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Mitteldeutschland wird Angriffsziel
Bombenabwürfe auf den Flugplatz Spröda
Bombentrichter als Bewuchsmerkmal

Bombentrichter bei Beerendorf

Ort: Beerendorf (Delitzsch, Nordsachsen)
Typ: Stätten des Nationalsozialismus | Bombentrichter
Datierung: Zweiter Weltkrieg | 1944 n. Chr.

Beschreibung

Auf den Äckern und Feldern zwischen Beerendorf und Spröda finden sich eindrucksvolle Zeugnisse des Zweiten Weltkriegs. Dort zeichnen sich im Bewuchs die einstigen Bombentrichter zahlreicher Sprengbomben ab. Eigentliches Ziel des Angriffs war vermutlich der Flughafen Spröda, der im Zusammenhang mit den nahegelegenen ERLA-Maschinenwerken stand, wo vor allem Flugzeuge des Typs Messerschmidt Bf 109 hergestellt wurden. Die heute eigentlich eingeebneten Bombentrichter sind durch die Wuchsunterschiede, die aufgrund der Verdichtung der Kraterwände bei der Detonation und den nachträglich mit eher lockerer Erde verfüllten Kratern entstehen, aus der Luft noch immer sichtbar.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Mitteldeutschland wird Angriffsziel

Bereits seit 1943 kam es immer wieder zu gezielten Angriffen englischer und amerikanischer Bomberverbände in Mitteldeutschland. Ab dem Frühjahr 1944 wurden Städte, Industrieanlagen und Transportwege regelmäßig zum Ziel der alliierten Air Force. Ihre Einsätze sind gut dokumentiert und können heute nachvollzogen werden. Dabei kam es u.a. auch zu Fehl- oder Notabwürfen über freiem Feld. Es ist im Falle von Spröda und Beerendorf bei Delitzsch jedoch davon auszugehen, dass die Bomben gezielt abgeworfen wurden.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle O. Braasch, Foto ©LfA 1993.

Bombenabwürfe auf den Flugplatz Spröda

Der Flugplatz Spröda diente während des Zweiten Weltkriegs zum Einfliegen und Überführen der Jagdflugzeuge der ERLA-Maschinenwerke, später fand auf dem Gelände außerdem auch die Flugzeugmontage statt. Am 29. Dezember 1943 kam es darum bereits zu einem ersten Angriff mit Phosphorbrandbomben. Es folgten weitere Abwürfe von Sprengbomben am 20. Februar und am 7. Juli 1944. Am 16. August 1944 kam es zu dem wohl schwersten Angriff auf den Flughafen Spröda, als er von 102 Maschinen des Typs Boeing B-17 „Flying Fortress“ der U.S. Army Air Forces bombardiert wurde. Bei diesem Angriff wurde auch das Vorwerk Beerendorf beschädigt.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2003.

Bombentrichter als Bewuchsmerkmal

Die Spuren dieses Bombardements zeichnen sich noch heute als Bewuchsmerkmale im Boden ab. Auf den ersten Blick ähneln sie in ihrer Form und Ausdehnung vorgeschichtlichen Grabhügeln. Dabei handelt es sich ebenfalls um runde Strukturen von etwa 6–10 m Durchmesser, die oftmals von einem Ring von Pflanzen mit auffallend gutem Wuchs und einem mit eher schlechtem Wuchs umgeben sind, während sich im Innern der kreisrunden Befunde oft dichter Bewuchs findet. Allerdings gibt es auch deutliche Unterschiede, anhand derer man Bombentrichter und Grabhügel unterscheiden kann. So ist beispielsweise die Randzone des Bombenkraters nach innen hin scharf und deutlich abgesetzt, während sich nach außen hin unklare, ausgreifende, bis leicht sternförmige Grenzen finden. Zudem können sich Bombentrichter überschneiden und weichen zuweilen von der runden Form ab. Eine genaue Analyse der einzelnen Strukturen und ihrer Durchmesser erlaubt es sogar sie mit einzelnen Bombentypen und ihren Sprengkräften in Relation zu setzen.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2023.

Literatur

Ronald Heynowski, Die Spuren des Zweiten Weltkriegs. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 106–107.
Wolfram Kaukusch, Die Flugplätze der Luftwaffe im Kreis Delitzsch. Delitzscher Heimatkalender 2006, 84–92.
Rolf Schulze, Der Luftkrieg zwischen 1940 und 1945 im Raum Delitzsch. Delitzscher Heimatkalender 2007, 84–93.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Ronald Heynowski/Annemarie Reck, Bombentrichter bei Beerendorf. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (07.06.2024). https://archaeo-sn.de/ort/bombentrichter-bei-beerendorf/ (Stand: 17.07.2024)

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