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Zugang und Befestigung
Hauptwall
Hohlräume im Wall
Wasserversorgung der Burg
Steinmühlen-Depot
Die Besiedlung
Funde und Nutzung
Turmhügelburg Heinrichsburg

Goldkuppe mit Heinrichsburg

Ort: Seußlitz (Nünchritz, Meißen)
Typ: Befestigte Anlage
Datierung: Jüngere Bronzezeit | Lausitzer Kultur | Hochmittelalter | 1350 - 800 v. Chr. | 1170 - 1300 n. Chr.

Beschreibung

Das flache, langgestreckte Bergplateau erhebt sich ca. 65 m über der Elbe zwischen Diesbar und Seußlitz. Noch heute nimmt die Goldkuppe eine Fläche von 18 ha ein. Damit ist sie die größte vorgeschichtliche Burganlage Sachsens. Vor der Schädigung durch Steinbrucharbeiten im 19. und 20. Jahrhundert dürften es sogar bis zu 20 ha gewesen sein. Von drei Seiten wird sie durch natürliche Steilhänge geschützt. Zusätzlich ist die Anlage von einem 2 km langen Ringwall umgeben. Die Befestigungen gehen auf die bronzezeitliche Lausitzer Kultur zurück. Ganz im Nordwesten, regelrecht aus dem vorgeschichtlichen Ringwall herausgeschnitten, befindet sich die hochmittelalterliche Turmhügelburg „Heinrichsburg“.

Annemarie Reck

Zugang und Befestigung

Der ursprüngliche Zugang zum Plateau befand sich vermutlich im Südosten, oberhalb des „Brummochsenlochs“. Im Osten, wo das Plateau durch einen Höhenrücken mit dem Hinterland verbunden war, war die verwundbarste Stelle für die Burg. Hier wurde ein Abschnittswall auf bis zu 50 m Breite und bis zu 18 m Höhe aufgetürmt. Ursprünglich trug nur dieser imposante Sperrwall den Namen „Goldkuppe“.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2010.

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Hauptwall

Der Wall im Osten wurde vermutlich in mehreren Bauphasen errichtet. Hierfür spricht sein abgetrepptes Erscheinungsbild. In seinem Inneren befindet sich eine Holz-Erde-Mauer, bestehend aus mit Lehm und Steinen befüllten Holzkästen. Rot verziegelter Lehm und zahlreiche verkohlte Balken deuten auf ein heftiges Brandereignis hin. Nach dem zweiten Weltkrieg grub die lokale Bevölkerung im Bereich des modernen Weges Hohlräume in dem Wall, um Holzkohle zum Heizen zu entnehmen.

Annemarie Reck

Bildquelle J. Lipták, Foto ©LfA 2000.

Hohlräume im Wall

1971 entdeckten spielende Kinder etwa 3 m unterhalb der Wallkrone einen wahrscheinlich vorgeschichtlichen Hohlraum. Darin wurden mehrere fast vollständig erhaltene Gefäße gefunden, die noch verkohlte Speisen, vermutlich Gerstenbrei, enthielten. Bei den Gefäßen handelt es sich um typische Formen der Lausitzer Kultur. Ob es sich bei dem kleinen Hohlraum um eine Art Wachhaus oder um ein deponiertes Bauopfer handelt, ist unklar. Die modernen Hohlräume erlauben den Fachleuten einen Blick in den Aufbau des Walles.

Annemarie Reck

Bildquelle E. Lorenz, Foto ©LfA 2004.

Wasserversorgung der Burg

Dem Hauptwall ist in ca. 50 m Abstand ein zweiter Wall vorgelagert. Dieser ist durch die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche heute stark verschliffen und nur noch im angrenzenden Waldbereich Richtung Seußlitzer Grund schwach erkennbar. Die Befestigung schließt an der Nordflanke auch eine Quelle im sogenannten Eckholz mit ein. Der Wallzug erreichte hier eine Höhe von 11 m und staute das Wasser in der Quellmulde zu einem Wasserreservoir für die Bewohner der Burganlage auf.

Annemarie Reck

Bildquelle J. Lipták, Foto ©LfA 2000.

Steinmühlen-Depot

Im Süden, im Bereich des Steinbruches „Böser Bruder“, kam im Jahr 1935 ein Depot von drei Steinmühlen zutage. Sie wiesen keinerlei Benutzungsspuren auf und lagen in einer tiefen Grube auf einem Bett von Keramikscherben. Daher ist vermutlich eher von einer Deponierung mit kultischem Hintergrund auszugehen, als von einem bloßen Warenlager. Die Funde datieren aus der Zeit zwischen 1000–700 v. Chr. Das Gestein der Mühlen stammt aus einem nahen bronzezeitlichen Steinbruch am Kleinen Göhrisch. Seit Mitte der 1960er-Jahre ist der Steinbruch „Böser Bruder“ nicht mehr in Betrieb, dennoch sind gerade die Randbereiche des Plateaus stark von Erosion bedroht.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2010.

Die Besiedlung

Von der riesigen Innenfläche waren lange Zeit nur wenige jungbronzezeitliche Lesefunde bekannt. Bereits 1966 war das vormals als Ackerfläche genutzte Lössplateau als Rebfläche umgenutzt worden. Nach vierzig Jahren, im Winter 2006/2007, sollte eine Verjüngung der Weinanbaufläche vorgenommen werden. Hierfür wurde ein 6 ha großes Areal großflächig gerodet und umgebrochen. Dies gab den Forschenden die Möglichkeit die frisch gepflügte Fläche erstmals gezielt zu begehen. Dabei ließen sich Fundkonzentrationen und, durch die sich verändernde Färbung und Art des Bodens, auch Siedlungsschwerpunkte feststellen. Dazwischen gab es allerdings immer wieder große, fast fundleere Bereiche, die gegen eine dichte Besiedlung des Plateaus sprechen.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2007.

Funde und Nutzung

1933 wurde bei Feldarbeiten das Bruchstück eines Armreifes der Lausitzer Kultur entdeckt und aus dem Bereich des Hauptwalls ist eine zweiflügelige Pfeilspitze bekannt. Die gefundenen Keramikreste deuten eine Hauptnutzung der Anlage zwischen 1200–800 v. Chr. an. Möglicherweise wurde die Befestigung nur zu besonderen Anlässen aufgesucht oder als Fluchtburg für die umliegenden Siedlungen genutzt. Denn aus der Gegend um die Goldkuppe sind zahlreiche Gräberfelder und Siedlungen bekannt. Es ist also durchaus denkbar, dass das Bergplateau eine Rolle als Zentralort gespielt haben könnte.

Annemarie Reck

Bildquelle U. Wohmann, Foto ©LfA 1998.

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Turmhügelburg Heinrichsburg

Ende des 12. Jahrhunderts erbaute Otto von Suselitz die Heinrichsburg. Dabei handelt es sich um eine für die Zeit typische Anlage, die Motte oder Turmhügelburg genannt wird. Auf einem künstlichen, von Palisaden und einem Rundgraben umgebenen Hügel wird dabei ein meist hölzerner Turmbau gesetzt, der der meist niederen Adelsfamilie als Wohnsitz dient. Im Falle der Heinrichsburg, wurde ein Teilstück ganz im Nordwesten des bereits bestehenden Walles abgetrennt und zur Turmhügelburg umgeformt. Heute trägt auch das kleine Gartenhaus am Berghang den Namen Heinrichsburg.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2008.

Literatur

Werner Coblenz, Die Burgen an der Rauhen Furt und ihre Vermessung. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 6, 1957, 367–416.
Werner Coblenz, Die Wehranlage Goldkuppe – Heinrichsburg bei Diesbar-Seußlitz. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 18 (Berlin 1988) 137–138.
Reinhard Spehr, Gana – Paltzschen – Zehren. Eine archäologisch-historische Wanderung durch das Lommatzscher Land (Dresden 2011) 163–175.
Rebecca Wegener, Diesbar-Seußlitz und die Goldkuppe. Bei gutem Wein Geschichte entdecken. Archæo 4, 2007, 74–79.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Annemarie Reck, Goldkuppe mit Heinrichsburg. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (01.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/goldkuppe-mit-heinrichsburg/ (Stand: 24.05.2024)

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