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Lage und Sichtbarkeit
Die Wüstung
Befunde und Funde

Bergbauwüstung Bleiberg

Ort: Sachsenburg (Frankenberg, Mittelsachsen)
Typ: Bergbauspuren | Bergbauwüstung
Datierung: Spätmittelalter | 1250 - 1400 n. Chr.

Beschreibung

Nur wenige Kilometer nordwestlich von Chemnitz im Vorland des Erzgebirges erhebt sich die Hügelkuppe des Treppenhauers bei Frankenberg. Noch heute zeugen dort beeindruckende Spuren von der Bergbaugeschichte der Region. Dort befinden sich die am weitesten nach Westen vorgeschobenen Adern des Freiberger Erzganggebietes. Im Mittelalter wurden am Treppenhauer silberhaltige Blei- und Kupfererze der barytischen Bleierzformation abgebaut und die Bergbaustadt Bleiberg (Bliberge) gegründet. Sie bestand nur circa 70 bis maximal 150 Jahre, bevor der Bergbau wieder aufgegeben wurde und die Siedlung, ihrer wirtschaftlichen Grundlage beraubt, wüst fiel. Heute zählt die Montanlandschaft auf dem Treppenhauer zu den herausragendsten Zeugnissen des mittelalterlichen Bergbaus in Sachsen.

Stefanie Bilz/Annemarie Reck

Lage und Sichtbarkeit

Die Überreste der mittelalterlichen Bergstadt auf dem Treppenhauer und des Bergbaus sind zum Teil mit dichtem Wald und Strauchbewuchs verdeckt. Ein anderer Teil wurde durch die zwischenzeitliche ackerbauliche Nutzung des Areals bereits wieder eingeebnet. Wo dies nicht der Fall ist zeichnen sich im Wald eindrucksvoll die Pingen und Halden oder Erdkeller der einstigen Siedlung ab. Am deutlichsten sind diese archäologischen Strukturen aber im Digitalen Geländemodell (DGM) zu erkennen.

Stefanie Bilz/Annemarie Reck

Bildquelle R. Elburg, Foto ©LfA 2012.

Die Wüstung

Im DGM lassen sich nicht nur die verbrochenen Schächte und Hausstandorte identifizieren, sondern auch ein Wall mit Graben, der die Bergstadt Bleiberg absicherte. Im Südwesten ist ein zweiter Graben zu erkennen. Ursprünglich war er vermutlich auch im Südosten vorhanden, wo sich heute nur ein kurzer Ansatz andeutet. Im Nordwesten befindet sich im Hengstbusch eine weitere Abbaustelle, die ebenfalls herausragend erhalten ist. Überreste einer Schmelzhütte in der Kohlung stehen auch mit dem Bergbau in Verbindung. Zudem ist anzunehmen, dass ein Vorgängerbau des nahen Schlosses Sachsenburg einst dem Schutze des Silberbergbaus in Bleiberg gedient hat.

Stefanie Bilz/Annemarie Reck

Bildquelle S. Bilz 2024, 181.

Befunde und Funde

Aus dem Areal der einstigen Bergbausiedlung sind zahlreiche Lesefunde bekannt, außerdem fanden in den 1970er- und 1980er-Jahren sowie in den Jahren 2007 und 2011 Grabungskampagnen auf dem Treppenhauer statt. Das wohl außergewöhnlichste Fundstück, das während dieser Grabungen zutage kam, ist der sogenannte „Berggeist vom Treppenhauer“. Insgesamt deuten die während der Grabungen aufgedeckten Befunde und Fundobjekte darauf hin, dass die Besiedlung und der Bergbau in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begannen. Jedoch kam der Silbererzbergbau bereits zwischen 1318 und 1390 wieder zum Erliegen, was auch das Ende der Siedlung bedeutete, die ihrer wirtschaftlichen Grundlage beraubt war. Das Fundmaterial aus der Siedlung spricht für eine Aufgabe etwa um die Mitte des 14. Jahrhunderts.

Stefanie Bilz/Annemarie Reck

Bildquelle U. Wohmann, Foto ©LfA 2013.

Literatur

Stefanie Bilz, Wüste Bergstadt Bleiberg. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 200–201.
Stefanie Bilz/Frank Schröder/Matthias Schubert/Georg Singer, Alles kommt vom Bergwerk her. Montanarchäologische Fundstellen als Herausforderung für die Inventarisation und Kulturdenkmallistenerstellung. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Ausgrabungen in Sachsen 8. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 36 (Dresden 2022) 313–319.
Wolfgang Schwabenicky, Der mittelalterliche Silberbergbau im Erzgebirgsvorland und im westlichen Erzgebirge unter besonderer Berücksichtigung der Ausgrabungen in der wüsten Bergstadt Bleiberg bei Frankenberg (Chemnitz 2009).

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Stefanie Bilz/Annemarie Reck, Bergbauwüstung Bleiberg. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (14.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/bergbauwuestung-bleiberge/ (Stand: 24.05.2024)

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