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Lage und Aufbau
Der Südwall
Forschungsgeschichte
Innen- und Außenbereich
Grabungsfunde
Datierung
Funktion der Befestigung
Forschungschronik

Eisenberg bei Pöhl

Ort: Pöhl (Pöhl, Vogtlandkreis)
Typ: Burg
Datierung: Jüngere Bronzezeit | frühe Vorrömische Eisenzeit | Frühe Latènezeit | 1000 - 400 v. Chr.

Beschreibung

Die Befestigungsanlage auf dem Eisenberg bei Pöhl zählt wohl zu den wichtigsten vorgeschichtlichen Denkmälern des Vogtlandes. Die auf einem sehr schmalen, nach Norden weisenden Bergsporn gelegene Anlage wird von drei Seiten von der Trieb umflossen und durch steil abfallende Hänge geschützt. Zusätzlich wird sie von einem durchgehenden Erdwall umschlossen. Nach Süden hin trennt eine leichte, natürliche Senke den spitzen Sporn vom restlichen Berg ab, der von da ab bis auf eine Höhe von 433 m ü. NHN ansteigt, wo im 19. Jahrhundert der Mosenturm als Aussichtspunkt errichtet wurde. Heute liegt das Bodendenkmal inmitten des Naherholungsgebietes um die von 1958 bis 1964 errichtete Talsperre Pöhl. In der Vorgeschichte wurde der Berg ab Mitte der jüngeren Bronzezeit mehrfach aufgesucht und bewohnt. Ein naher Pingenzug bezeugt zudem die bergmännische Nutzung des Berges vom 15. bis ins späte 19. Jahrhundert n. Chr.

Stefanie Bilz/Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Lage und Aufbau

Der Eisenberg liegt kurz vor der Mündung der Trieb in die Weiße Elster zwischen Jocketa und der Talsperre Pöhl. Die längsschmale Innenfläche des befestigten Nordsporns des Berges umfasst eine Fläche von ca. 3 ha. Sie misst dabei eine Länge von bis zu 450 m bei einer maximalen Breite von 120 m. Die Längsseiten des Plateaus wurden durch einen einfachen durchgehenden Wall gesichert, der heute jedoch über weite Strecken abgerutscht und nicht erhalten ist. An der Nordspitze über der Triebschleife ist im Gelände noch schwach ein Doppelwall erkennbar. Hier befand sich möglicherweise ein Zugang zum Plateau. Das ehemalige Haupttor in die Befestigung dürfte den Strukturen im Gelände folgend im Südwesten zu lokalisieren sein.

Stefanie Bilz/Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2016.

Der Südwall

Die beste Erhaltung zeigt sich im Süden, wo eine weitere doppelte Wallanlage den Sporn mit einem Sperrriegel vom Rest des Eisenberges abtrennt. Die beiden leicht bogenförmigen Wälle sind noch etwa 3,5 m hoch bei einer erhaltenen Breite von 10 m bis 15 m. Durch eine leicht stärkere Wölbung des äußeren Walls schwankt der Abstand zwischen den südlichen Riegeln zwischen 5 und 10 m. Im Vorfeld des äußeren Südwalls lässt sich noch ein seichter Graben ausmachen. Die andere Bauweise und des Südwalls und die während Grabungen daraus geborgenen Funde sprechen allerdings dafür, dass er eine spätere Ergänzung des Mittelalters an den eigentlich vorgeschichtlichen Wall ist.

Stefanie Bilz/Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle E. Mertens, Foto ©LfA 2014.

Forschungsgeschichte

Schon früh zog der Eisenberg das Interesse der Forschung auf sich. So wird die befestigte Anlage bereits 1878 erstmals beschrieben. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden gleich mehrere Ausgrabungen statt, die sich vor allem der Frage des Wallaufbaus und ihrer Datierung widmen. Der Wallkörper bestand aus Holzrahmen die mit Erde und Gestein gefüllt waren. Er war beidseitig mit einer Blende von Holzstämmen und Trockenmauerwerk verkleidet. Eine Brustwehr auf der Wallkrone schloss die Befestigung vermutlich ab. Anscheinend führte ein schweres Brandereignis, welches das Balkenrost verkohlte zum Verschlacken des Gesteins im Wallinnern. In der frühen Forschung ist darum oft von einem „Schlackenwall“ zu lesen. 2015 musste der Wall wegen eines Wegebaus infolge von Holzeinschlag leicht angegraben werden. Dabei konnten der Wallaufbau überprüft und stark erhitzte Diabasgesteine geborgen werden.

Stefanie Bilz/Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle A. Tauscher, OA 69140, 48, Grabungsfoto ©LfA 1910.

Innen- und Außenbereich

Die Innenfläche blieb von den Grabungen völlig unberührt, weshalb keine näheren Aussagen über die Besiedlung auf dem Eisenberg getroffen werden können. Da vergleichbare Anlagen der jüngeren Bronze- und frühen Eisenzeit meist eine sehr intensive Innenbebauung aufweisen, kann auch beim Eisenberg mit einer dichten Bebauung der Innenfläche gerechnet werden. Unweit südlich der Befestigungsanlage zieht sich ein West-Ost-verlaufender Pingenzug quer über den Eisenberg. Daneben finden sich im Waldgebiet noch die Reste mehrere Arbeitsplattformen und zweier Huthäuser, die noch vom Abbau und der Verarbeitung von Eisenerz zeugen, die ab dem 15. Jahrhundert bis zum Ende des 19. Jahrhunderts am Eisenberg betrieben wurden.

Stefanie Bilz/Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle S. Bilz/R. Heynowski 2024, 169.

Grabungsfunde

Im Fundmaterial überwiegen die keramischen Reste, vor allem von Gefäßen der mittleren Stufe der jüngeren Bronzezeit der Lausitzer Kultur. Dazu gehören etwa Doppelkoni, Zylinder- und Trichterhalsgefäße oder Amphoren mit Steilkegel- oder Blähhals, Knickwandschalen und konische Schalen sowie Tassen und Kannen. Sie zeigen Ornamente umrillter Zonenbuckel, Rillungen oder Rillengruppen sowie schräge oder senkrechte Kannelierung. Eine weitere weniger häufig auftretende Gruppe bilden die eisenzeitlichen Funde wie Siebreste, Spinnwirtel, Webgewichte Brandlehmbrocken, Keramik, Mahlsteine und Getreidereste.

Stefanie Bilz/Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle Fundkartei S:044361, 1938/337 ©LfA 1938.

Datierung

Das zahlreiche, während der drei Grabungskampagnen geborgene Fundmaterial erlaubt eine zeitliche Einordnung der Befestigungsanlage. Die ältesten Funde lassen dabei auf eine Errichtung der Wälle im 11. Jahrhundert v. Chr. schließen. Danach scheint der Berg für einige Generationen wieder verlassen worden zu sein, bevor im 8. Jahrhundert v. Chr. eine Wiederbesiedlung einsetzte. Nach einer weiteren Besiedlungslücke wird der Bergsporn in der frühen und mittleren Vorrömischen Eisenzeit, im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. erneut aufgesucht.

Stefanie Bilz/Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle A. Haase, Zeichnung ©LfA 1944.

Funktion der Befestigung

Gegen Ende der Bronzezeit nehmen die Fundstellen im Gebiet des Oberlaufs der Elster auffällig zu. Neben dem Eisenberg steigt auch das Vorkommen unbefestigter Siedlungen und Grabanlagen in dem für die Landwirtschaft eher ungünstigen Raum merkbar an. Grund dafür waren wahrscheinlich die Zinn- und Kupfererzvorkommen, die in der Gegend in abbaugünstigen Teufen zu erreichen sind. Auch die verkehrsgünstige Lage des Berges nahe der Salzvorkommen von Altensalz bei Plauen, entlang einer Handelstrasse nach Norden in Richtung Halle, dürfte eine Rolle gespielt haben.

Stefanie Bilz/Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle E. Mertens, Modell. Geobasisdaten/Airbornelaserdaten ©GeoSN 2014.

Forschungschronik

1878
Erste der Befestigungsanlage auf dem Eisenberg durch Ferdinand Mohr.
1910
Erste Grabung im Wallbereich unter der Leitung von Alfred Tauscher.
1911/1926
Weitere Grabungen an den Wällen unter der Leitung von Ulrich Otto.
1944
Rekonstruktionsversuch der Wallanlage von Amandus Haase.
16.04.1973
Eintragung der Höhensiedlung in die Denkmalschutzliste.
1993
Erste Luftbilder durch Otto Braasch.
2015
Baubegleitende Wallsondage durch Eva Lorenz.
Annemarie Reck

Bildquelle Foto ©LfA 1929.

Literatur

Stefanie Bilz/Ronald Heynowski, Die Befestigung auf dem Eisenberg. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 124–125.
Susen Döbel, Spätmittelalterlicher bis neuzeitlicher Bergbau am Eisenberg bei Pöhl im Vogtland. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Ausgrabungen in Sachsen 6. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 33 (Dresden 2018) 410–419.
Hans Kaufmann, Die Wehranlage auf dem Eisenberg bei Jocketa, Kr. Plauen. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 18 (Berlin 1988) 149–151.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Stefanie Bilz/Ronald Heynowski/Annemarie Reck, Eisenberg bei Pöhl. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (28.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/eisenberg-bei-poehl/ (Stand: 24.05.2024)

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