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Topographie
Geschichte der Burg
Forschungsgeschichte
Gliederung der Burg
Funde
Ofenkacheln
Herzogin Sidonia in Tharandt

Burg Tharandt

Ort: Tharandt (Tharandt, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
Typ: Wehranlagen/Befestigungen | Burg
Datierung: Spätmittelalter / 13. Jh | Neuzeit / 16.Jh. | 1200 - 1568 n. Chr.|

Beschreibung

Auf einem Bergsporn oberhalb der Stadt Tharandt befinden sich die Ruine einer für die sächsische Landesgeschichte bedeutsamen Burganlage, die barocke Bergkirche „Zum Heiligen Kreuz“ sowie ein romantisches Wohnschloss im Tudorstil. Erstmals wird die Burg 1216 urkundlich erwähnt, 1568 wurde die Anlage durch Blitzschlag zerstört und später als Steinbruch, u.a. zum Bau der Bergkirche, genutzt. Erste Restaurierungsmaßnahmen erfolgten im 19. Jahrhundert. Das bei Grabungen und Sanierungen geborgene Fundmaterial spiegelt die wechselvolle Geschichte wider.

Stefanie Bilz

Topographie

Der für die Errichtung einer Burg äußerst günstige, nordost-südwest-ausgerichtete Gneissporn liegt im Zusammenfluss von Wilder Weißeritz und Schloitzbach und weitet sich im Südwesten zu einem bewaldeten Bergrücken, auf dem sich ein Teil des Forstbotanischen Gartens befindet. Die Häuserreihen der Stadt Tharandt, die aus einer Handwerkersiedlung hervorging, erstrecken sich am Fuß des Bergsporns in den engen Kerbtälern der Bäche. Ursprünglich diente die Burg wohl dem Schutz der Grenze zwischen der Markgrafschaft Meißen und der Burggrafschaft Dohna.

Stefanie Bilz

Bildquelle O. Braasch, Luftbild © LfA 1998

Geschichte der Burg

Der erste gesicherte schriftliche Beleg für die Existenz einer Burg in Tharandt stammt aus dem Jahr 1216 als ein Burghauptmann Boriwo[i] de Tharant als Zeuge in einer Urkunde genannt wird, sehr wahrscheinlich ist die Burg älter. Von großer Bedeutung für die Landesgeschichte ist die Burg ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Mit der Heirat von Herzog Albrecht (1443–1500) und Sidonia (1449–1510), der Tochter des böhmischen Königs Georg Podiebrad (1420–1471), gelangte die Burg 1459 als Mitgift wieder in den Besitz der Wettiner. Seit 1476 sind häufige Aufenthalte der Gemahlin Herzog Albrechts und seit dem Tod ihres Gatten der ständige Aufenthalt auf der Burg belegt. Nach dem Tod Sidonias 1510 begann der Niedergang der Burg, die 1562 noch einmal instandgesetzt wurde. 1568 wurde die Anlage wohl durch einen Blitzschlag zerstört und später als Steinbruch freigegeben. Auch heute prägt die Ruine das Stadtbild und ziert das Stadtwappen.

Stefanie Bilz

Bildquelle Wappen Tharandt, § 5 Abs. 1 UrhG.

Forschungsgeschichte

1974 begann eine Arbeitsgruppe des Kulturbundes der DDR mit der Erforschung und Sicherung der Burgruine in Tharandt. Die Arbeiten hatten in erster Linie die Klärung des Grundrisses der Burg zum Ziel und begannen für damalige Verhältnisse innovativ: Mit Hilfe aller verfügbaren geophysikalischen Untersuchungsmethoden lokalisierte man die verschütteten, teilweise erst im 18./19. Jahrhundert abgebrochenen Mauern und legte sie gezielt frei, bzw. beräumte die Bereiche von Schutt. Archäologische Ausgrabungen im heutigen Sinne fanden nicht statt, lediglich einige Sondageschnitte wurden durch den Grabungstechniker Arndt Gühne des Landesmuseums für Vorgeschichte angelegt.

Stefanie Bilz

Bildquelle OA 37830, 228, Dokument © LfA

Gliederung der Burg

Die Burganlage ist zweigeteilt: Im Westen auf dem höchsten Teil des Sporns befinden sich die Ruinen des Palas, die sowohl die verschiedenen Umbauphasen der Burg wie auch die Restaurierung 1821 als Ruine nachträglich gotische Fensterein- und Balkonanbauten erhielt. Die sich im Nordosten anschließende Vorburg wird durch einen Halsgraben von der Kernburg getrennt und ist heute überwiegend durch die Bergkirche geprägt, in der auch Spolien aus der Burganlage verbaut sind.

Stefanie Bilz

Bildquelle OA 37830, 422, Plan © LfA

Funde

Bei der Beräumung wurden zahlreiche Funde, insbesondere Keramik geborgen, der Großteil datiert ins 15. Jahrhundert und stammt von gehenkelten Töpfen, einer auffallend großen Zahl von Stangenbechern, die dem repräsentativen Tafelgeschirr zuzuweisen sind, sowie Ofenkacheln. Daneben finden sich zahlreiche Fragmente von Steinzeug sowie Steingut und lehmglasierter Irdenware des 19. Jahrhunderts. Diese Funde können mit der ersten Sanierung bzw. erneuten Nutzbarmachung in Zusammenhang stehen. In Sondageschnitten in der Oberburg/Palas wurden die ältesten Funde geborgen: Fragmente von Töpfen mit Wulstrand aus lachs- bis rosafarbener Irdenware mit hellgrauem Kern, die in das späte 12. bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datieren und damit die Gründungszeit der Burg umreißen.

Stefanie Bilz

Bildquelle OA 37830, 222, Foto © LfA

Ofenkacheln

Besonders hervorzuheben sind die zahlreichen Kachelfunde, das Spektrum reicht von Gefäßkacheln hin zu spätgotischen und renaissancezeitlichen reliefierten Kacheln. Die spätgotischen Kacheln zeigen starke Einflüsse aus Böhmen. Unklar ist ob es sich um Importe handelt. Die Motive der Kacheln reichen von biblischen Themen, wie dem Sündenfall oder der Anbetung der Könige, über Architekturmotive (Maßwerkfenster) bis hin zu antiken Fabeln. Bemerkenswert sind die Parallelen zu den Funden aus dem Peter-Ulrich-Haus in Pirna.

S. Bilz, Luftbild © LfA 2024.

Bildquelle 3D-Scan ©LfA 2021.

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Herzogin Sidonia in Tharandt

Offen bleibt die Frage ob diese Kacheln von einem Ofen in den herzoglichen Gemächern stammen und damit Spiegel von Sidonias Herkunft sind. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Burg in den Jahren 1476/77 ist mit dem Ein-/Umbau bzw. dem Abbruch, aber auch dem Standortwechsel von Kachelöfen zu rechnen, über deren Gestalt sich aus den Funden keine klare Vorstellung gewinnen lässt. Die Kacheln könnten bereits vor der Nutzung der Burg durch Albrecht und Sidonie vorhanden gewesen sein. Auffällig ist das Fehlen qualitativ hochwertiger Stücke, wie sie in einem herzoglichen Haushalt zu erwarten wären. Möglicherweise wurde ein repräsentativer Ofen – sofern vorhanden – von der Burg an einen neuen Aufstellungsort verbracht oder nicht gefunden. Das Fundmaterial erlaubt uns einen Blick auf das Leben in einer herzoglichen Burg, ohne jedoch mit absoluter Sicherheit einer historischen Persönlichkeit zuordenbar zu sein.

S. Bilz, Luftbild © LfA 2024.

Bildquelle S. Bilz, Luftbild © LfA 2024.

Literatur

Raimund Adam, Die Burg Tharandt in der sächsischen Landesgeschichte. Burgenforschung in Sachsen 11, 1998, 35–54.
Alfred Adlung, Tharandt – eine Burg der Wettiner. Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins 73, 1993, 81–90.
Stefanie Bilz, Studien zur Ofenkeramik des Mittelalters in Sachsen. Ungedruckte Dissertation Universität Halle-Wittenberg (Halle [Saale] 2022).
Cornelius Gurlitt, Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt (Land). Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen Die Kunstdenkmäler von Dresdens Umgebung Theil 1 (Dresden 1904).
Christof Schubert, Ausgrabungen im Peter-Ulrich-Haus in Pirna. In: R. Smolnik (Hrsg.), Ausgrabungen in Sachsen 3. Arbeits- u. Forschberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege Beiheft 24 (Dresden 2012) 193–199.
https://hov.isgv.de/Tharandt , letzter Zugriff 27.11.2024.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags

Stefanie Bilz, Burg Tharandt. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (27.11.2024). https://archaeo-sn.de/ort/burg-tharandt/ (Stand: 14.08.2026)

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