





Bandkeramische Siedlung bei Frohburg
| Ort: | Frohburg (Frohburg, Leipzig) |
|---|---|
| Typ: | Siedlung |
| Datierung: | mittlere bis jüngere Linienbandkeramik | um 4900 v. Chr. |
Beschreibung
Während der archäologischen Baubegleitung einer Gas-Ringleitung wurden im Süden der sächsischen Kleinstadt Frohburg linienbandkeramische Befunde aufgedeckt. Frohburg liegt etwa 35 km südlich von Leipzig am Fluss Wyhra. Die Stadt markiert den geographischen Übergang der Leipziger Tieflandbucht zum Zeitz-Altenburger-Löss-Hügelland. Das vom Baufeld der Gasleitung vorgegebene etwa 1202 qm große Grabungsterrain lag ca. 600 m westlich des Flusses auf dem höchsten Punkt im Gelände. Vom Grabungsareal ist das Flusstal mit dem südöstlich gelegenen Streitwald und der historischen Wyhra-Furt Richtung Kohren-Salis gut zu überblicken. Gegenwärtig zeigen die linienbandkeramischen Hausstrukturen in Frohburg die am südwestlichsten gelegene linienbandkeramische (LBK) Siedlung in ganz Sachsen an.
Robert-Alexander AnsorgNaturräumliche Lage
Die naturräumliche Lage der Fundstelle war von glazialer Überformung geprägt. Eine bis zu 1,20 m hohe Aufschüttung (Ergebnis zwischenzeitlicher Straßenbaumaßnahmen) überdeckte die im anstehenden Boden deutlich erkennbaren Befunde. Anthropogene Bodeneingriffe beim Gasleitungsbau sowie in der Vergangenheit übliche landwirtschaftliche Tiefpflugverfahren hinterließen Beschädigungen.
Robert-Alexander AnsorgBildquelle R. Ansorg, Foto ©LfA 2015.
Befunde
Von 240 Befunden waren 190, darunter 6 Doppelpfostengruben, 150 Pfostengruben und 22 Gruben, archäologisch relevant. Die für Hausgrundrisse der Linienbandkeramik typischen Pfostengrubenreihen blieben wegen des beschränkten Grabungsareals unvollständig und waren wegen Überschneidungen schwer zuzuordnen. Insgesamt konnten fünf Hausgrundrisse definiert werden. Möglicherweise liegt im mittleren Grabungsareal eine Mehrphasigkeit vor. Unter die Grabungsgrenzen reichende Befunde zeigen deren Fortsetzung von Südosten Richtung Nordwesten an. Haus 1 ganz im Westen des Grabungsareals ist am deutlichsten zu erkennen. Probleme bei der Zuordnung ergeben sich für die Längsgruben. Die darin befindlichen Pfostengruben sind nicht nur Teile von Haus 1, sondern auch von Haus 2, eine sich Richtung Osten wiederholende Befundsituation.
Robert-Alexander AnsorgBildquelle R. Ansorg, Umzeichnung der Befunde ©LfA 2015.
Mittlerer Fundstellenbereich
Im Mittelteil der Fundstelle, besonders im Bereich der Längsgruben erreichten die Befunde eine Tiefe von bis zu 1,00 m. Weiterhin traten in diesem mittleren Abschnitt der Fundstelle starke Rotlehm- bzw. Holzkohlekonzentrationen außerhalb und innerhalb der Befunde auf.
Robert-Alexander AnsorgBildquelle R. Ansorg, Foto ©LfA 2015.
Verteilung der Funde
Es fällt die ungleiche Verteilung des Fundmaterials auf. Dem fundarmen westlichen und mittleren Teil der Grabungsfläche stand ein Großteil der Funde aus zwei Gruben im östlichen Teil beide durch den alten Leitungsgraben gestört gegenüber. Einige Keramikfragmente waren außergewöhnlich gut erhalten. Besonders eine Gefäßeinheit mit plastischer Leiste statt der sonst für die Kulturstufe üblichen eingeritzten Bandverzierung stach heraus.
Robert-Alexander AnsorgBildquelle R. Ansorg, Foto ©LfA 2015.
Keramik und Silices
Eine aus demselben Befund geborgene weitere Gefäßeinheit war mit einem Loch versehen und trug damit ein sichtbares Zeichen für eine Reparatur in der damaligen Zeit. Im gesamten Grabungsgelände konnten Silexfragmente, Klingen und Schaber geborgen werden. Eine Silexklinge und ein Kratzer wiesen Sichelglanzspuren auf, die auf die Ernte von Getreideähren zurückzuführen sind.
Robert-Alexander AnsorgBildquelle R. Ansorg, Foto ©LfA 2015.
Steingeräte
Der ebenfalls gefundene weiße und rote Porphyr kommt in der Umgebung Frohburgs (die Stadt liegt im sogenannten Roten Porphyrland) häufig vor und wird bis heute abgebaut. Ein Steinartefakt aus Granit diente als Klopfstein, ein anderes als Retuscheur, ein weiteres zunächst als Läufer und im Anschluss ebenfalls als Retuscheur. Auf der gesamten Grabungsfläche wurde nur ein Steinbeilfragment gefunden, welches sekundär als Schleifstein Verwendung fand. Ein Grund für die exponierte Lage der Siedlung könnte die Nähe zu einem Aufschluss von Geithainer Bandjaspis sein. Bruchstücke dieses Halbedelsteins wurden im Grabungsgelände allerdings nur als Lesefunde geborgen.
Robert-Alexander AnsorgBildquelle R. Ansorg, Foto ©LfA 2015.
Literatur
Robert Ansorg, Älter als erwartet – Frohburg. Archäologie in Deutschland 2016, H. 2, 49–50.
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
https://archaeo-sn.de/ort/bandkeramische-siedlung-bei-frohburg/
Zitat des Beitrags
Robert-Alexander Ansorg, Bandkeramische Siedlung bei Frohburg. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (11.11.2024). https://archaeo-sn.de/ort/bandkeramische-siedlung-bei-frohburg/ (Stand: 19.08.2026)