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Lage und Geschichte
Forschungsgeschichte
Ausgrabung 1956-1958
Der Hauptwall
Graben und Vorwall
Weitere Gräben
Gebäude und Gräber
Funde
Datierung
Forschungschronik

Burganlage Zehren

Ort: Zehren (Diera-Zehren, Meißen)
Typ: Befestigungen
Datierung: Mittelneolithikum | Baalberger Kultur | Jüngere Bronzezeit | Lausitzer Kultur | Frühmittelalter | 3800 - 3400 v. Chr. | 1350 - 750 v. Chr. | 1003 - 1050 n. Chr.

Beschreibung

Auf einem schmalen Sporn über dem linken Elbufer erhebt sich nördlich des Ortes Zehren der Burgberg. Gegen Ende des Frühmittelalters befand sich hier eine große Burganlage mit einer Hauptburg an der Geländespitze und einer ausladenden Vorburg im Bereich der hinteren Geländezunge. Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen König Bolesław I. von Polen und König Heinrich II. wird die Burg Zehren für das Jahr 1003 von dem Chronisten Thietmar von Merseburg erwähnt. Die Vorburg war ehemals durch mehrere Gräben und zwei Wälle in verschiedene Abschnitte getrennt. Durch die landwirtschaftliche Nutzung sind diese heute eingeebnet. Einzig der massive Wall der Hauptburg ist noch immer sichtbar.

Annemarie Reck

Lage und Geschichte

Auf einem schmalen Sporn über dem linken Elbufer erhebt sich nördlich des Ortes Zehren der Burgberg. Gegen Ende des Frühmittelalters befand sich hier eine große Burganlage mit einer Hauptburg an der Geländespitze und einer ausladenden Vorburg im Bereich der hinteren Geländezunge. Im Zuge der Polenkriege wird die Burg Zehren für das Jahr 1003 bei Thietmar von Merseburg erwähnt. Die Vorburg war ehemals durch mehrere Gräben und zwei Wälle in verschiedene Abschnitte getrennt. Durch die landwirtschaftliche Nutzung sind diese heute eingeebnet. Einzig der massive Wall der Hauptburg ist noch immer sichtbar.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2009.

Forschungsgeschichte

Trotz der regen Bewirtschaftung der Innenfläche und der noch offensichtlichen Wälle, wurden eventuell gemachte Funde lange ignoriert. Erst 1905 beschäftigte sich Max Klähr mit Funden vom Zehrener Burgwall und machte sie bekannt. 1938 wurde vom Besitzer der Fläche eine Abgrabung im Osten des Hauptwalls vorgenommen, um eine Einfahrt zu schaffen. Das dabei entstandene Wallprofil wurde von zwei Mitarbeitern des Dresdner Landesmuseums dokumentiert. Dabei zeigte sich, dass die Burgmauer ursprünglich einen mit Holzbalken durchzogenen Innenaufbau besaß. Aufgrund einiger entsprechender Scherbenfunde wurde zunächst angenommen, dass es sich um die Reste einer Burg der bronzezeitlichen Lausitzer Kultur handeln könnte. Die steinerne Blendmauer auf der Außenseite hingegen wurde einer späteren slawischen Besiedlung im Frühmittelalter zugesprochen.

Annemarie Reck

Bildquelle OA 61210, 159 ©LfA 1938.

Ausgrabung 1956-1958

Weitere Abgrabungen im Einfahrtsbereich gaben von 1956 bis 1958 den Anlass für erneute Untersuchungen des Geländes durch das Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden. Ziel waren die Klärung des Wallaufbaus und der zeitlichen Stellung der Burganlage. Dabei wurden weitere Grabungsschnitte im Bereich des Hauptwalls und im Vorburggelände angelegt. Wegen der geplanten Nutzung der Innenfläche wurde zudem ein größerer Schnitt im Süden der Hauptburg geöffnet.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz, Foto ©LfA 1958.

Der Hauptwall

Der Hauptwall maß ursprünglich eine Breite von 4,50 m mit einer steinernen Außenseite aus Trockenmauerwerk. Verankerungen in der Außenfront zum Stützen der Mauer waren nicht erkennbar. Die Wallfüllung bestand aus einer Lehmpackung, die durch waagerecht eingelegte Holzbalken gestützt wurde. Nach Innen hin war der Wall mit einer Bretterwand aus massiven Bohlen verkleidet, die mit Querriegeln und Stützpfeilern gesichert war. Die Holzverkleidung fiel einem Brand zum Opfer und kippte nach innen um. Das Feuer wurde offenbar durch den einstürzenden Lehm erstickt, weshalb die Reste der Holzkonstruktion während der Grabung noch erkennbar waren.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz, Foto ©LfA 1958.

Graben und Vorwall

Vor dem Hauptwall, der die Burg vom restlichen Sporn abriegelte, schlossen sich eine 2 m breite Berme und ein 22 m breiter Graben mit einer Tiefe von 3,50 m an. Faschinenzäune an der Innenseite des Grabens sollten dessen Stabilität sichern. Zwischen ehemaliger Grabensohle und einstiger Wallkrone lag ein Höhenunterschied von über 10 m. Der heute eingeebnete Vorwall liegt 135 m vor dem Hauptwall. Die eher schlecht erhaltenen Befunde deuten eine ähnliche Bauweise wie im Falle des Hauptwalls an. Er wird von einem Innen- und einem Außengraben begleitet.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Spehr 2011, 194.

Weitere Gräben

Auf den Luftbildern aus dem Jahr 1997 zeichnen sich noch weitere Gräben ab, die während der Grabung zum Teil nur angeschnitten worden sind und nicht richtig interpretiert werden konnten. Graben 2 liegt zwischen beiden Wällen und teilt das Vorburggelände in zwei Abschnitte. Mittig ist ein Durchlass zu erkennen. Ein weiterer Graben liegt vor dem Vorwall. Er riegelt allerdings nur einen Teil der Fläche ab. Ein sechster und letzter Graben mit einem Tordurchlass im Westen riegelt den gesamten Sporn ab. Die Datierung dieser Gräben ist unklar. Möglicherweise gehen sie bereits auf eine jungsteinzeitliche oder bronzezeitliche Besiedlung des Burgbergs zurück.

Annemarie Reck

Bildquelle O. Braasch, Foto ©LfA 1997.

Gebäude und Gräber

Im Bereich der Hauptburg wurden mindestens drei Gebäude von 4,50 m x 5 m, die in Blockbauweise errichtet worden waren, sowie mehrere Herdstellen freigelegt. Außerdem stieß das Grabungsteam in der Vorburg auf bronzezeitliche und hochmittelalterliche Siedlungsreste, wie etwa Grubenhäuser. Außerhalb des zweiten Walles wurden die Reste eines Friedhofs aus dem 11./12. Jahrhundert gefunden.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz, Foto ©LfA 1958.

Funde

Unter den Fundstücken des Mittelalters überwog die Keramik, vor allem solche, die einen nordböhmischen Einfluss zeigt. Jedoch wurden auch Gefäßreste der Baalberger Kultur aus der mittleren Jungsteinzeit und der bronzezeitlichen Lausitzer Kultur gefunden. Weiterhin kamen an die 200 Knochenpfrieme, Eisenmesser und Eisensichel, ein Wetzstein, eine Pflugschar und auch ein Reitersporn zutage. Unter den zahlreichen Tierknochen aus Küchenabfällen fand sich ein hoher Wildtieranteil von ca. 15 %, darunter sehr viel Hochwild, das im Mittelalter dem Adel vorbehalten war. Bemerkenswert ist zudem der Fund des Schädels eines Enthaupteten, den man am Südende der Hauptburg gefunden hatte.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz, Foto ©LfA 1958.

Datierung

Streufunde und Einzelbefunde lassen darauf schließen, dass der Bergsporn seit der frühen Jungsteinzeit immer wieder von verschiedenen Kulturgruppen aufgesucht worden ist. Die Hauptbelegung fällt jedoch in das Hochmittelalter. Wie lange die mittelalterliche Burg bestand, ist unklar. Keramikfunde und ein Radiokarbondatum deuten auf die Befestigung der Burg Mitte des 10. Jahrhunderts hin. Die Zerstörung und Auflassung der Burg ist für das letzte Viertel des 11. Jahrhunderts denkbar. Streuscherben des 12. und frühen 13. Jahrhunderts deuten jedoch eine längere Nachnutzung der Burgsiedlung an.

Annemarie Reck

Bildquelle M. Strobel, Foto ©LfA 2007.

Forschungschronik

19. Jahrhundert
Nutzung der Innenfläche als Weinberg und Abflachung des Walls.
1905
Max Klähr macht seine Funde vom Burgwall Zehren durch Vorträge bekannt.
1938
Rettungsgrabung im Wallbereich zur Schaffung einer Einfahrt ins Gelände.
1956 – 1958
Forschungsgrabung unter der Leitung von Werner Coblenz.
1993
Erster Luftbildbefund von Otto Braasch.
2003
Wissenschaftliche Begehung durch das LfA Sachsen.
Annemarie Reck

Bildquelle Foto ©LfA 2024.

Literatur

Werner Coblenz, Der Wall bei den Spitzhäusern in Zehren, Kr. Meißen. Ausgrabungen und Funde 4, 1959, 142–147.
Werner Coblenz, Der Burgberg Zehren, eine Befestigung aus der Zeit der ersten Etappe der ostdeutschen Expansion. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 18 (Berlin 1988) 373–377.
Reinhard Spehr, Gana – Paltzschen – Zehren. Eine archäologisch-historische Wanderung durch das Lommatzscher Land (Dresden 2011) 188–201.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Annemarie Reck, Burganlage Zehren. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (01.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/burganlage-zehren/ (Stand: 24.05.2024)

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