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Erste Grabungen
Befunde und Funde
Schriftliche Überlieferung
Grabung 1991/1992
Einflüsse
Der Grundriss
Aufbau des Schlosses
Das Quellhaus

Wüstes Schloss Osterlant

Ort: Oschatz (Oschatz, Nordsachsen)
Typ: Burgruine
Datierung: Hochmittelalter | Spätmittelalter | 1200 n. Chr. – ca. 1300 n. Chr.

Beschreibung

Am Hang über dem Stranggraben, etwa 2,5 km westlich des mittelalterlichen Stadtkerns von Oschatz, stehen die Ruinen des wüsten Schlosses Osterlant. Seine heute noch erhaltenen, monumentalen Mauerstümpfe ragen bis zu 10 m in die Baumkronen hinauf. Die Ruine steht neben der Straße von Thalheim in einem lichten Laubwald nahe eines früher zu Teichen aufgestauten Bachlaufs in einer romantischen, ehemals parkähnlichen Anlage, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Hans Julius Schmorl (1859–1940) geplant worden war. Funde aus der einst quadratische, vierflügeligen Schlossanlage sprechen für eine Nutzung des Gebäudestandortes vom 11. bis 13. Jahrhundert. Ein Dendrodatum verweist auf das Jahr 1211. Als wahrscheinlicher Bauherr des „wüsten Schlosses“ gilt Dietrich der Bedrängte (1162–1221), der damalige Markgraf von Meißen, dem ab 1210 auch die Stadt Oschatz unterstand.

Annemarie Reck

Erste Grabungen

Hans Schmorl, der die damals im dichten Fichtenwald stehende Ruine selbst noch aus seiner Jugend kannte, hoffte 1903 mittels archäologischer Grabungen die bis dato ungeklärte Frage des Alters von Schloss Osterlant beantworten zu können. Bis 1909 legte er große Teile des Innenhofes und alle Umfassungsmauern frei. Ihr Verlauf bestätigte dabei weitgehend ältere Grundrisspläne aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die bereits von einer rechteckigen Anlage ausgegangen waren. Schmorl glaubte jedoch, dass der Bau im Nordwesten von einer einzelnen Mauer abgeschlossen wurde. An dieser Stelle vermutete er auch den einstigen Zugang.

Annemarie Reck

Bildquelle H. Schmorl, OA 66680/308, Foto ©LfA 1908.

Befunde und Funde

Leider waren die Grabungsmethoden des Justiziars laienhaft, weshalb die grundlegenden Fragen zur Funktion und Datierung von Schloss Osterlant größtenteils ungeklärt blieben. Zwar legte er die Fundamente frei und durchgrub dabei die Schutt- und Kulturschichten, ließ diese jedoch zu großen Teilen abfahren ohne dass Fundzusammenhänge notiert oder Schichtverläufe beobachtet wurden. Sein Fokus lag vor allen Dingen auf den Funden. Unter den stark verrosteten Eisenteilen befanden sich Armbrustbolzen, Messerklingen, Hufeisen, Schlüssel, der Teil eines Reitersporns und eine mittelalterliche Münze, ein Braktreat. Zwei weitere Münzen wurden bereits im 19. Jahrhundert aufgelesen. Einen Großteil der Keramik und sonstige Reste der einstigen Architektur wurden hingegen entsorgt. Johannes Deichmüller (1854–1944), der damalige Leiter der prähistorischen Sammlung Dresden und führender Archäologe Sachsens, datierte die Reste des Schlosses anhand der von Schmorl gemachten Funde in das 11. bis 13. Jahrhundert. Die gefundenen Münzen und eine silberne Ringfibel verweisen ebenfalls auf eine Nutzung in dieser Zeit.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Spehr, Silberfibel, Foto ©LfA 1992.

Schriftliche Überlieferung

Bereits in der ältesten urkundlichen Erwähnung vom 12. Mai 1379, ist von dem Schloss als „wüstes Steynhaus“ die Rede, weshalb davon ausgegangen wird, dass es schon damals als Ruine stand. Auf dem ältesten Kartenwerk Sachsens von Matthias Oeder († 1614) aus dem Jahr 1586 wird es als das „alte Schloss“ nahe den Teichen bezeichnet. Schon damals war anscheinend nicht mehr bekannt, wie alt das Schloss war, wozu und für wem es errichtet worden war. Der außergewöhnliche Name des wüsten Schlosses „Osterlant“ ist erst seit dem 18. Jahrhundert nachweisbar. Der Name bezieht sich vermutlich auf Thomas Osterland, einen Pfahlbürger der Stadt Oschatz, der Ende des 15. Jahrhunderts sich des Totschlags schuldig machte. Unklar bleibt seine genaue Verbindung zu der Ruine.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2006.

Grabung 1991/1992

Anlässlich des Baus eines Abwasserkanals quer durch die Anlage fand 1989 eine erneute Untersuchung des Schlosses im Rahmen einer Baubegleitung statt. Dabei stellte der Archäologe Reinhard Spehr bislang unbekannte Strukturen im Bereich des Innenhofes fest. Daraufhin erfolgte in den Jahren 1991/1992 die erneute systematische Freilegung der Fundamente, weiter Teile der Innenräume und etwa der Hälfte des Innenhofes. Durch die Grabungen konnte erstmals der tatsächliche Grundriss des Schlosses erfasst werden und widerlegte sämtliche ältere Pläne.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Spehr, Übersichtsfoto ©LfA 1992.

Einflüsse

Der Grundriss der vierflügeligen Burganlage mit dem Quellhaus in der Ostecke des Innenhofes mutet fremdartig an und findet nicht nur innerhalb Sachsens, sondern innerhalb ganz Mitteleuropas keine richtige Parallele. Vergleichbare Bauten sind hingegen aus dem staufischen Süditalien oder dem byzantinischen Einflussgebiet im östlichen Mittelmeer bekannt. Als Teilnehmer am dritten Kreuzzuges 1197/1198, könnte Dietrich der Bedrängten, der damalige Markgraf von Meißen, solche Bauten im Orient gesehen haben. Auch Anklänge zu Klosteranlagen, wie die der Zisterzienser, die sich an byzantinischen Bauten und Burgen des Deutschen Ordens orientierten, könnten dem Bauherren als Vorbild gedient haben.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2017.

Der Grundriss

Ursprünglich war der Gebäudekomplex als eine symmetrische, quadratische, vierflügelige Anlage mit geschlossenem Innenhof geplant. Bis auf die Eckverbände besteht der ganze Bau aus Bruchsteinen. Die Außenmaße des Schlosses betrugen dabei 44,3 x 44,3 m, während der Innenhof eine Fläche von 18,7 x 18,7 m einnahm. Die vier Ecken des Gebäudes bildeten vier turmartige Vorbauten. Die äußeren Flügelwände des Gebäudes besaßen zudem vorgelagerte Wandpfeiler. Abgesehen von einer leichten Abweichung um 9° sind die Längsseiten des Baus entsprechend der Himmelsrichtungen orientiert. Zudem wurden die Fundamente eines Ofens zur Eisenschmelze freigelegt, die vermutlich aber zu einem früheren Gebäude an dieser Stelle gehörten. Sie gehen auf die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück.

Annemarie Reck

Bildquelle Archaeonaut 5, 14, Grundrissplan ©LfA 2006.

Aufbau des Schlosses

Das wüste Schloss wurde allem Anschein nach nie vollendet. Zwar deuten Eck- und Wandpfeiler in den Innenräumen auf eine geplante Einwölbung der Untergeschosse hin, jedoch fehlen Hinweise auf Gewölbeteile im Bauschutt oder Ansatzstellen an den Mauern. So blieb der ganze Nordwestflügel, abgesehen von der inneren Mauer als Abschluss des Innenhofes, bis auf die Fundamente unvollendet, weshalb Schmorl den Grundriss wohl falsch interpretierte. Auch der Südwestflügel wurde anscheinend nur notdürftig fertiggestellt und bis zum ersten Stock als Wohnhaus errichtet. Der Nordostflügel hingegen war sogar zweigeschossig, zudem waren der Nordost- und Südostflügel unterkellert. Einzig vollendet wurde wohl nur der südöstliche Gebäudetrakt, da sich dort in 12,7 m Höhe über dem Kellerboden der Ansatz eines Daches nachweisen ließ. Pfeilerfundamente mittig an der Außenwand des Südwestflügels deuten auf ein Treppenhaus hin, das vermutlich zu einem Eingang im Obergeschoss geführt hatte. Ein ebenerdiger Zugang lässt sich nicht nachweisen. Die Kellerräume und Gemächer des Innenhofes konnten demnach nur aus den Obergeschossen heraus oder über ein Wasserhaus im Innenhof betreten werden.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Spehr, Foto ©LfA 1991.

Das Quellhaus

Die Entdeckung des quadratischen Quellhauses in der Ostecke des Innenhofes war wohl die größte Überraschung während der Grabung von 1991. Seine Außenseiten maßen etwa 6 x 6 m und es umschloss einen 2 m tief unter dem Hofniveau liegenden, kreisrunden Raum. In der Wand befanden sich acht von Säulen abgetrennte Nischen. Das Zentrum des Raumes bildete ein kreisrundes Becken von 3 m Durchmesser. Konzentrisch verlaufende Stufen darin führten treppenartig hinab zu einer Quelleinfassung in etwa 1,2 m Tiefe. Noch während der Grabungen war das Becken 1,1 m tief mit Wasser gefüllt. Am profilierten Rand des Wasserbeckens befanden sich acht Säulenbasen, die mit den Säulen entlang der Wände korrespondierten. Fenster besaßen die noch 1,8 m hoch erhaltenen Mauern des Quellhauses nicht. Die Quelle mündete in einen Bach, der über einen Kanal zu den Teichen außerhalb des Schlosses abgeleitet wurde. Eine Eichenbohle aus der Kanalsohle erbrachte ein Schlagdatum im Winter 1211/1212.

Annemarie Reck

Bildquelle A. Dietzel, Foto ©LfA 1991.

Literatur

Wolfgang Ender/Steffan Robel/Cornelius Scherzer/Johann-Hinrich Walter, Wüstes Schloss Osterlant – Archäologie und Perspektiven für seine Erschließung. Archaeonaut 5(Dresden 2006).
Robert Schmidt, Jagdpalast oder Kapelle? Das Wüste Schloß Osterlant bei Oschatz (Oschatz 2003).
Reinhard Spehr, Vorbericht über die Bauforschungen im „Schloß Osterlant“ bei Oschatz. In: Historische Bauforschung in Sachsen (Dresden 2000) 18–46.
Reinhard Spehr, Das wüste Schloss Osterlant. Eine archäologische Betrachtung zur Baugeschichte (Oschatz 2005).

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags

Annemarie Reck, Wüstes Schloss Osterlant. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (02.08.2024). https://archaeo-sn.de/ort/3953/ (Stand: 19.08.2026)

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