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Maße und Aufbau
Geophysik und Sondage
Interpretation der Anlage

Grabenwerk Riesa

Ort: Riesa (Riesa, Meißen)
Typ: unregelmäßiges Grabenwerk 3-fach
Datierung: Mittelneolithikum | Baalberger Kultur | 4000 - 3500 v. Chr.

Beschreibung

Auf einem flachen Kiesrücken in der Jahnaaue südlich von Riesa befindet sich eines der größten Grabenwerke Sachsens. Die Anlage stammt aus der mittleren Jungsteinzeit und besteht aus drei bis stellenweise vier Gräben bei einer unregelmäßig ovalen Form. Das Erdwerk wurde im Jahr 1993 während der ersten luftbildarchäologischen Befliegungen im Freistaat entdeckt. Infolge der Entdeckung wurden in den Folgejahren von einer ehrenamtlichen Sammlerin mehrere Begehungen der Fundstelle vorgenommen. Abgesehen von wenigen Feuersteinfragmenten datierte die dabei aufgefundene Keramik jedoch aus jüngeren Epochen, wie der späten Römischen Kaiserzeit, der slawischen Zeit oder dem Mittelalter. Erst ein Forschungsprojekt des LfA Sachsen und der TU Freiberg im Jahr 2005 erlaubte anhand einiger Gefäßfragmente der Baalberger Kultur aus dem Sohlbereich der Gräben die Zuweisung des Befundes ins Mittelneolithikum.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Maße und Aufbau

Das Grabenwerk von Riesa misst bis zu 320 m in West-Ost-Ausrichtung und besitzt eine Innenfläche von 6,5 ha. Im Osten, Norden und Westen sind die mehrfachen, bis zu 5 m breiten Gräben zugunsten von Toröffnungen unterbrochen. Im Süden der Anlage verlieren sich die Gräben im alten Bachbett. Unklar ist, ob sich hier ein weiterer Durchgang befunden hat. Im Innenraum zeichnen sich zahlreiche Gruben als Bewuchsmerkmale ab. Eindeutige Hausbefunde sind jedoch nicht zu erkennen. Aufgrund des Scherbenschleiers aus jüngeren Epochen ist zudem damit zu rechnen, dass die Grubenbefunde ganz oder teilweise aus der Eisenzeit, der Slawenzeit oder dem Mittelalter stammen könnten.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Geophysik und Sondage

Im Sommer 2005 führten das Geophysikalischen Instituts der TU Bergakademie Freiberg und des LfA Sachsen im östlichen Bereich der Anlage geophysikalische Messungen und eine archäologische Sondage durch. Die Sondage konzentrierte sich auf die Grabenköpfe des mittleren Grabens am östlichen Zugang. Der Graben erwies sich dabei als schrägwandiger Sohlgraben, dessen Verfüllung vornehmlich aus schluffig-kiesigem Sand bestand. Gerölle an der östlichen Grabenwand sind bei der Aufgabe der Einlage vermutlich hineingestürzt. Scherbenkonzentrationen an der Grabensohle sowie einer großen trichterförmigen Grube im Sohlbereich zeigen deutliche Formen der mittleren Jungsteinzeit. Zwei Fragmente von Kragenhalsflaschen können sicher als Formen der Baalberger Kultur angesprochen werden.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle U. Wohmann, Foto ©LfA 2007.

Interpretation der Anlage

Die Grabungsbefunde könnten darauf hindeuten, dass das Grabenwerk von Riesa aus einem Schutzbedürfnis heraus errichtet worden ist. Die Gerölle könnten der Befestigung des Grabens oder inzwischen erodierter Wälle gedient haben. Falls die zahlreichen Siedlungsgruben sich ebenfalls als jungsteinzeitlich erweisen würden, könnte die dichte Besiedlung der Innenfläche diese Annahme stützen. Ebenso kann die besonders verkehrsgünstige Lage nahe der Mündung der Jahna in die Elbe, die die Norddeutsche Tiefebene mit Böhmen verband, eine Rolle gespielt haben. Die aus der Jahna eingespülten Sandbänke wurden möglicherweise als Furt über die Elbe genutzt. In Ost-West-Richtung führt zudem der aus mittelalterlichen Quellen als via regia bekannte Fernweg an Riesa vorbei, der womöglich schon in der Vorgeschichte eine Rolle gespielt haben kann. Um jedoch eine sichere Aussage über die Funktion der Anlage treffen zu können, wären noch eingehendere Untersuchungen nötig.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle Archæo 4, 64, Abb. 6.

Literatur

Dana Mikschofsky, Grabenwerk im Jahnatal. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 58–59.
Volker Donner/Wolfgang Ender/Bernhard Forkmann/Rolf Käppler/Michael Strobel, Geophysikalische und archäologische Untersuchungen in einem Grabenwerk der Trichterbecherkultur bei Riesa. Archæo 4, 2007, 60–66.
Pavla Ender/Wolfgang Ender/Mike Huth/Günter Kavacs/Michael Strobel, Stadt und Kloster Riesa – Archäologie und frühe Geschichte. Archaeonaut 7 (Dresden 2007).

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck, Grabenwerk Riesa. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (19.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/grabenwerk-riesa/ (Stand: 24.05.2024)

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