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Unterbringung in Außenlagern
Zwangslager im archäologischen Befund
Das KZ-Außenlager
Das Ende des Lagers

NS-Zwangslager und KZ-Außenlager Lengenfeld

Ort: Lengenfeld (Lengenfeld, Vogtlandkreis)
Typ: Stätten des Nationalsozialismus
Datierung: Zweiter Weltkrieg | 1943 - 1945 n. Chr.

Beschreibung

In den meisten sächsischen Handwerks-, Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben wurden während der letzten drei Kriegsjahre von 1943 bis 1945 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter beschäftigt. Im vogtländischen Lengenfeld, südlich der Göltzsch, befinden sich die Überreste eines Zwangslagers aus der NS-Zeit. Dieses besondere archäologische Denkmal der jüngeren Vergangenheit ist ein wichtiges, mahnendes Zeugnis der Kriegsjahre zwischen 1943–1945 und des Terrorregimes der Nationalsozialisten. Das ehemalige Zwangslager zeichnet sich durch einen außergewöhnlich guten Erhaltungszustand aus.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Link https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/geschichte/aussenlager/lengenfeld

Unterbringung in Außenlagern

Die Unterbringung der zivilen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter, der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge erfolgte sowohl in Werks- oder Turnhallen, Gaststätten und Schulgebäuden als auch in Barackenlagern, wie in Lengenfeld. Gerade in der Braunkohle- und Rüstungsindustrie war der Anteil an Zwangsarbeit sehr hoch. Dies wurde zusätzlich durch die Verlegung von Rüstungsbetrieben an zum Teil Untertage gelegene, „luftkriegssichere“ Standorte verstärkt. Hinzu kamen die Häftlinge der zahlreichen KZ-Außenlager, die spätestens ab Sommer 1944 auch in Sachsen weite Verbreitung fanden. Das KZ-Außenlager Lengenfeld (Bild) unterstand dem KZ-Hauptlager Flossenbürg in Bayern.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Bildquelle Digitales Orthophoto, genordet ©LfA 1999.

Zwangslager im archäologischen Befund

Nach Kriegsende wurden die festen Unterkünfte wieder ihrer ursprünglichen Funktion zugeführt, während die Barackenlager allenfalls nur eine kurze Nachnutzung erfuhren. In den meisten Fällen jedoch wurden sie bald umgesetzt oder zur Materialgewinnung abgebrochen, weshalb sich bauliche Überreste oft nur im Boden erhalten haben. Im Falle des Zwangslagers Lengenfeld haben sich die Fundamentreste der einzelnen Baracken im Boden sowohl im digitalen Geländemodell als auch vor Ort sichtbar auf dem flachen terrassierten Hang im feuchten Wiesengelände erhalten, was es erlaubt jeden Standort exakt zu rekonstruieren. Auch ein heute noch zugänglicher Betonbunker bzw. -keller (1) sowie Löschwasser- (2) und Klärbecken (3) sind noch immer im Gelände deutlich erkennbar.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Bildquelle M. Strobel, Bearbeitung, Digitales Geländemodell ©LfA 2020.

Das KZ-Außenlager

Das Zwangslager Lengenfeld war ursprünglich für zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie für sowjetische Kriegsgefangene eingerichtet worden. Im Oktober 1944 wurde es zusätzlich durch ein KZ-Außenlager (Stammlager Flossenbürg) für ca. 1000 männliche Häftlinge ergänzt. Sie wurden in einem separaten, mit Stacheldraht umzäunten und durch Wachtürme gesicherten Lagerteil (4) im Nordwesten des Areals in vier Baracken zusammengepfercht. Wie die zivilen Arbeitskräfte sowie die Kriegsgefangenen mussten sie in einem benachbarten Stollen bzw. einem ehemaligen Baumwollspinnereigebäude Flugzeugteile für die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG Dessau herstellen.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Bildquelle Außenlager Lengefeld, Foto ©KZ-Gedenkstätte Flossenbürg 1944.

Das Ende des Lagers

Am 13. April 1945 wurde aufgrund der nahenden Alliierten die Räumung des Lagers angeordnet. Die Häftlinge mussten sich auf einen Marsch in Richtung des Hauptlagers Flossenbürg begeben, der zahlreiche Todesopfer forderte. Bei Haid löste er sich jedoch vorzeitig auf, weil die Wachmänner desertiert waren. Seit 1965 erinnert ein Gedenkhain (siehe: DGM, Nr. 5) an die Opfer, von denen mindestens 254 vor Ort und Dutzende weitere auf dem anschließenden Todesmarsch starben oder ermordet wurden.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Bildquelle M. Strobel, Foto ©LfA 2004.

Literatur

Hans Brenner/Wolfgang Heidrich/Klaus-Dieter Müller/ Dietmar Wendler (Hrsg.), NS-Terror und Verfolgung in Sachsen (Dresden 2018).
Michael Strobel, Nationalsozialistische Zwangslager (1943–1945) als archäologische Denkmale – das Beispiel Lengenfeld. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 100–101.
Michael Strobel, Rüstungsindustrie und Zwangsarbeit. Lagerstandorte als Gegenstand der archäologischen Denkmalpflege. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Ausgrabungen in Sachsen 7. Arbeits- und Forschungsberichte der sächsischen Bodendenkmalpflege, Beiheft 34 (Dresden 2020) 415–424.
Michael Strobel/Thomas Westphalen, Rüstungsindustrie und Zwangsarbeitslager im Spiegel zeitgeschichtlicher Archäologie. Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz 2, 2020, 54–65.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags

Michael Strobel/Annemarie Reck, NS-Zwangslager und KZ-Außenlager Lengenfeld. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (19.06.2024). https://archaeo-sn.de/ort/3900/ (Stand: 18.08.2026)

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