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Vorgeschichtliche Besiedlungen
Slawische Besiedlung
Liubusua
Die Rückeroberung des Burgbergs
Die Turmhügelburg
Nutzung als Ackerfläche
Heutige Nutzung
Forschungschronik

Burgberg Löbsal

Ort: Löbsal (Diera-Zehren, Meißen)
Typ: Befestigte Anlage
Datierung: Bronzezeit | Aunjetitzer Kultur | Lausitzer Kultur | ältere Vorrömische Eisenzeit | Billendorfer Gruppe | Frühmittelalter | Hochmittelalter | 1800 - 1600 v. Chr. | 1300 - 300 v. Chr. | 800 - 1200 n. Chr.

Beschreibung

Der Burgberg befindet sich nordwestlich des Ortes Löbsal und umfasst ein annähernd dreieckiges Plateau über der Elbe, das von zwei Seiten durch steilabfallende Kerbtäler begrenzt wird. Der Zugang zum Burgberg ist nur über einen schmalen Geländerücken möglich, der die Hochfläche mit dem Hinterland verbindet. Dieser wird durch einen etwa 50 m langen und bis zu 11 m hohen Wall abgeriegelt. Auch an den Rändern des Plateaus sind streckenweise noch verflachte Wallreste sichtbar. Die 2,8 ha große Hochfläche ist terrassiert und fällt zur Elbe hin leicht ab. Etwa mittig wird das Burgplateau durch einen Querwall geteilt. Darin konnten die Reste einer Burgmauer, bestehend aus einem Fachwerk mit Holz und Erde, nachgewiesen werden. Eine weitere Abschnittsbefestigung befindet sich im Nordwesten der Fläche, die einen Teil des Sporns zusätzlich absperrt.

Annemarie Reck

Vorgeschichtliche Besiedlungen

Der Löbsaler Burgberg ist zwar die kleinste der Anlagen an der Rauhen Furt, weist dafür aber die längste Nutzungsdauer auf. Steingeräte zeugen davon, dass die Fläche bereits während der Jungsteinzeit von Menschen aufgesucht wurde. Erstmals besiedelt wurde der Burgberg während der älteren Bronzezeit (um 1800–1600 v. Chr.), wie Keramikfunde, u.a. der Aunjetitzer Kultur (Bild), zeigen. Die Hauptmasse bilden aber die keramischen und bronzenen Funde der Lausitzer Kultur und der Billendorfer Gruppe der jüngeren Bronze- und frühen Eisenzeit (um 1100–500 v. Chr.). Gussreste und Bronzefragmente deuten zudem auf Metallproduktion auf dem Burgberg hin. In geringerem Maße liegen zudem auch Scherben der älteren Latènezeit (bis ca. 300 v. Chr.) vor. Während dieser Zeiten war der Burgberg bis auf kürzere Lücken vermutlich durchgehend besiedelt.

Annemarie Reck

Bildquelle K. Simon 1991, Abb. 2.

Slawische Besiedlung

Erst im Frühmittelalter (9./10. Jh. n. Chr.) wird der Burgberg nach einer über tausendjährigen Unterbrechung erneut von den slawischen Daleminziern (auch Glomací) in Besitz genommen. Die noch sichtbaren vorgeschichtlichen Holz-Erde-Wälle wurden neu befestigt. Zu dieser Zeit wurden vermutlich auch die Terrassierungen des Geländes vorgenommen. Zahlreiche Keramikscherben, Reste von Feuerstellen und vor allem die mächtigen Kulturschichtpakete belegen die intensive Nutzung und Besiedelung des Plateaus in dieser Zeit.

Annemarie Reck

Bildquelle W.Coblenz, Karte ©LfA 1953.

Liubusua

Vor Kurzem gelang es der Forschung den Löbsaler Burgberg als die in der Chronik Thietmars von Merseburg († 1018) mehrfach erwähnte Burg „Liubusua“ zu identifizieren. Im Jahr 928/929 eroberte Heinrich I. „Gana“, die Hauptburg der slawischen Daleminzier, gründete die Stadt Meißen (929) und belagerte daraufhin lange die Burg „Liubusua“. Schließlich mussten sich die Einwohner in eine tiefergelegene Befestigung (links im Bild) zurückziehen und seien schlussendlich zur Aufgabe gezwungen worden. Hiermit kann die im Nordwesten (Mitte links) gelegene Abschnittsbefestigung gemeint sein.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2009.

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Die Rückeroberung des Burgbergs

Weiterhin berichtet Thietmar, dass Heinrich II. im Januar 1012 auf den Rat weniger hin die bis dahin wüst gefallene Burg innerhalb von 14 Tagen wiederaufbauen und verstärken ließ. Im August des gleichen Jahres wurde der Burgberg allerdings schon wieder vom polnischen König Bolesław Chobry erobert, der dem Chronisten zufolge, unter der etwa 1000-köpfigen Besatzung ein Blutbad angerichtet haben soll. Wegen eines Elbhochwassers, konnten die (wahrscheinlich auf der Göhrisch Schanze lagernden) deutschen Krieger nicht übersetzen und den Burgleuten zur Hilfe kommen. Einen Hinweis auf das blutige Gefecht gibt ein 1988 auf dem Plateau gefundener männlicher Schädel. Auf dessen linker Seite ist eine 5 cm lange und 1 cm tiefe Kerbspur zu sehen, die von einem wahrscheinlich tödlichen Schwerthieb stammt.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Spehr, Foto ©LfA 2010.

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Die Turmhügelburg

Die nochmals im Jahr 1123 erwähnte Burg „Libuze“ gehörte zum Amtsgebiet der Meißner Burggrafen. Herzog Lothar von Sachsen, der spätere Kaiser, belagerte Libuze im Zuge einer Auseinandersetzung mit Kaiser Heinrich V. Er nahm den Sohn des Burgherrn von Meißen als Geisel und zog ab, ohne die Burg zu zerstören. Später wurde das Wallstück, das den Löbsaler Burgberg mit dem Hinterland verband erhöht und zu einer Turmhügelburg ausgebaut. Dennoch geriet sie wohl nach nur wenigen Jahrzehnten außer Gebrauch. Während der Turmhügel heutzutage im Hochwald nur schwer zu erkennen ist, werden seine beeindruckende Größe und der gute Erhaltungszustand auf historischen Fotos deutlich (1910).

Annemarie Reck

Bildquelle Foto ©LfA 1910.

Nutzung als Ackerfläche

Der Burgberg steht seit 1934 unter Denkmalschutz. Bis 1965 wurde die Hochfläche zum Anbau von Getreide und Kartoffeln genutzt. Durch das Pflügen des Ackers wurden jedes Jahr reichlich Fundstücke, wie Keramikscherben, Steingeräte und Tierknochen, an die Oberfläche befördert. Seit dem 19. Jahrhundert kamen auf der Hochfläche über tausend Fundstücke zutage. 1966 dokumentierte Willfried Baumann den Zustand und wies auf die deutlichen Verfärbungen hin, die auf archäologische Befunde hindeuten. Auf die Rückseite schrieb er: „Die Innenfläche des Burgwalles, zerpflügt, die dunklen Verfärbungen sind deutlich zu sehen. Vom Hauptwall fotografiert“.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Baumann, Foto ©LfA 1966.

Heutige Nutzung

Seit 1966 wird auf dem Löbsaler Burgberg Wein angebaut. Vor der Aufrebung wurde eine großflächige Tiefenlockerung vorgenommen, die die Befunde und Kulturschichten stark in Mitleidenschaft gezogen hat. Über die Innenbebauung oder einzelne Siedlungsphasen liegen uns daher heute kaum Informationen vor. Eine wissenschaftliche Ausgrabung fand bislang auf dem Areal nicht statt.

Annemarie Reck

Bildquelle H. Quietzsch, Foto ©LfA 1971.

Forschungschronik

1829
Erste Lesefunde durch Karl Benjamin Preusker.
1908
Erste Planzeichnungen und Beschreibungen, vornehmlich des Turmhügels durch das Königliche Archiv urgeschichtlicher Funde aus Sachsen, Sektion Hirschstein.
1934
Eintragung in die Denkmalliste durch Georg Bierbaum.
1986
Wissenschaftliche Feldbegehungen durch Werner Coblenz.
1993
Erste Luftbildaufnahmen durch Otto Braasch.
2012
Ungenehmigte Abgrabung im Terrassenbereich und anschließende baubegleitende Untersuchung durch Gunar Seifert.
Annemarie Reck

Bildquelle Foto ©LfA 2024.

Literatur

Werner Coblenz, Ur- und Frühgeschichtliche Befestigungen auf dem Burgberg Löbsal, Kr. Riesa. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 18 (Berlin 1988) 144–145.
Ralf Gebuhr, Liubusua – Löbsal: ein bemerkenswerter Ort früherer Geschichte der Mark Meißen lag im Großhainer Land? Heimatkalender für die Großenhainer Pflege 11, 2007 (2006) 56–60.
Klaus Simon, Älterbronzezeitliche Keramik vom Burgberg bei Löbsal, Kr. Meißen. Ausgrabungen und Funde 36, 1991, 8–13.
Reinhard Spehr, Gana – Paltzschen – Zehren. Eine archäologisch-historische Wanderung durch das Lommatzscher Land (Dresden 2011) 163–175.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Annemarie Reck, Burgberg Löbsal. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (01.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/burgberg-loebsal/ (Stand: 24.05.2024)

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