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Entdeckung
Hausstandorte
Aufbau der Häuser

Bandkeramisches Dorf von Großzschepa

Ort: Großzschepa (Lossatal, Leipzig)
Typ: Siedlung
Datierung: Bandkeramik | ca. 5300 - 5000 v. Chr.

Beschreibung

Unmittelbar südlich des nur 4 m breiten Flüsschens Lossa, zwischen Großzschepa und Lossa, einem Ortsteil von Thallwitz, befindet sich eine Siedlung der frühneolithischen linearbandkeramischen Kultur. Der nach Westen fließende, mäandernde Fluss bildet nördlich der Fundstelle ein schmales Tal, das im Gelände leicht eingeschnitten ist. Der Fundplatz in der Flussniederung erstreckt sich über eine Breite von 220 m bis südlich der Straße nach Lossa und über eine Länge von ca. 400 m von der Tauchnitz-Mühle bis zum Waldrand. Die sich teilweise überschneidenden Hausgrundrisse, legen eine Besiedlung des Areals über mehrere Generationen nahe. Sie zeigen die typische Bauweise der älteren Linearbandkeramik, der ersten bäuerlich wirtschaftenden Kultur in Mitteleuropa, die zwischen 5500–5000 v. Chr. in Sachsen verbreitet war.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Entdeckung

Entdeckt wurde die Fundstelle im Jahr 1985 infolge des Fundes mehrerer Gefäßscherben bandkeramischer Machart. Erste Luftbildaufnahmen im Jahr 2003 bestätigten schließlich, dass es sich bei dem Lesefundplatz um eine jungsteinzeitliche Siedlung mit im Boden erhaltenen Hausbefunden handelte. Aus der Vogelperspektive gesehen wird die Dichte der Strukturen an dem Fundplatz deutlich. Auf den ersten Blick hin werden vor allem Grubenbefunde sichtbar, die sich als rundliche Bewuchsmerkmale abzeichnen. Dabei handelt es sich überwiegend um mittelgroße Formen mit Durchmessern von 1,2–2 m. Sie bilden scheinbar unregelmäßige Gruppen. Daneben finden sich größere Grubenkomplexe, deren Durchmesser um die 3–4,5 m betragen und die sich im gesamten Siedlungsareal verteilen.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2022.

Hausstandorte

Besonders augenfällig sind jedoch die kleinen Bewuchsmerkmale von circa 1 m Durchmesser, die geordnet in engen Reihen auftreten. Dabei handelt es sich um Pfostengruben. Ihre regelhafte Anordnung ist typisch für den Aufbau eines Hauses der linearbandkeramischen Kultur. Anhand der Grundrisse lassen sich auf dem Orthofoto bis zu 31 Hausstandorte lokalisieren. Die Hausgrundrisse zeigen deutliche Überschneidungen, was darauf hindeutet, dass die Siedlung über einen längeren Zeitraum hinweg bestand und die Häuser sich teilweise ablösten. Die Häuser der zeigen die für ihre Epoche typische Nordwest-Südost-Ausrichtung und sind in der Regel etwa 30–42 m lang, bei einer Breite zwischen 6,5 und 8,8 m.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Plan/Orthofoto ©LfA/GeoSN 2024.

Aufbau der Häuser

Die tragende Dachkonstruktion im Innern des Gebäudes besteht aus dicht gesetzten Reihen von jeweils drei Pfosten. Im mittleren Teil des Langhauses können die Reihen teilweise verschoben sein, während im nördlichen und südlichen Teil ein geordneter Aufbau vorherrscht. Am nordwestlichen Ende werden die Gebäude häufig dreiseitig von einem schmalen Palisadengraben umgeben, der an dieser Seite den Abschluss bildet. In einigen Fällen sind die Hauswände als schmaler Graben erkennbar. Sie bestanden an ihren Längsseiten Großteils aus Flechtwerk, das mit Lehm verputzt wurde. Durch die Lehmentnahme anlässlich des Baus und bei Ausbesserungsarbeiten bildeten sich oftmals parallel zu den Längswänden breite Gräben oder Gruben, die den mittleren Bereich der Häuser begleiten während der südliche Teil, wo sich mutmaßlich der Eingang befand, offenblieb. Ein schmaler Graben am nördlichen Rand der Siedlung hin zum Ufer der Lossa könnte zu einer frühneolithischen Uferbefestigung gehört haben.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2022.

Literatur

Ronald Heynowski, Eine Siedlung der ersten Bauern. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 38–39.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags

Ronald Heynowski/Annemarie Reck, Bandkeramisches Dorf von Großzschepa. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (09.08.2024). https://archaeo-sn.de/ort/3951/ (Stand: 15.08.2026)

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