




Hügelgrab von Stenn
| Ort: | Stenn (Lichtentanne, Zwickau) |
|---|---|
| Typ: | Hügelgrab/Hügelgräberfeld |
| Datierung: | Lausitzer Kultur | Vogtländische Gruppe | ca. 1200 v. Chr. |
Beschreibung
Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts stand in der Gemarkung Stenn etwa 120 Schritt nordwestlich der Abzweigung „Zur Kohlenstraße“ von der Planitzer bzw. Stenner Straße im Feld ein auffälliger Steinhügel. 1839 wurde das Land von dem Besitzer des Rittergutes Weißenbrunn gekauft und der Hügel auf der Suche nach archäologischen Funden abgetragen. Tatsächlich stießen die Ausgräber auf Bronzewaffen, Schmuckgegenstände und Teile von Keramikgefäßen, die 1840 durch August von Larisch publiziert wurden. Heute sind die Originalfunde jedoch alle verschollen. Anhand seiner Zeichnungen können die Fundobjekte typologisch der jüngeren Bronzezeit zugeordnet werden. Reste einer Bestattung fanden im Grabungsbericht keine Erwähnung, könnten womöglich aber übersehen worden sein.
Annemarie ReckFundgeschichte
Im Jahr 1839 kaufte der der Besitzer des Rittergutes in Weißenbrunn, ein gewisser Herr Pelz der Jüngere, den Hügel von einem Stenner Bauern, nachdem die Form der Erhöhung seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Er vermutete seinerzeit, dass der Hügel im Schwedenkrieg oder einem anderen Krieg als Schanze gedient habe. Noch im gleichen Jahr veranlasste er das Abtragen des von einer Erdkruste bedeckten Steinhügels. Pelz ermutigte die Arbeiter dabei besonders auf möglicherweise zutage kommende Funde zu achten. Ihre Aufmerksamkeit wurde belohnt: die Arbeiter stießen auf verschiedene Waffen aus Bronze, Schmuckgegenstände und Keramikgefäße. 1840 veröffentlichte August von Larisch einen Grabungsbericht und die Umzeichnungen der Funde. Heute sind lediglich zwei seiner Fundzeichnungen erhalten sowie ein Gipsrelief des Schwertes; die Funde selbst gelten als verschollen.
Annemarie ReckBildquelle W. Grünberg 1938, 3, Plan.
Das Schwert
Bei den Funden handelte es sich um ein bronzenes Vollgriffschwert mit konischen Griffknauf und einer ovalen Knaufplatte. Die Platte ist auf der Oberseite mit einem nach außen hin geöffneten Bogenmuster verziert, während die Unterseite zwei Reihen von gekerbten Dreiecken zeigt. Die nach oben hin zunehmend schmalere Griffstange ist durch drei Verdickungen gegliedert. Die Engstellen werden von je zwei Spiralbandmustern aus zwei Linien gegliedert. Die Schultern des Heftes schließen gerade ab und werden von je einem Niet gehalten. Auf dem Heftbogen ist eine Dreieckskerbenreihe zu sehen. Die zweischneidige Schwertklinge hat ein gezähntes Ricasso und besitzt eine breite Mittelrippe. Detlef Liebel hat 1985 im Rahmen einer Examensarbeit eine Rekonstruktion des Bronzeschwertes von Stenn hergestellt, die sich heute im Städtischen Museum Zwickau befindet.
Annemarie ReckBildquelle U. Lappe 1988, 559, Tafel 11, Rekonstruktion des Schwertes.
Weitere Funde
Weiterhin wurden ein mittelständiges Lappenbeil mit breiten Schneiden und leichtem Ausschnitt des Nackens, eine kleine Bronzespirale mit vier Windungen, ein unverzierter Doppelknopf mit kegelförmigen Oberteil und das verbogene Fragment eines Bronzenadelschaftes geborgen. Außerdem befanden sich in dem Hügelgrab zwei gleichartige Armbänder mit c-förmigem Querschnitt, die von einem Flechtbandmuster in Metopenanordnung geziert wurden. Laut dem Bericht von Larisch stießen die Ausgräber zudem auf „ganze Urnen“, die jedoch im Zuge der Bergung zerbrachen und daher nur teilweise aufgehoben wurden. Ein weiteres Fundobjekt, das vermutlich nicht direkt aus dem Grabhügel stammt ist ein Eisenstück mit einer Randrippe, das eine vierkantige Durchlochung zeigt.
Annemarie ReckBildquelle W. Grünberg 1938, S. 5.
Die Datierung
Für das Verbreitungsgebiet der Lausitzer Kultur in Sachsen ist ein Grabfund mit Schwert einzigartig. Die Form der Waffe ähnelt den südostbayerischen Dreiwulstschwertern vom Typ Erlach, die jedoch auch im fränkischen Raum verbreitet sind. Dort kommt dieser Schwertyp in reichen Gräbern der älteren Urnenfelderkultur (Hallstatt A1) vor. Jedoch zeigt das Stenner Schwert auch Unterschiede, wie die durchgehende Mittelrippe, eine leicht verdrehte Knaufscheibe und das Fehlen eines Loches in der Knaufplatte, das für Erlacher Schwerter typisch ist. Dies verleiht dem Schwert laut Ursula Lappe altertümliche Züge, die an die Riegseeschwerter der frühen Urnenfelderzeit (Bronzezeit D) erinnern. Auch das mittelständige Lappenbeil verweist in diese Richtung. Zwar ist es an sich während der älteren Urnenfelderzeit im östlichen Mitteleuropa noch häufig anzutreffen, als Beigabe in Schwertgräbern jedoch eher während der ausgehenden Mittelbronzezeit üblich. So deuten die Waffenfunde an den Beginn der süddeutschen Urnenfelderzeit.
Annemarie ReckBildquelle A. v. Larisch, Zeichnung, OA 89440, 21.
Interpretation
Im Gegensatz zu dem Schwert sind die Armbänder der heimischen Lausitzer Kultur zuzusprechen und passen sehr gut in den von den Waffenfunden gegebenen chronologischen Rahmen von Bz D/Ha A1. Während zudem die Schmucknadel und der Doppelknopf typisch sind für Männergräber, sind paarig getragene Armringe eigentlich charakteristisch für weibliche Bestattungen dieser Zeit. Obgleich auch aus reichen Waffengräbern in Süddeutschland schon paarige Armringe aufgefunden wurden, was möglicherweise die hervorgehobene Stellung der verstorbenen Person unterstreichen sollte. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Grabhügel von Stenn womöglich mehrere Personen beigesetzt waren oder es sich vielleicht sogar um eine Frau gehandelt haben könnte. Der Grabhügel selbst wurde in exponierter Lage am Endpunkt eines Höhenzuges mit 375 m Höhe errichtet, was ebenfalls für eine bedeutende Persönlichkeit spricht. Laut von Larisch handelte es sich um ein einziges großes und deutlich sichtbares Monument. Über seine genaue Ausmaße können heute nur Vermutungen angestellt werden. Von Larisch schreibt in seinem Grabungsbericht, dass „100 Fuder Steine“ abgefahren werden mussten, was in Sachsen damals etwa 100 Tonnen Gewicht entsprach.
Annemarie ReckBildquelle R. Heynowski, Foto Fundstelle ©LfA 2004.
Literatur
Georg Bierbaum, Das reiche Hügelgrab von Stenn bei Zwickau. Sachsens Vorzeit 2, 1938, 45–51.
Ursula R. Lappe, Das jungbronzezeitliche Hügelgrab von Stenn, Kr. Zwickau. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 18 (Berlin 1988) 171–173.
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
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Zitat des Beitrags
Annemarie Reck, Hügelgrab von Stenn. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (30.09.2024). https://archaeo-sn.de/ort/huegelgrab-von-stenn/ (Stand: 17.08.2026)