






Göhrisch Schanze
| Ort: | Göhrisch (Diera-Zehren, Meißen) |
|---|---|
| Typ: | vermutlich Siedlung | Befestigte Anlage |
| Datierung: | Frühbronzezeit | Jüngere Bronzezeit | Lausitzer Kultur | Frühmittelalter | 2200 - 1600 v. Chr. | 1200 - 1000 v. Chr. | 800 - 1100 n. Chr. |
Beschreibung
Der „Göhrisch“ erhebt sich als ein Geländesporn ca. 45 m über die Elbe, direkt an der Rauhen Furt. Darauf befindet sich eine bronzezeitliche Burganlage, die „Göhrisch Schanze“, die das gesamte, zu einer Kuppe ansteigende Hochplateau einnimmt. Mit ihrem noch heute eindrucksvollen Ringwall zählt sie zu den besterhaltenen vorgeschichtlichen Befestigungsanlagen Sachsens. Der Name „Göhrisch“ leitet sich von dem Sorbischen „Gora“ ab, was Burg oder Berg bedeutet.
Annemarie ReckForschungschronik
Bildquelle Foto ©LfA 2024.
Größe der Burg
Die Ausmaße der Burganlage werden auf ursprünglich ca. 250 m x 250 m geschätzt. Durch Steinbrucharbeiten in den 1920er- und 1930er-Jahren an der Elbseite wurde das Plateau sichtlich verkleinert. Trotz mehrfacher Interventionen von Seiten des Landespflegers als auch des Landesvereins Sächsischer Heimatbund, wurden die Arbeiten an dem seit 1937 unterschutzgestellten Denkmal, unterstützt durch die Kreishauptmannschaft bis in die späten 1930-Jahre fortgeführt. Der dabei gewonnene Schotter wurde hauptsächlich zum Straßenbau verwendet. Heute misst er an seinen breitesten Stellen noch eine Größe von bis zu 200 m x 250 m.
Annemarie ReckBildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2008.
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Lage des Plateaus
Das Hochplateau der Schanze steigt zur Kuppe hin deutlich an, wo es flussseitig wohl schon damals von einem Steilhang geschützt war. Die umliegenden Seiten waren durch einen stellenweise bis zu 12 m hohen Wall gesichert.
Annemarie ReckBildquelle W. Radig, Foto ©LfA 1928.
Der Wall
Der Sperrwall wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts unglücklicherweise durchbrochen, um einen modernen Zugang zu schaffen. Dadurch konnte aber auch der Aufbau des Walles nachvollzogen werden: Er besteht aus einer Lehmmauer mit Holzrahmen, die mit Steinen durchsetzt ist. Erst im Laufe der Jahrtausende muss die Mauer zum Erdwall verschliffen sein.
Annemarie ReckBildquelle M. Strobel, Foto ©LfA 2003.
Das Burgtor
Der alte Zugang zur Göhrischer Schanze ist im Gelände noch immer sichtbar. Er befindet sich im Nordosten der Anlage – gut erkennbar an den versetzten Torwangen. Der Burgweg führte hier „innenschildig“ zum Tor hinauf. Angreifende, die sich dem Eingang näherten waren also gezwungen ihre ungeschützte rechte Seite zu entblößen, da rechts die Schwerthand war und Schilde meist links getragen wurden.
Annemarie ReckBildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2008.
Funde vom Göhrisch
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden auf dem Plateau des Göhrisch mehrere Funde gemacht, die in die Sammlung von Karl Benjamin Preusker kamen. Darunter befanden sich eine bronzene Lanzenspitze und eine Scheibenkopfnadel mit Kopfbuckel. Durch Begehungen und eine kleine archäologische Untersuchung 1967, in Zusammenhang mit der Errichtung des Fernsehturmes, wurden zahlreiche Keramikfunde und Steingeräte aufgelesen.
Annemarie ReckBildquelle U. Wohmann, Foto ©LfA 2010.
Datierung
Schon in der älteren Bronzezeit muss es eine kleine offene Siedlung auf dem Göhrisch gegeben haben, die vermutlich nicht lange bestand. Erst in der jüngeren Bronzezeit wurde das Plateau wieder aufgesucht und befestigt. Der Großteil der gefundenen Keramik stammt aus dieser Zeit und zeigt das typische Formspektrum der Lausitzer Kultur. Im nördlichen Vorfeld der Burg wurde in den 1970er-Jahren außerdem ein kleiner Urnenfriedhof mit drei Brandbestattungen entdeckt. Ihr Inventar verweist ebenfalls auf eine Datierung aus der jüngeren Bronzezeit.
Annemarie ReckBildquelle W. Coblenz 1988, 141, Abb.3, nach A. Dietzel/W. Coblenz 1975, Abb. 3.
Frühere und spätere Besiedlung des Göhrisch
Nach einer langen Besiedlungslücke scheint die Burg im Frühmittelalter wieder von Slawen aufgesucht worden zu sein. Jedoch finden sich nur wenige Scherben aus dieser Zeit. Auch eine erneute Befestigung des Burgberges ist bislang nicht zu fassen. Die ältesten menschlichen Spuren am Göhrisch stammen hingegen bereits aus der späten Altsteinzeit um 15000–12000 v. Chr. Feuersteingeräte, die auf dem benachbarten „Kleinen Göhrisch“ und in dem Einschnitt zwischen beiden Bergen aufgelesen wurden, belegen den Rastplatz steinzeitlicher Jagdgruppen, die von dort aus wohl Ausschau auf vorbeiziehende Rentierherden im Elbtal hielten.
Annemarie ReckBildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2019.
Literatur
Werner Coblenz, Die Schanze auf dem Göhrisch bei Niederlommatzsch, Kr. Meissen. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 18 (Berlin 1988) 139–143.
Reinhard Spehr, Gana – Paltzschen – Zehren. Eine archäologisch-historische Wanderung durch das Lommatzscher Land (Dresden 2011) 163–175.
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
https://archaeo-sn.de/ort/3166/
Zitat des Beitrags
Annemarie Reck, Göhrisch Schanze. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (11.04.2024). https://archaeo-sn.de/ort/3166/ (Stand: 14.08.2026)