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Entdeckung der Fundstelle
Datierung
Funde

Freilandstation bei Dresden-Plauen

Ort: Plauen (Dresden, Dresden Stadt)
Typ: Station/Lager/Rastplatz
Datierung: Moustérien | 115000 - 60000 vor heute

Beschreibung

In den Jahren 1922 und 1923 stießen Arbeiter in Dresden-Plauen beim Bau von Bahnhofsgebäuden und dem damit verbundenen Entfernen der Hangböschung auf insgesamt sieben Steinartefakte und Knochenreste mehrerer eiszeitlicher Tiere. In Sachsen war es der erste Fundplatz, an dem vom Menschen hergestellte Geräte vergesellschaftet mit Resten ihrer Jagdbeute gefunden wurden. Zwar ist der Fundkomplex zu klein, um die Feuersteingeräte bekannten Formengruppen zuordnen zu können, eine stratigraphische Einordnung der Funde deutet jedoch auf ein mittelpaläolithisches Alter hin. Gemeinsam mit einer Fundstelle in Zwickau handelt es sich damit um einen der wenigen bekannten altsteinzeitlichen Fundplätze des Neandertalers abseits der der Leipziger Tieflandbucht.

Annemarie Reck

Entdeckung der Fundstelle

Die Fundstelle liegt im südwestlichen Teil Dresdens am östlichen Ufer der Weißeritz und entlang der Bahnstrecke in Richtung Chemnitz. Die Entdeckung der Funde ist dem aufmerksamen Reichsbahnrat Otto Müller zu verdanken, der die Funde dem damaligen Staatlichen Museum für Mineralogie, Geologie und Vorgeschichte in Dresden übergab. Wahrscheinlich aufgrund der Inflation und zu hoher Kosten wurde der Bau am Bahnhof nicht zugunsten einer Ausgrabung unterbrochen. Der damalige Leiter Johannes V. Deichmüller fertigte zwar eine Profilskizze an, eine Einmessung wurde allerdings nicht vorgenommen. Da er kurz darauf in Rente ging, dauerte es fast zehn Jahre bis sein Nachfolger die für Sachsens Geschichte wichtigen Funde im Archiv wiederentdeckte. Er setzte sich mit Müller in Verbindung, der sich nach eigener Aussage noch gut erinnerte. Gemeinsam mit seinem damaligen Messgehilfen Martin Tienelt fertigte er nachträglich einen Plan der Fundstelle an. 1932 wurden die Funde von Dresden-Plauen erstmals von Georg Bierbaum publiziert und 1960 von Volker Toepfer noch einmal nachbearbeitet.

Annemarie Reck

Bildquelle O. Müller, OA 02490, 122 ©LfA 1931.

Datierung

Anhand des von Johannes V. Deichmüller aufgenommenen Profils lässt sich die Fundstelle geologisch einordnen. Über dem anstehenden Syenitgestein im Hangbereich lag eine Lehmschicht, die von einem Lösslehm mit Lösskindeln darin überlagert wurde. Die Funde sollen etwa aus der Trennschicht zwischen beiden gekommen sein, möglicherweise eine alte Oberfläche. V. Toepfer deutete das Profil dahingehend, dass es sich bei der Lössschicht um die Bodenablagerung zwischen der letzten Warmzeit und der Hochphase der Weichsel-Kaltzeit handelt. Die Funde aus dem unteren Bereich der Lössschicht ließen sich daher grob an den Beginn der Weichseleiszeit einordnen.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2006.

Funde

Unter den vier Steingeräten sind zwei bearbeitete Kernsteine, vier Abschläge und ein dorsal flächenretuschierter Schaber. Einer der Abschläge passt sicher an einen Kernstein an. Neben hell- bis dunkelgrauen baltischem Feuerstein wurden zur Herstellung der Steinartefakte auch rotbrauner Chalzedon und weißgrauer Quarz verwendet. Unter den Jagdbeuteresten waren zwei Backenzähne und ein Unterkieferrest vom Wollnashorn sowie Knochen von Wildpferd und Mammut. Bei Letzterem handelt es sich um einen aufgeschlagenen Schienbeinknochen, dessen Schmalseite bearbeitet wirkt wodurch sich ein schaufelartiges Gerät ergibt.

Annemarie Reck

Bildquelle A. Kaltofen, Foto ©LfA 2019.

Literatur

Georg Bierbaum, Dresden-Plauen (Bienertmühle), die erste paläolithische Fundstelle Groß-Dresdens. Sitzungsberichte der naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS in Dresden 1931 (1932) 171–175.
Volkmar Geupel, Mittelpaläolithische Fundstelle Dresden-Plauen. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 18 (Berlin 1988) 29–31.
Volkmar Toepfer, Die paläolithischen Funde von Dresden-Plauen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 7 (1960) 66–85.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Annemarie Reck, Freilandstation bei Dresden-Plauen. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (01.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/freilandstation-bei-dresden-plauen/ (Stand: 24.05.2024)

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