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Der Beginn der Burg
Die
Burgtore und Gebäude
Das Kaiserhaus
Das Bahrhaus
Grabungen 1997 - 2001

Burg Oybin

Ort: Oybin (Oybin, Görlitz)
Typ: Befestigte Anlage | Burg
Datierung: Spätmittelalter | Neuzeit | 1250 – 1577 n. Chr.

Beschreibung

Auf einem imposanten Sandsteinfelsen nördlich des Kurortes Oybin thronen noch heute die Ruinen einer mittelalterlichen Burg- und Klosteranlage. Ihre eindrucksvolle Erscheinung inspirierte zahlreiche Künstler der dem Mittelalter zugewandten Strömung der Romantik, wie etwa Caspar David Friedrich (1774–1840) oder Carl Gustav Carus (1789–1869), zu bekannten Kunstwerken. Hinter der heute noch eindrucksvollen Kulisse verbergen sich aber mehrere Hundert Jahre Geschichte. Seine Hochphase erlebte der Oybin ab Mitte des 14. Jahrhunderts, als Kaiser Karl IV. (1316–1378) die dortige Burg zu einer kaiserlichen Residenz ausbauen ließ und ein Cölestinerkloster stiftete. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster bereits 1556 wieder aufgelöst und in der Folgezeit durch einen Brand und einen Felssturz zerstört.

Annemarie Reck

Der Beginn der Burg

Der Name des Oybin ist slawischen Ursprungs und leitet sich von „Moibin“ ab, was „Ort des Mojba“ bedeutet. Slawische Keramikfragmente aus dem Burgareal oder dem nahen Hausgrund konnten jedoch keinen Baubefunden zugewiesen werden. Eine slawische Vorgängerbefestigung oder Siedlung auf dem Berg ist also nicht nachweisbar. Im 13. Jahrhundert nahmen die Herren von Zittau aus dem böhmischen Adelsgeschlecht Hronowice das Zittauer Land und damit auch den Oybin in Besitz. Westlich des Oberen Torturmes befinden sich die Ruinen des sogenannten Wohnturmes der Herren von Zittau (links im Bild), dem vermutlich ältesten Gebäude der Burganlage. Heute wird der aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammende Turm als Museum genutzt.

Annemarie Reck

Bildquelle S. Krabath, Foto ©LfA 2015.

Die "Raubburg" Oybin

Im Jahre 1290 wird in den mittelalterlichen Schriftquellen erstmals ein Ztenko von Moibin genannt. Eine erste Befestigung wurde vermutlich bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts vorgenommen, ein halbes Jahrhundert später wurde die Anlage zunächst erweitert und später unter Heinrich von Leipa zur Burg ausgebaut. Die „Leipaburg“, auf dem südwestlichen Bergsporn gelegen, fiel im Jahr 1346 wieder zurück an die böhmische Krone. Unter Kaiser Karl IV. wurde die vormalige „Raubburg“ Oybin schließlich zu einer repräsentativen Anlage umgestaltet.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2016.

Burgtore und Gebäude

Die beiden Baukomplexe Burg und Kloster befinden sich beide auf dem südlichen Teil des Bergmassivs. Der Zugang zur Anlage erfolgte im Mittelalter vom südwestlichen Fuß des Berges über eine Vorburg und ehemals drei Toranlagen bis in den Burghof. Eine Quelle von Bohuslav Balbinus (1621–1688) berichtet, dass noch seinerzeit auf einen Stein verwiesen wurde, auf dem sich Kaiser Karl IV. vom steilen Aufstieg erschöpft ausgeruht haben soll. Auf dem Weg vom mittleren zum oberen Tor führt eine Reitertreppe am Gesindehaus, der Kleinen Zisterne und dem Badehaus vorbei. Das Obere Tor und die anschließende Wehrmauer stammen aus dem 13. und beginnendem 14. Jahrhundert. Westlich des oberen Tores befinden sich die Ruinen des Amtshauses, das auf die Zeit der Umgestaltung der Burg zur Kaiserresidenz zurückgeht und die Hauptleute beherbergte.

Annemarie Reck

Bildquelle J. Lipták, Foto Kaiserhaus ©LfA 2001.

Das Kaiserhaus

Das imposanteste Gebäude der Burg ist das Kaiserhaus, neben dem Wohnturm. Das zweistöckige Gebäude wurde 1364 im Baustil der Gotik für Kaiser Karl IV. errichtet. In späterer Zeit, als das die Anlage nur noch Kloster war, diente das Kaiserhaus den Mönchen als Refektorium. Es wartete mit gleich zwei Heißluftheizungen auf. Zusätzlich wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts noch ein wertvoller Kachelofen mit grün glasierten und polychromen Kacheln, die figürliche Motive zeigten, eingebaut. Heizanlage und Ofen wurden während des Brandes 1577 leider stark beschädigt und stürzten mit weiterem Brandschutt in tiefere Geschosse. Erst 1994 wurden im Keller des Gebäudes die Reste des einst prächtigen Ofens entdeckt.

Annemarie Reck

Bildquelle J. Lipták, Foto ©LfA 2001.

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Das Bahrhaus

Im Osten der Hauptburg haben sich noch das Bahrhaus und zwei Gewölbe mit drei Treppenaufgängen erhalten. Ein besonderer Hingucker ist dabei das gotische Bibliotheksfenster aus dem 15. Jahrhundert, das sich in einem Anbau zwischen Bahrhaus und ehemaligen Kreuzgang befindet. Während der Grabungen in den Jahren 1997/1998 wurde zwischen dem Bahrhaus dem Kaiserhaus ein weiteres Gebäude freigelegt. Das untere Geschoss des ehemals zweistöckigen Gebäudes bildet ein Keller. Er besteht aus zwei tonnengewölbten Räumen, die aus dem Fels herausgearbeitet wurden und durch ein Treppenhaus verbunden waren.

Annemarie Reck

Bildquelle S. Krabath, Foto ©LfA 2015.

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Grabungen 1997 - 2001

Umfangreiche Sanierungsarbeiten auf dem Oybin machten eine wissenschaftliche Ausgrabung und Erforschung der Anlage notwendig. Das Landesamt für Archäologie Sachsen hat zwischen 1997 und 2001 mit Unterstützung der Gemeinde Oybin auf bis zu 17 Arealen archäologische Untersuchungen durchführen können. Neben den Grabungsfunden, wurden auch immer wieder Lesefunde von kunstvollen Bauresten oder einfacher Keramik gemacht, die einen Eindruck des asketischen klösterlichen Lebens in einer so prachtvoll gebauten Anlage bieten.

Annemarie Reck

Bildquelle OA 87250, 523, Rekonstruktionszeichnung ©LfA 1964.

Literatur

Stefanie Bilz, Burg und Kloster auf dem Oybin. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 134–135.
Jana E. Fries, Ausgrabungen in der mittelalterlichen Burg und Klosterruine Oybin. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 44, 2002, 179–190.
Richard Němec, Architektur — Herrschaft — Land. Die Residenzen Karls IV. in Prag und den Ländern der Böhmischen Krone. Studien zur internationalen Architektur- u. Kunstgeschichte 125 (Petersberg 2015).
Gunter Oettel, Der Oybin — Burg, Kloster, Ruine (Teil 1). Zittauer Geschichtsblätter 3/4, 1996, 1–10.
Joanna Wojnicz, Burg- und Klosteranlage Oybin. Archaeonaut 1 (Dresden 2002).

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Annemarie Reck, Burg Oybin. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (07.03.2024). https://archaeo-sn.de/ort/burg-oybin/ (Stand: 24.05.2024)

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