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Forschungschronik
Das
Eine Insel zwischen Flussarmen
Ein Thron über braunen Fluten
Bewegtes Relief
In beherrschender Lage
Unterschiedliche Erhaltungszustände
Verkannter Wall
Erste Beschreibungen
Kulturlandschaft verändert sich
Grabungen im Auftrag des Meißner Stadtmuseums
Dilettantisches Vorgehen
Handlungsunfähige Denkmalpflege
Archäologie und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
Die Arbeitsverwaltung greift ein
Profildokumentation
Alternative Deutung
Ergebnisse einer unsachgemäßen Grabung
Nachspiel
Eintragung in die Denkmalliste
Steinbruchstillegung
Erneuter Flächenerwerb

Eine bronzezeitliche Befestigung auf der Bosel

Ort: Sörnewitz (Coswig, Meißen)
Typ: Wehranlagen/Befestigungen
Datierung: Jungbronzezeit / Lausitzer Kultur | 1200 – 800 v. Chr.

Beschreibung

Auf dem südlichen, spornartigen Ende des „Spaargebirges“, der „Boselspitze“ liegt eine bronzezeitliche Wallanlage. Das „Spaargebirge“ zwischen Sörnewitz im Südosten (Stadt Coswig) und Nieder-Spaar (Stadt Meißen) im Nordwesten wird das „kleinste Gebirge“ Sachsens genannt und gehört zum Meißner Syenit-Granit-Massiv.

Michael Strobel

Forschungschronik

1844
Eine verkannte Befestigung der Bronzezeit.
1872
Erster Bericht über einen ca. 130 m langen Wall.
1878
Der Wall wird erstmals ausführlicher beschrieben und korrekt datiert.
1908
Flächenerwerb durch den Landesverein Sächsischer Heimatschutz.
März-April 1933
Ausgrabungen im Auftrag des Stadtmuseums Meißen.
13.3.1933
Der Landesarchäologe Georg Bierbaum erfährt aus der Presse von den Untersuchungen.
16.3.1933
Walter Kersten (1907-1944) inspiziert die Ausgrabung.
20.-24.4.1933
Kersten dokumentiert das Wallprofil.
Mai 1934
Nachspiel für einen sozialdemokratischen Stadtarchivar.
11.6.1938
Späte Eintragung in die Denkmalliste B („Bodendenkmale“).
bis 1944
Weiterer Flächenerwerb und Stilllegung der Steinbrüche.
seit 1955
Aufforstung der Innenfläche.
1992-2018
Erneuter Flächenerwerb durch den Landesverein Sächsischer Heimatschutz.
Seit 2018
Klima- und standortangepasster Waldumbau.
Michael Strobel

Bildquelle Foto ©LfA 1929.

Das "kleinste Gebirge Sachsens"

Der Biotit-Granodiorit-Rücken verdankt seine Entstehung einem altpleistozänen Elbdurchbruch, der diesen Teil des Meißner Massivs vom linkselbischen abgetrennt hat. Die Elbe fließt heute durch ein tief in den felsigen Untergrund eingeschnittenes, enges Tal, das auf beiden Seiten von Steilhängen begrenzt wird.

Michael Strobel

Bildquelle DGM und GK50 Eiszeit ©GeoSN/LfULG.

Eine Insel zwischen Flussarmen

Bei außergewöhnlichen Hochwasserereignissen eroberte sich der Fluss allerdings auch jene Niederung östlich des „Spaargebirges“ zurück, die nicht von ungefähr „Nassau“, also nasse Aue heißt. Im Frühjahr 1845 ergoss sich die Elbe wieder in ihre alten Flutrinnen und überschwemmte weite Teile der Nassau, aus der lediglich einige hochwasserfreie Inseln, am höchsten aber das „Spaargebirge“ herausragten. Weiträumig verbreitete Hochflutlehme zeigen, dass die Elbe bis weit ins Holozän immer wieder östlich an dem „Gebirgsstock“ vorbeigeflossen sein muss.

Michael Strobel

Bildquelle Karte der Elbe mit dem Hochwasser 1845, Lithographie ©LfA/SLUB 2025.

Ein Thron über braunen Fluten

Als im Frühjahr 2013 die Elbe wieder einmal massiv über die Ufer trat, verhüteten die seit 2002 umgesetzten Hochwasserschutzmaßnahmen das Schlimmste. Zumindest ergossen sich die braunen Fluten nicht mehr in die Ebene zwischen Niederau und Sörnewitz. Anderenfalls wäre das Spaargebirge wie 1845 vom Wasser eingeschlossen worden.

Michael Strobel

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2013.

Bewegtes Relief

Die Hochfläche des Spaargebirges besteht aus zahlreichen Hügeln, Rücken und Tälern, durch die nur zeitweise, vor allem bei Starkregen, Wasser abfließt. Auf flachgründigen, trockenen Standorten hat sich eine wärmeliebende Vegetation angesiedelt. Die von Kerbtälern zerfurchten Randbereiche wiederum gliedern sich in viele spornartige, auf drei Seiten natürlich geschützte Vorsprünge, von denen sich mancher für den Bau einer Befestigung geeignet hätte.

Michael Strobel

Bildquelle DGM und WebAtlasSN, farbig ©LfA/GeoSN.

In beherrschender Lage

Keiner überragt sein Umfeld aber so dominant wie die „Boselspitze“, von der sich ein weiter Ausblick auf die Dresdner Elbtalweitung bis in die Sächsische Schweiz bietet. Gleichzeitig beherrscht die Wehranlage den südöstlichen Eingang zum Elbdurchbruch in Richtung Meißen und damit ein in der Bronzezeit dicht besiedeltes Umfeld.

Michael Strobel

Bildquelle M. Strobel, Foto ©LfA 2025.

Unterschiedliche Erhaltungszustände

Die leicht gewölbte, im Norden von einem Abschnittswall abgeriegelte Innenfläche ist mit ca. 2 ha so groß, dass Platz für eine dichtere Bebauung und mehrere Hundert Personen gewesen wäre. Die insgesamt etwa 160 m lange Verteidigungslinie verläuft vom elbseitigen felsigen Steilhang im Südwesten quer über das Plateau bis zu einem Taleinschnitt im Osten. Der bis zu 5 m hohe Wall geht nach 80 m und einem leichten Knick in der östlichen Hälfte in eine Geländestufe mit schwach ausgeprägter Innenböschung und aufgesetzter Weinbergmauer über. Hier sind nur noch letzte Reste des Bauwerks zu erwarten. In der NO-Ecke erweckt diese nach S-SSO umbiegende Stufe sogar den trügerischen Eindruck einer Torsituation. Es ist überraschend, dass das eindrucksvolle Monument so lange übersehen wurde.

Michael Strobel

Bildquelle DGM ©LfA/GeoSN.

Verkannter Wall

Der Altmeister der sächsischen Archäologie, Karl Benjamin Preusker (1786-1871), nämlich rühmt zwar die „ergötzlichen Aussichten“ auf das „ganze Elbthal“, die sich mit den „rheinländischen“, ja „selbst gerühmten des fernen Italien“ vergleichen ließen, verliert über den Wall aber kein Wort. Da auf der Bosel Urnen gefunden worden seien und allein der Name „auf göttlich zu deuten“ scheine, könne ein solcher Ort „einst zum Opferplatze, zur Aufstellung von Götterbildern“ gedient haben.

Michael Strobel

Bildquelle Preusker 1844, 6.

Erste Beschreibungen

Erst 1872 berichtete der Porzellanmaler Ernst Fischer (1818-1886) auf einer Sitzung der Dresdner Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS von einem ca. 130 m langen Wall im „Poselgebirge“, um dann sechs Jahre später im Kontext einer systematischen Zusammenstellung vorgeschichtlicher und mittelalterlicher Höhensiedlungen in der Region auf den „Langwall“ ausführlicher einzugehen, der „oberhalb aus Steinen und Erde aufgeführt“ sei und „nach innen“ „ganze verkohlte Stammstücke“ aufweise. „Das ganze Plateau“ sei „nach jedesmaliger Überackerung mit Scherben ältester Art wie übersät.“ 1882 unterschied Fischer schließlich Stein-, Brand-, Erd- und Steinschuttwälle. Letzteren ordnete er auch die Anlage auf der Bosel zu. Umso verwunderlicher ist daher, dass die Befestigung bis 1940 wider besseres Wissen entweder weiterhin als slawisches Heiligtum oder „spätslawischer Grenzburgwall“ angesprochen wurde, obwohl keine einzige Scherbe dieser Zeitstellung vorlag.

Michael Strobel

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2006.

Kulturlandschaft verändert sich

Stockten auf dem Wall wohl schon lange Laubbäume, wurde die Innenfläche bis in die Nachkriegszeit für den Anbau von Getreide und Kartoffeln genutzt. Darunter dürfte vor allem die Innenböschung des Walls besonders gelitten haben. Erst im Lauf der 1950er Jahre verlor die Grenzertragsfläche ihre landwirtschaftliche Bedeutung und wurde nach 1955 u.a. mit Kiefern und Lärchen aufgeforstet.

Michael Strobel

Bildquelle OA 59130, 55 ©LfA 1929.

Grabungen im Auftrag des Meißner Stadtmuseums

Was im Frühjahr 1933 den Meißner Stadtarchivar und Leiter des stadtgeschichtlichen Museums, Helmuth Gröger (1890-1957) bewogen haben mag, auf der Bosel eine Ausgrabung durchführen zu lassen, dürfte primär der Wunsch gewesen sein, für die Neuaufstellung und -ordnung des Museums aussagekräftiges Fundmaterial zu gewinnen und dafür die Arbeitsbeschaffungsprogramme zu nutzen, die seit 1931 von der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung für junge arbeitslose Menschen aufgelegt wurden. Die für die Ausgrabung auf der Bosel eingesetzten jungen Männer kamen aus einem Lager des Freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD), das vom Jungdeutschen Orden betrieben wurde. Diese 1920 gegründete Organisation war eine der vielen Blüten im breiten Strauß paramilitärischer, nationaler bis nationalistischer Verbände der Weimarer Republik mit antisemitischer und antibolschewistischer, aber nicht dezidiert verfassungsfeindlicher Programmatik. Er wurde 1933 nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten verboten bzw. aufgelöst.

Michael Strobel

Bildquelle ©Stadtmuseum Meißen.

Dilettantisches Vorgehen

Von den unsachgemäßen Untersuchungen erfuhr der Leiter des Archivs Urgeschichtlicher Funde aus Sachsen, Georg Bierbaum (1889-1953) aus der Presse. Er schickte am 16.3.1933 postwendend seinen jungen wissenschaftlichen Hilfsarbeiter Walter Kersten (1907-1944) auf die Bosel, der von der dilettantischen Vorgehensweise, den oberflächlich angelegten Schnitten und Löchern, entsetzt gewesen sein muss, dem völlig überforderten Grabungsleiter Martin Schnelle aber eine gewisse Sorgfalt und guten Willen nicht absprechen wollte.

Michael Strobel

Bildquelle OA 59130, 59 ©LfA 1933.

Handlungsunfähige Denkmalpflege

Der Student war kein Facharchäologe. Er versprach, die Mängel abzustellen und die nur 60 cm breiten Wallschnitte zu vergrößern. Rechtlich waren Kersten und seinem Chef ohnehin die Hände gebunden. Ohne Denkmalschutzgesetz und finanzielle Mittel konnten die beiden weder eine Einstellung der Grabung erwirken noch die Untersuchung selbst übernehmen. Eigentlich waren den Mitarbeitern des Museums für Mineralogie, Geologie und Vorgeschichte seit Sommer 1932 sogar Dienstreisen untersagt.

Michael Strobel

Bildquelle OA 59130, 64 ©LfA 1933.

Archäologie und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen

Museumsleiter, Kustos und wissenschaftlicher Hilfsarbeiter konnten also nicht mehr tun, als an verschiedenen Stellen zu intervenieren und darauf hinzuweisen, dass Gröger gegen eine Bestimmung des Reichsarbeitsministeriums verstoßen habe, die den Einsatz des FAD auf Ausgrabungen von einer Einschaltung der zuständigen Landesbehörde abhängig machte. Während Bierbaum den Stadtarchivar über seine Unterlassung aufklärte und sich Museumsdirektor Eberhard Rimann (1882-1944) an das vorgesetzte Volksbildungsministerium wandte, forderte das alte NSDAP-Mitglied Kersten (seit 1931), gleichzeitig Sachbearbeiter der Gauleitung für Vorgeschichte, seinen für den FAD zuständigen Parteigenossen dazu auf, weitere Ausgrabungen des Stadtmuseums bzw. Jungdeutschen Ordens und damit eine Vergeudung von Reichsmitteln künftig zu unterbinden.

Michael Strobel

Bildquelle OA 59130, 69 ©LfA 1933.

Die Arbeitsverwaltung greift ein

Da der Stadtarchivar allerdings die Absicht signalisiert habe, sich über die Bestimmung der Arbeitsverwaltung hinwegzusetzen und die Grabungen auf weitere Befestigungen (Hohe Eifer, Zehrener Burgberg, Göhrisch) auszudehnen, wandte sich die Museumsleitung erneut an das Ministerium mit dem Hinweis, dass wertvolle Bodenurkunden durch die unsachgemäßen Untersuchungen zerstört und Reichsmittel sinnlos vergeudet würden. Daraufhin wurde das Arbeitsamt Meißen von der Bezirkskommission Sachsen für den FAD angewiesen, eine Fortsetzung der Förderung der Grabungen nach dem 29.4.1933 von der Zustimmung und Beaufsichtigung durch das Archiv Urgeschichtlicher Funde abhängig zu machen. Die auf der Hohen Eifer oberhalb des Triebischtales offenbar ebenfalls noch im April begonnenen Ausgrabungen, von denen überhaupt keine Dokumentation vorliegt, wurden tatsächlich erst nach diesem Eingreifen des Landesarbeitsamtes eingestellt.

Michael Strobel

Bildquelle OA 59130, 72 ©LfA 1933.

Profildokumentation

Zum Abschluss der Erdarbeiten auf der Bosel war es Kersten schließlich möglich, wenigstens vom Ostprofil eines auf 1,5 m Breite erweiterten und bis auf den gewachsenen Boden abgetieften Wallschnittes eine Zeichnung und Beschreibung anzufertigen. Dafür hatte er sich vom 20.-24.4.1933 dem FAD-Lager angeschlossen. Da keine Vermessungspläne überliefert sind, muss offenbleiben, wo der Schnitt genau angelegt worden war. Die direkt auf dem Steingrus bzw. Felszersatz errichtete Wehrmauer besaß wohl eine senkrechte Außenfront aus waagrecht geschichteten Holzbalken, vielleicht auch Steinlagen und senkrechten Pfosten mit großen Blöcken an der Basis, die von außen durch eine schräge Anschüttung aus Stein- und Erdmaterial gestützt wurde. Die etwa 6 m breite und bis zu 1 m hohe Basis des Wallkörpers bestand aus Steinblöcken mit eingebauten horizontalen Querhölzern, die vermutlich in die Außenfront eingebunden waren. Darüber folgten Schichten aus Kies, Sand und Steinbrocken. Zum Burginneren sollen diese Anschüttungen rampenartig abgeböscht gewesen sein.

Michael Strobel

Bildquelle Coblenz 1962, Abb. 8.

Alternative Deutung

Allerdings lässt die Originalzeichnung Kerstens auch eine alternative Interpretation der Innenseite zu: Lagig geschichtete Blöcke und eine 2 m breite Steinpackung könnten durchaus für eine senkrechte Innenfront sprechen. In diese Richtung weisen auch schräg geneigte, möglicherweise verstürzte Blöcke am Böschungsfuß. Außerdem darf eine weitere Steinpackung in der oberen Wallhälfte im Bereich der Außenfront mit einer Erhöhung der anfangs vielleicht eben doch zweischaligen Wehrmauer und damit einer Mehrphasigkeit in Zusammenhang gebracht werden. Letztlich müssen aber viele Details des Wallaufbaus offenbleiben.

Michael Strobel

Bildquelle OA 59130, 110-114 ©LfA 1933.

Ergebnisse einer unsachgemäßen Grabung

Da aus dem Wallkörper keine Funde geborgen werden konnten, deutet nichts daraufhin, dass für den Bau Erdmaterial aus einer bereits bestehenden Siedlung verwendet worden wäre. Die Wehranlage war demnach nicht errichtet worden, um eine offene, ältere Niederlassung nachträglich zu befestigen. Das Fundmaterial ist in die Jungbronzezeit zu datieren. Damit hatte die laienhafte Ausgrabung immerhin erste Aufschlüsse über Wallkonstruktion und Zeitstellung der Befestigung auf der Bosel erbracht.

Michael Strobel

Bildquelle M. Strobel, Foto ©LfA 2025.

Nachspiel

Nachdem ein Jahr später, im Januar 1934, das sächsische „Heimatschutzgesetz“ erlassen und Kustos Bierbaum zum Landespfleger im Ehrenamt bestellt worden war, stand einer Reorganisation der archäologischen Denkmalpflege im nationalsozialistischen Sachsen nichts mehr im Weg. Die Berufung der ehrenamtlichen „Vertrauensmänner für Bodenaltertümer“ auf Vorschlag des Landespflegers oblag genauso wie die Eintragungen in die Denkmalliste den Kreishauptmannschaften. So viel im Mai 1934 nach den Erfahrungen im Vorjahr gegen eine Berufung des Meißner Stadtarchivars gesprochen haben mag, so wenig hätte Bierbaum in seinem Begründungsschreiben allerdings in Erinnerung bringen müssen, dass der Sozialdemokrat 1929 in seiner Festrede zum 1000-jährigen Stadtjubiläum „den Anteil des sächsischen Fürstenhauses an der sächsischen Geschichte derartig“ ignoriert habe, „daß sogar Berliner Blätter ihn ‚als den roten Elefanten im Meißner Porzellanladen‘ bezeichnet" hätten. Gröger scheint schließlich selbst auf das Ehrenamt eines stellvertretenden Vertrauensmannes verzichtet zu haben.

Michael Strobel

Bildquelle OA 59130, 89 ©LfA 1934.

Eintragung in die Denkmalliste

Überraschend viel Zeit, nämlich bis Dezember 1937, ließ sich der Landespfleger, die Eintragung der Befestigung auf der Bosel in die Denkmalliste B „Bodendenkmale“ zu beantragen, die erst im Sommer 1938 erfolgte. Auch wenn der Landesverein Sächsischer Heimatschutz bereits in seinem Gründungsjahr 1908 ein Grundstück an der Steinbruchkante erworben und einen botanischen Pflanzgarten anlegen hatte lassen, ging die Steingewinnung dennoch weiter.

Michael Strobel

Bildquelle OA 59130, 99 ©LfA 1937.

Steinbruchstillegung

Wären Pläne, die Abbruchkante und den Aussichtspunkt zurückzuverlegen, tatsächlich realisiert worden, hätte Bierbaum einmal mehr zwischen Auseinandersetzungen mit dem Betreiber oder einer Notgrabung wählen müssen. Erst ein weiterer Flächenerwerb durch den Landesverein und die Stilllegung der Steinbrüche 1943/44 enthob ihn dieser Sorgen.

Michael Strobel

Bildquelle OA 59130, 109 ©LfA 1944.

Erneuter Flächenerwerb

Es ist ein großer Glücksfall, dass der 1948 enteignete Landesverein zwischen 1992 und 2018 die gesamte Fläche der Befestigungsanlage neu erwerben und den klima- und standortangepassten Waldumbau einleiten konnte. Diese Maßnahmen dienen auch dem Schutz des Bodendenkmals.

Michael Strobel

Bildquelle M. Strobel, Foto ©LfA 2025.

Literatur

Werner Coblenz, Der Wall auf der Deutschen Bosel bei Sörnewitz. Arbeits- und Forschungsberichte zur Sächsischen Bodendenkmalpflege 10, 1962, 153-164.
Ernst Fischer, Ueber einige Heidenwälle, Feuerstationen und Fundorte der Dresdner Umgebung. Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS e. V. Dresden 1878, 15-26.
Steffen Förster, Artikel: Helmuth Gröger, In: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, https://saebi.isgv.de/biografie/24975 [Zugriff 12.12.2025].
Stefan Koch/Michael Strobel, Nahe am Wasser gebaut. Bronzezeitliche Siedlungen im Überschwemmungsgebiet der Elbe bei Radebeul. Archaeo 5, 2008, 22-25.
Helga Petzold/Barbara Ditsch, 100 Jahre Pflanzengarten auf der Bosel. Mitteilungen Landesverein Sächsischer Heimatschutz 1/2010, 31-34.
Karl Benjamin Preusker, Blicke in die vaterländische Vorzeit. Drittes Bändchen (Leipzig 1844).
Peter A. Schmidt, Die Bosel – ein Kleinod mit wertvoller Naturausstattung und Zeugen des Wandels der Landnutzung im wärmegetönten Elbtal. Mitteilungen Landesverein Sächsischer Heimatschutz 1/2020, 15-32.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

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Zitat des Beitrags

Michael Strobel, Eine bronzezeitliche Befestigung auf der Bosel. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (18.12.2025). https://archaeo-sn.de/ort/eine-bronzezeitliche-befestigung-auf-der-bosel/ (Stand: 14.08.2026)

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