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Lage
Naturräumliche Bedingungen
Frühe Forschungen
Grabungen 1949-1953 und 2001
Die Befunde
Die Funde
Das Tunneltor
Die Brunnenkonstruktion
Datierung

Sumpfschanze Brohna

Ort: Brohna (Radibor, Bautzen)
Typ: Wehranlagen/Befestigungen
Datierung: Billendorfer Gruppe | Mittelslawische Gruppe | um 700 v. Chr. | 800 - 900 n. Chr.

Beschreibung

Die Sumpfschanze von Brohna liegt etwa 300 m nördlich des Rundplatzdorfes Brohna in einem kleinen Feldgehölz neben einem Wäldchen. Nur noch ein kleiner Teil der slawischen Burganlage aus dem Frühmittelalter ist heute erhalten. Der Großteil der Sumpfschanze wurde durch Materialabtrag und mehrfache Grabungen im Laufe des 20. Jahrhunderts zerstört. Ursprünglich war die Anlage durch einen bis zu 6 m breiten und 1 m tiefen Graben und einen mindestens 4,5 m hohen Ringwall geschützt. Im Inneren konnten drei Blockbauten nachgewiesen werden. Ein Bohlenweg führte durch die Niederung in die Burganlage hinein. Sie steht vermutlich in Verbindung mit einer dreiteiligen Brunnenkonstruktion, die etwa 70 m südöstlich ausgegraben wurde. Eine dazugehörige offene Siedlung aus jener Zeit konnte bislang jedoch nicht nachgewiesen werden. Die während der Grabungen geborgenen Keramikfunde sprechen für eine Errichtung und Nutzung der Sumpfschanze im 9. Jahrhundert. Zudem weisen vorgeschichtliche Scherben darauf hin, dass die Anlage erstmals während der Vorrömischen Eisenzeit befestigt wurde, bevor sie im Frühmittelalter erneut aufgesucht worden ist.

Annemarie Reck

Lage

Etwa 300 m nördlich des Ortskerns von Brohna liegt auf einer sandigen Kuppe die als „Alter Wall“ oder „Hrodźišćo“ bezeichnete Sumpfschanze. Sie gehört gemeinsam mit den Anlagen von Loga (Łahow), Luga (Łuh) und Radibor (Radwor), die allesamt im Umkreis von nur 5 km stehen, zu einem System frühmittelalterlicher Sumpfburgen. Sie alle verbindet zudem ihre Lage innerhalb einer von West nach Ost verlaufenden, wenige Hundert Meter breiten, mit Auelehm gefüllten Rinne, die eine geographische Grenze zwischen dem fruchtbaren Lößgebiet der Oberlausitzer Gefilde und der nördlich gelegenen Heide- und Teichgebiet bildet.

Annemarie Reck

Bildquelle E. Schmitt, Foto ©LfA 1999.

Naturräumliche Bedingungen

In der Umgebung der Sumpfschanze von Brohna finden sich kaum Streufunde, die auf eine zur Burganlage gehörige Siedlung hindeuten könnten. Grund dafür ist womöglich, dass das Gelände um den Fundort im Frühmittelalter ungeeignet war für eine landwirtschaftliche Nutzung. Infolge wurden ab dem 13. Jahrhundert in dem Gebiet zwischen Kleiner Spree und Schwarzwasser und anderen für die Landwirtschaft ungeeigneten Regionen zahlreiche Fischteiche angelegt. Sie sind verbunden durch ein eng verzweigtes Netz von Wehren und Gräben, die bis heute das Landschaftsbild der Region bestimmen. Anders verhielt es sich während der frühen Vorrömischen Eisenzeit: Pollenanalysen aus den nahen Feuchtgebieten um die Burganlage deuten während des ausgehenden Subboreals auf deutlich günstigere Bedingungen für den Ackerbau hin. Heute sind die Felder um die Sumpfschanze weitgehend trockengelegt und werden für die Landwirtschaft genutzt.

Annemarie Reck

Bildquelle G. Seifert/R. Hoffmann, Foto ©LfA 2001.

Frühe Forschungen

Erstmals erwähnt wurde die Sumpfschanze in der Lausitzer Monatsschrift von 1805 sowie in Karl Benjamin Preuskers „Verzeichnis Oberlausitzer Alterthümer aus vorchristlicher Zeit“ von 1827 und seinen „Blicken in die vaterländische Vorzeit“ von 1843. Zu dieser Zeit war noch der vollständige Ringwall der Niederungsburg Brohna erhalten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zur Eintragung der Anlage in die Denkmalliste 1935 wurde der Wall von dem Grundstückseigentümer zunehmend zur Materialgewinnung abgetragen. Aufgrund dessen kam es bereits 1902 und 1907 zu ersten archäologischen Ausgrabungen in Brohna durch das Dresdner Vorgeschichtsmuseum unter der Leitung von Johannes Deichmüller und dem Zweigverein Bautzen der Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz.

Annemarie Reck

Bildquelle H. Schmidt, Foto ©LfA 1907.

Grabungen 1949-1953 und 2001

Zwischen 1949 und 1953 wurde die Anlage vom Dresdner Landesmuseum für Vorgeschichte erneut untersucht. Bei dieser zweiten, detaillierteren Grabung erfolgte nicht bloß wie zuvor ein Schnitt durch den noch erhaltenen Wall, sondern auch eine Freilegung von Teilen der Innenfläche. Weiterhin wurden sieben Sondagegräben im Umfeld der Niederungsburg angelegt. Im Jahr 2001 erfolgte im Auftrag des Landesamtes für Archäologie ein weiterer kleiner Wallschnitt, der die Befunde der frühen 1950er-Jahre bestätigen sollte. Zu dieser Zeit war bereits nur noch ein Sechstel des ursprünglichen Ringwalles erhalten.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz, Foto Grabungsteam ©LfA 1949.

Die Befunde

Heute zeugt nur noch ein kleiner, maximal 4,5 m hoher Rest im Norden und Süden von der Befestigung. Die Innenfläche stellt sich heute noch leicht erhöht dar. Ausgehend von den Grabungsdokumentationen kann der einstige Zustand des Walls dennoch rekonstruiert werden. Dabei zeigt sich, dass Brohna im Vergleich mit anderen Oberlausitzer Ringwallanlagen schon immer von auffallend geringer Größe war. Die Befestigungsanlage bestand aus einem circa 6 m breiten und 1 m tiefen Graben, der eine Innenfläche von 60 m Durchmesser umfing. Auf der innenliegenden Seite war aus dem Grabenaushub eine 2 m breite Berme aufgeschüttet. Dahinter schloss die ungleichmäßig geformte, bis zu 9 m breite Wallmauer aus Holz, Steinen und Erde an.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz, Foto Wallschnitt 1951.

Die Funde

Im Burginneren verblieb lediglich eine kleine Fläche von 30 m Durchmesser. Eine Untersuchung dieses Bereiches erbrachte Hinweise auf drei rechteckige Gebäude von 3,5 m Länge und 2 m Breite, die in Blockbauweise errichtet waren. In der Ecke eines dieser Häuser kam ein großer runder Mahlstein zutage, außerdem gehörten Keramikscherben, Wetzsteine, Spinnwirtel und die Reste weniger Eisenmessers zum Fundmaterial. Unter den Tierknochenresten überwog vor allem der Anteil der Rinderknochen mit fast 75%. Insgesamt handelte es sich bei 90% um Haustierarten, während nur 10% der Knochenfunde von Wildtieren stammten.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz, Foto ©LfA 1951.

Das Tunneltor

Der Zugang zur Burganlage erfolgte von Norden her, wo eine Kiesrampe aufgeschüttet worden war. Von dort aus gelangte man wahrscheinlich über eine kleine Brücke und durch ein etwa 2,5 m hohes Tunneltor in die Burg. Der Zufahrtsweg war durch Bohlen befestigt, denen in Fahrtrichtung ausgelegte Rundhölzer, die durch Steine in ihrer Lage stabilisiert waren, als Unterlage dienten. Aus der Burg kommend wandte sich der Weg rechtsherum an der Burg vorbei und durch die feuchte Niederung nach Süden.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz, Tunneltorprofil M. 1:50 ©LfA 1969.

Die Brunnenkonstruktion

Knapp 70 m südöstlich der Wallanlage konnte während der Ausgrabungen von 1949–1953 eine Brunnenkonstruktion freigelegt werden. Sie befand sich nur 15 m abseits des Bohlenweges und bestand aus drei Teilen: einem Hauptbrunnen zur Trinkwasserversorgung, einen Brunnen für das Wirtschaftswasser und einen mutmaßlich als Viehtränke genutzten Brunnen. Der Hauptbrunnen bestand aus einem quadratischen Kastenbau, dessen Seiten eine Länge von je 1,25 m besaßen und war überdacht. Auch der Wirtschaftsbrunnen bestand aus einem Kastenbau, allerdings von leicht rechteckiger Form, der mit einem Deckel versehen war. Die Viehtränke schloss eng an den Wirtschaftsbrunnen an, war jedoch nur von drei Seiten von Hölzern eingefasst. Als ein besonderer Fund aus diesem Bereich kann wohl eine erhaltene hölzerne Schöpfkelle gelten.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz (nach A. Pietzsch) 1988, Abb. 3.

Datierung

Die während der verschiedenen Grabungskampagnen geborgenen Holzreste waren stark verrottet und nicht mehr für eine dendrochronologische Datierung geeignet, weshalb die Sumpfschanze allein anhand ihres Fundmaterials datiert werden kann. Leider befanden sich nur wenige aussagekräftige Keramikreste im Fundgut, sodass der Ringwall nur grob dem 9. Jahrhundert zugewiesen werden kann. Es wird angenommen, dass sie bis zu 100 Jahre vor ihrer Aufgabe genutzt wurde. Die Wehrhaftigkeit der Anlage weist darauf hin, dass es sich um den Wohnsitz einer Person von hoher gesellschaftlicher Stellung handelte. Unter der slawischen Kulturschicht im Burginnern wurde zudem ein zweiter, stark gestörter Siedlungshorizont erfasst, der als früh eisenzeitlich (um ca. 700 v. Chr.) angesprochen werden kann.

Annemarie Reck

Bildquelle U. Wohmann, Foto slawischer Topf 9. Jh. ©LfA 2010.

Literatur

Werner Coblenz, Die Sumpfschanze von Brohna bei Bautzen. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 18 (Berlin 1988) 360–365.
Jürgen Vollbrecht, Brohna (Bronjo): Die Sumpfschanze. In: Regina Smolnik/Jasper von Richthofen (Hrsg.), Die Oberlausitz. Ausflugsziele zwischen Neiße und Pulsnitz. Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland 51 (Stuttgart 2010) 114–116.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags

Annemarie Reck, Sumpfschanze Brohna. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (17.09.2024). https://archaeo-sn.de/ort/sumpfschanze-brohna/ (Stand: 24.08.2026)

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