





Kessel bei Mehderitzsch
| Ort: | Mehderitzsch (Torgau, Nordsachsen) |
|---|---|
| Typ: | Befestigte Anlage |
| Datierung: | Billendorfer Gruppe | 700 - 550 v. Chr. |
Beschreibung
Im Niederungsgebiet südwestlich der Ortschaft Mehderitzsch, am linken Elbufer befindet sich eine kesselförmige Wallanlage inmitten von Feuchtwiesen. Aufgrund ihrer Form und Lage vermutete man lange einen slawischen Burgwall. Die bei Grabungen in den späten 1960er-Jahren zutage gekommenen Funde weisen die Anlage jedoch als früheisenzeitlich, zu der Billendorfer Gruppe gehörig, aus. Die ovale Struktur misst an ihrer breitesten Stelle einen Durchmesser von bis zu 125 m. Eine 15 cm mächtige Kulturschichte deutet auf eine flächige Besiedlung der Innenfläche des „Kessels“ hin. Der einstmals geschlossene Ringwall ist heute im Osten teilweise abgetragen und verflacht.
Ronald Heynowski/Annemarie ReckForm des Ringwalls
Bereits auf dem Sächsischen Meilenblatt aus dem Jahr 1783 ist der „Kessel“ bei Mehderitzsch verzeichnet. Sein Name bezieht sich offenbar auf seine im nordsächsischen Flachland markant hervortretende, ovale Form. An seiner breitesten Stelle misst die eingeschlossene Innenfläche bis zu 125 m im Durchmesser. Der sie umgebende, breitgepflügte und flach abgeböschte Wall besitzt heute noch eine Breite von bis zu 20 m und ist noch immer deutlich als Struktur von etwa 0,6 bis m Höhe zu erkennen. Im Süden der Anlage erreicht er noch eine maximale Höhe von bis zu 1,30 m.
Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle Berliner Meilenblatt 1783, M. 1:500 ©LfA/GeoSN 2024.
Das Gelände um den Kessel
Da das Meilenblatt den Kessel noch als vollständiges Rund zeigt, muss angenommen werden, dass der östliche Wall während des 19. Jahrhunderts abgetragen wurde. Zudem wurde dieser Teil der Anlage durch den fortschreitenden Ackerbau stark eingeebnet. Heute stellt er sich bloß noch als flache Bodenwelle dar. Das Gelände südlich, westlich und nördlich des „Kessels“ wird von Feuchtböden bestimmt, der auch die Innenfläche der Wallanlage prägt. Nur aus südöstlicher Richtung konnte man trockenen Fußes zur Burg gelangen. Heute durchquert wird das Denkmal von Süden nach Norden von einem Röhrgraben durchquert, der in 2 km Entfernung in die Elbe entwässert.
Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle O. Braasch, Foto ©LfA 1993.
Archäologische Untersuchungen
Anlässlich von Meliorationsarbeiten wurden 1968 im Inneren des Burgwalls mehrere kleinflächige archäologische Untersuchungen vorgenommen. Die gesamte Innenfläche wurde während der Arbeiten im Tannenzweigschema von zahlreichen Einschnitten durchsetzt. Das damalige Landesamt für Vorgeschichte Dresden konnte die Grabenprofile dokumentieren. Dabei zeigte sich, dass sich in der Innenfläche des „Kessels“ über einer Torfschicht eine etwa 15 cm mächtige Kulturschicht befindet. Aus dem Abraum konnte ein reiches Fundmaterial, wie etwa Keramik, Tierknochen, Brandlehm und Holzkohlereste, geborgen werden.
Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle H. Kaufmann, Foto ©LfA 1972.
Keramik und Datierung
Unter den Keramikfunden fanden sich Stücke mit einer Fingertupfenreihe unter dem Mündungsrand, mit einfacher Leiste sowie mit Fingertupfenleiste im Schulterbereich und Stücke mit waagerechen, wie auch schräg verlaufenden Rillen im Hals-Schulter-Bereich. Weiterhin waren einige Scherben mit Horizontalrillen am unteren Halsbereich verziert und bandförmigen Henkeln versehen. Die Ware war vorwiegend rot- bis graubraun, in seltenen Fällen auch hell- bis dunkelbraun oder fast schwarz, zum Teil mit Glimmer versetzt und eher hart gebrannt. Anhand der formenkundlichen Merkmale der Keramik kann die Burganlage der frühen Vorrömischen Eisenzeit, um 700–550 v. Chr., zugewiesen werden. Zu dieser Zeit siedelte in dieser Region die sogenannte Billendorfer Kultur, die die jüngste Entwicklungsstufe der vorangegangenen Lausitzer Kultur darstellt. Funde frühmittelalterlicher, slawischer Keramik blieben gänzlich aus.
Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle H. Kaufmann, Foto ©LfA 1972.
Der Wall
Während der Entwässerungsarbeiten wurde im nördlichen Wallbereich ein kleiner Grabungsschnitt von 0,6 x 1,60 m Angelegt. Der Wall wurde aus dunkelgrauem Sand aufgeschüttet. Drei Rundhölzer, die parallel zum Wallverlauf angeordnet waren, stützten den Wallfuß. Ihre Durchmesser changierten stark, nämlich zwischen 0,12 und 1,20 m. Jedoch passt dieser Befund zu einer örtlichen Überlieferung, die besagt, früher habe ein „Pfarrer in Mehderitzsch gegraben, der unter dem Wall Eichenstämme freigelegt haben soll“. In allen Tiefen wurden Holzkohlepartikel angetroffen. Auf eine verblendete Frontmauer, wie sie von anderen Schanzen bekannt ist, fand sich hingegen kein Hinweis. Auch ein Graben, der den Ringwall umgab, konnte bislang nicht nachgewiesen werden.
Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle K.-H. Schlegel, Foto ©LfA 1968.
Interpretation der Siedlung
Aus der Mächtigkeit der Kulturschicht im Innern und der Dichte des Fundaufkommens kann auf eine intensive und längerfristige Besiedlung des „Kessels“ geschlossen werden. In vergleichbaren Anlagen, wie etwa in der großflächig ergrabenen Sumpfschanze Biehla, konnte eine dichte Bebauung des umhegten Areals nachgewiesen werden. Dabei deutet die enge räumliche Begrenzung der Fläche eher auf eine Ansiedlung von Händlern oder Handwerkern hin, als auf eine bäuerliche Lebensweise. Die Lage des „Kessels“ in unmittelbarer Nähe zur Elbe und gleichsam vor Hochwasser geschützt, spricht vielleicht für eine Interpretation als Umschlagplatz für den Fernwarenhandel.
Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2006.
Literatur
Ronald Heynowski, Ein Kessel auf weiter Flur. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 130–131.
Hans Kaufmann, Der früheisenzeitliche Ringwall „Kessel“ bei Mehderitzsch, Kr. Torgau In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 18 (Berlin 1988) 160–163.
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
https://archaeo-sn.de/ort/kessel-bei-mehderitzsch/
Zitat des Beitrags
Ronald Heynowski/Annemarie Reck, Kessel bei Mehderitzsch. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (25.09.2024). https://archaeo-sn.de/ort/kessel-bei-mehderitzsch/ (Stand: 14.08.2026)