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Die Bergstadt
Archäologische Spuren

Bergbausiedlung Fürstenberg

Ort: Hartmannsdorf (Hartmannsdorf b. Kirchberg, Zwickau)
Typ: Befestigte Anlage | Bergbauspuren
Datierung: Hochmittelalter | Spätmittelalter | Neuzeit | 1250 - 1350 n. Chr.

Beschreibung

Im Hohen Forst bei Hartmannsdorf finden sich die Reste einer Wüstung, also eines aufgegebenen und verlassenen Ortes. In den 1960er-Jahren wurde sie von den Archäologen Werner Coblenz und Heinz Thuß erstmals mit dem Bergbau in Verbindung gebracht. 1989 führte der sächsische Montanarchäologe Wolfgang Schwabenicky mehrere kleine Untersuchungen im Hohen Forst durch. Dabei verhärtete sich der Verdacht, dass es sich bei der Siedlung um die 1316 erstmals in den Quellen erwähnte Bergstadt Fürstenberg handelt. Bereits Mitte des 14. Jahrhunderts wurde sie allerdings wieder aufgegeben. Die genauen Gründe dafür sind ungeklärt. Heute gehört die Bergbausiedlung Fürstenberg zu den besterhaltenen Bergbaulandschaften des Erzgebirges, die 2019 als Teil der „Montanregion Erzgebirge/Krušnohři“ sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurde.

Stefanie Bilz/Annemarie Reck

Die Bergstadt

Die einstige Bergstadt befindet sich heute inmitten eines Nadelwaldes. Archäologische Funde vor Ort lassen auf eine Gründung bereits Mitte des 13. Jahrhundert schließen, während sich die erste schriftliche Erwähnung des Ortes erst im Jahr 1316 findet. In den historischen Quellen wird von einer Kirche, verschiedenen Verkaufsständen, einem Schrotamt und sogar Badestuben in Fürstenberg berichtet. Über den Zeitpunkt oder den Grund für die Aufgabe der Siedlung hingegen schweigen die Quellen. Das archäologische Fundgut bricht Mitte des 14. Jahrhunderts ab.

Stefanie Bilz/Annemarie Reck

Bildquelle K. Clappenberg, Foto ©LfA 2019.

Archäologische Spuren

Die historische Überlieferung wird heute durch die Informationen aus dem Digitalen Geländemodell (DGM) erweitert. Darin zeigt sich ein etwa 1 km langer Pingenzug, der von Nordosten nach Südwesten zieht und einem Bleierzgang folgt. Der Pingenzug schneidet eine rechteckige Wallgrabenanlage von 100 m x 95 m Ausmaß. Innerhalb der Umwehrung konnten während einer späteren Grabung Schwabenickys in den 2000er-Jahren Häuser mit Erdkellern ausgegraben werden. Weitere Gebäude konnten südöstlich der Befestigung im Bereich der Erzabbaustellen erkannt werden. Verhüttungsschlacken aus dem Hangbereich belegen die Verarbeitung der Kupfererze unmittelbar vor Ort. Im Nordosten wurde Fürstenberg mit ihren wertvollen Erzen von einer Turmhügelburg gesichert. Sie wurde auf einer Anhöhe im Vorfeld der Siedlung errichtet, die von einem Wall mit Graben umgeben war. Die Anlage weist einen Durchmesser von 60 m auf.

Stefanie Bilz/Annemarie Reck

Bildquelle S. Bilz 2024, 99, Ausschnitt.

Literatur

Stefanie Bilz, Bergbausiedlung Fürstenberg. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 158–159.
Christiane Hemker/Stefanie Bilz, Hinterm Ofen ist auch dem Bergmann wohl. Seltene Ofenkachelfunde aus der Bergbausiedlung Fürstenberg im Hohen Forst. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Ausgrabungen in Sachsen 7. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 34 (Dresden 2020) 275–282.
Wolfgang Schwabenicky, Der mittelalterliche Silberbergbau im Erzgebirgsvorland und im westlichen Erzgebirge unter besonderer Berücksichtigung der Ausgrabung in der wüsten Bergstadt Bleiberg bei Frankenberg (Chemnitz 2009).

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Stefanie Bilz/Annemarie Reck, Bergbausiedlung Fürstenberg. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (13.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/bergbausiedlung-fuerstenberg/ (Stand: 24.05.2024)

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