronzezeit. Mehrere Bronzefunde, wie etwa zwei Armspiralen, eine Sichel oder die Tonimitation einer Bronzetasse zeichnen den „Schafberg“ als ein wahrscheinlich bedeutendes Zentrum an der südlichen Grenze des bronzezeitlichen Siedlungsgebietes zwischen den Lausitzer Gefilden und dem Bergland aus. Möglicherweise diente er zur Kontrolle einer alten Verkehrsverbindung, die aus dem Bautzener Lösshügelland über das Zittauer Gebirge nach Böhmen führte. Die wirtschaftliche Basis für eine solch große Siedlung scheint im Umland bislang aber noch zu fehlen: Das Löbauer Becken selbst hat trotz zahlreicher baubegleitender Untersuchungen bisher kaum Nachweise für eine Besiedlung in der Bronzezeit erbracht. Wenige Funde slawischer Keramik gehen wohl auf eine sporadische Nutzung des Berges im Frühmittelalter zurück.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2004.

Literatur

Werner Coblenz, Die befestigte Siedlung der Lausitzer Kultur auf dem Schafberg bei Löbau. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 14/15, 1966, 95–132.
Thomas Gerlach, Löbau: Die Wallanlage auf dem Schafberg. In: Regina Smolnik/Jasper von Richthofen (Hrsg.), Die Oberlausitz. Ausflugsziele zwischen Neiße und Pulsnitz. Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland 51 (Stuttgart 2010) 182–186.
Klaus Simon, Die jungbronzezeitliche Bergsiedlung auf dem Schafberg bei Löbau. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Fünfzig Jahre Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege Beiheft 18 (Berlin 1988) 128–133.
Michael Strobel, Die bronzezeitliche Befestigung auf dem Schafberg. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 166–167.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags

Annemarie Reck, Höhensiedlung auf dem Schafberg bei Löbau. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (03.09.2024). https://archaeo-sn.de/ort/hoehensiedlung-auf-dem-schafberg-bei-loebau/ (Stand: 26.08.2026)

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