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Fundstelle
Faustkeil
Älter als gedacht?

Faustkeil von Sprotta

Ort: Sprotta (Doberschütz, Nordsachsen)
Typ: mögl. sekundäre Fundstelle
Datierung: Moustérien | 80000 - 50000 vor heute

Beschreibung

Im nordsächsischen Sprotta kam 1996 in der Kiesgrube II ein mittelpaläolithischer Faustkeil zutage. Geborgen wurde das Steingerät von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie von einer der Überkernhalden des Kieswerkes. Sein Befundzusammenhang ist wegen der Verlagerung nicht mehr nachvollziehbar. Angesichts dessen, wie selten Funde der Mittleren Altsteinzeit in Sachsen sind, ist seine Auffindung dennoch ein wichtiges Zeugnis des frühen Menschen im heutigen Freistaat.

Annemarie Reck

Fundstelle

Die Fundstelle liegt zwischen Sprotta, O.T. Doberschütz, und Eilenburg und ist heute ein beliebtes Naherholungsgebiet. Am Nord- und Ostufer des Sees finden noch Kiesabbauarbeiten statt. Mit dem Abbau der weichsel- und saaleeiszeitlichen Flussschottern der Mulde wurde bereits 1968 begonnen. Heute fließt der Fluss in etwa 2 km Entfernung, speist den See aber mit seinem Grundwasser. Von Fundorten wie Markkleeberg ist bekannt, dass die frühen Menschen in den Flussschottern ehemaliger Grundmoränen nach nordischen Feuersteinen suchten, die mit eiszeitlichen Gletschern hierhergekommen und abgelagert worden sind. Zum Teil bearbeiteten sie die Feuersteine vor Ort und schlugen ihre Lager des Öfteren in der Nähe solcher Rohmateriallagerstätten auf.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Schulze, Foto ©LfA 1996.

Faustkeil

In Sprotta kamen seit Mitte der 1990er-Jahre immer wieder Feuersteingeräte wie Abschläge und Kernstücke mit deutlicher Patina zutage, von denen einige einen sehr „archaischen“ Charakter aufwiesen. 1996 wurde ein vollständig erhaltener, dünnblattiger Faustkeil gefunden. Er ist beidseitig mit einer für die Zeit sehr feinen Flächenretusche versehen. Seine trianguläre Formgebung weist eine besondere ästhetische Note auf, die über die reine Funktionalität des Steingerätes hinausgeht. Der flache, beinahe dreieckige Umriss des Faustkeils lässt sich der Formentradition des jüngeren Mittelpaläolithikums, dem sogenannten Moustérien, zuweisen.

Annemarie Reck

Bildquelle I. Kraft/M. Seiler, Archäologie aktuell 5, 1997 (1999), 87.

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Älter als gedacht?

Das Feuersteinartefakt ist durch eine Moorpatina braun-schwarz verfärbt, was einen Hinweis auf die lange Lagerung in den torfigen Schichten eines stehenden Gewässers hindeutet. Von den anderen aufgefundenen Kernstücken und Abschlägen ist eine solche Verfärbung nicht bekannt. Auch unterscheidet sich der Faustkeil durch seinen geringeren Abrollungsgrad von anderen Funden aus der Kiesgrube, denn seine Kanten sind noch immer recht scharf. Da die Sedimente mit einem Saugbagger aus bis zu 12 m Tiefe ausgewaschen werden, lässt sich über den ursprünglichen Fundzusammenhang im Moment nur spekulieren. Es ist denkbar, dass einige Funde des Komplexes, die „archaisch“ wirken, aus einem älteren, vielleicht sogar saale- oder eemzeitlichen Kontext stammen.

Annemarie Reck

Bildquelle J. Lösel, Foto ©LfA 2012.

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Literatur

Ingo Kraft/Michael Seiler, Ein Faustkeil aus den Flussschottern der Mulde von Sprotta. Archäologie aktuell 5, 1997 (1999) 84–89.
Ingo Kraft, Werkzeug des Neandertalers. In: Sabine Wolfram (Hrsg.), In die Tiefe der Zeit, 300.000 Jahre Menschheitsgeschichte in Sachsen, Buch zur Dauerausstellung, 2014, 49–53.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Annemarie Reck, Faustkeil von Sprotta. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (01.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/faustkeil-von-sprotta/ (Stand: 24.05.2024)

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