




Hügelgräberfeld Bloaschütz
| Ort: | Bloaschütz (Bautzen, Bautzen) |
|---|---|
| Typ: | Hügelgrab/Hügelgräberfeld mit Brand- und Körpergräbern |
| Datierung: | Mittelslawische Stufe | 800 - 900 n. Chr. |
Beschreibung
Zwischen Bloaschütz (Błohašecy) und Döberkitz (Debrikecy), befindet sich in einem kleinen Wäldchen auf dem „Hussitenberg“ ein Brandhügelgräberfeld aus dem Früh- und Hochmittelalter. Das Gräberfeld besteht heute noch aus etwa 40 obertägig erkennbaren Hügeln. Ihre Breite variiert dabei zwischen 5 und 12 m bei Höhen zwischen 0,5–2 m. Der nördliche und östliche Teil des Friedhofes wurde in der Vergangenheit durch die landwirtschaftliche Nutzung eingeebnet, weshalb seine ursprünglichen Ausmaße unklar bleiben. Schätzungen zufolge könnten es einmal fast 100 Grabhügel auf dem Hussitenberg gegeben haben. Die wenigen Keramikreste datieren aus dem 9. und 10. Jahrhundert.
Annemarie ReckFrühe Forschungen
Schon seit dem 19. und 20. Jahrhundert war die Nekropole auf dem Hussitenberg immer wieder Gegenstand archäologischer Untersuchungen und Ausgrabungen, die nicht immer im heutigen Sinne fachgerecht durchgeführt wurden. Schon in der ältesten frühgeschichtlichen Literatur der Oberlausitz, wie etwa bei Karl Benjamin Preusker 1827 und 1844 oder bei Alfred Moschkau 1876 und 1885, wird das slawische Hügelgräberfeld erwähnt. Eine erste Grabung wurde bereits 1830 durch den Oberpfarrer Räde aus Göda vorgenommen. 1902 erforschte dann erstmals die Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte der Oberlausitz drei der Grabanlagen.
Annemarie ReckBildquelle K. Preusker, aquarellierte Federzeichnung ©LfA 1840.
Erste Grabungen
Die Hügel bestanden aus aufgeschütteten Lehm ohne erkennbare Schichtung mit einer Steinsetzung im Inneren. Auffällig, aber auch typisch für Hügelgräber des Früh- und Hochmittelalters in der Oberlausitz ist ihre Fundarmut. Nur wenige Keramikreste einer Urne mit wellenartigem Ornament, Aschereste und Knochensplitter fanden sich 1902 seitlich am Rande des Hügels. Als einziger Eisenfund gilt ein sehr verrostetes, messerähnliches Gerät. 1904 und 1923 führte die Gesellschaft weitere Grabungen durch. Die Forschungsergebnisse der Grabungskampagnen wurden 1928 von Walter Frenzel zusammengestellt.
Annemarie ReckBildquelle Landesbildstelle Sachsen, Foto ©LfA 1923.
Der Schalenstein
Bemerkenswert ist zudem der sogenannte Schalenstein, der 1902 im Bereich eines Steinhaufens an der nordöstlichsten Ecke des Waldstücks gefunden wurde. Die Vermutung liegt nahe, dass er vom Acker abgeräumt und sekundär an diese Stelle verlagert worden ist. Der ovale Steinklotz misst bis zu 90 cm Länge und weist mehrere hineingemeißelte Näpfchen auf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er als ein „Opferstein“ interpretiert. Drei eingemeißelte Kreuze könnten zudem darauf hindeuten, dass er in späterer Zeit, im Zuge der Christianisierung, geweiht wurde. Seine tatsächliche Funktion bleibt jedoch unklar.
Annemarie ReckBildquelle W. Frenzel, Zeichnung ©LfA 1928.
Die Grabhügel
Laut der Lausitzer Mitteilungen von 1805 befanden sich zu dieser Zeit noch etwa 100 Hügelgräber auf dem Hussitenberg. Während einer ersten Vermessung des Gräberfeldes in den Jahren 1925 und 1928 konnten noch 55 davon nachgewiesen werden. Bei einer Nachprüfung 1956 waren allerdings bloß noch 40 Hügelgräber erkennbar, weitere 15 waren stark gestört. Während der zahlreichen Bodeneingriffe in verschiedenen Grabungskampagnen wurden sie getrichtert, durchgraben oder durchstochen. Einige waren fast vollständig eingeebnet. Zudem sind in den Jahren 1946/47 in dem Waldstück am Hussitenberg mehrere große Bäume gefällt worden. Dabei könnten einige Grabhügel, womöglich aus Unkenntnis, zerstört worden sein. Die Verlustrate in Bloaschütz ist darum vergleichsweise groß, weshalb ein starkes Interesse am Schutz des Grabhügelfeldes besteht. An anderen Nekropolen wurden hingegen meist nur einzelne Gräber untersucht.
Annemarie ReckBildquelle T. Westphalen 2010, 112.
Erhaltung der Gräberfelder
Aufgrund der starken land- und fortwirtschaftlichen Nutzung des Gebietes, sind die Hügelgräberfelder der Oberlausitz im Laufe der vergangenen Jahrhunderte nicht selten der Zerstörung anheimgefallen. Der Archäologie sind heute nur noch elf bekannt, die sich alle innerhalb des einstigen Siedlungsgebietes der Milzener befanden. Damals war es üblich, die Verstorbenen zu verbrennen und ihre Asche in Urnen oder als Leichenbrandschüttung auf einen zuvor errichteten Grabhügel niederzulegen. Dadurch waren die Urnen aber der Witterung und der späteren Beackerung ausgesetzt. Die auf slawische Traditionen zurückgehende Bestattungssitte bestand in der Oberlausitz noch bis ins 11. Jahrhundert, bevor sie im Zuge der fortschreitenden Christianisierung vollends aufgegeben wurde.
Annemarie ReckBildquelle Landesbildstelle Sachsen, Foto ©LfA 1923.
Literatur
Friedrich Lehmann, Das Hügelgräberfeld in Bloaschütz.- In: Serbska Sala (1956) Nr. 16.
Reinhard Spehr, Die Grabhügel von Marienstern. Die Union, Tageszeitung d. Christlich-Demokratischen Union 33 (1978), (21.10.1978), 249.
Thomas Westphalen, Bloaschütz (Błohašecy): ein slawisches Grabhügelfeld auf dem Hussitenberg. In: Regina Smolnik/Jasper von Richthofen (Hrsg.), Die Oberlausitz. Ausflugsziele zwischen Neiße und Pulsnitz. Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland 51 (Stuttgart 2010) 112–113.
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
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Zitat des Beitrags
Annemarie Reck, Hügelgräberfeld Bloaschütz. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (24.09.2024). https://archaeo-sn.de/ort/huegelgraeberfeld-bloaschuetz/ (Stand: 26.09.2026)