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Lage der Fundstelle
Älteste Kulturschicht
Baustrukturen
Planierschichten
Frühe Neuzeit

Harmelinquartier Leipzig

Ort: Leipzig Innenstadt (Leipzig, Leipzig Stadt)
Typ: Stadtkern
Datierung: Spätmittelalter | Neuzeit | um 1250 – 1945 n. Chr.

Beschreibung

Unweit des Leipziger Hauptbahnhofs lag bis Ende 2019 eine der wenigen noch brach liegenden Baulücken innerhalb des Stadtrings. Der lange Zeit als Parkplatz genutzte Bereich wird im Osten durch das sogenannte Harmelinhaus begrenzt. Dieses bildet das letzte noch erhaltene Gebäude des aus mehreren Geschäfts- und Pelzlagerhäusern bestehenden Pelzhandelshofs der jüdischen Rauchwarenhändlerfamilie Harmelin. Die dazugehörigen Gebäude standen noch nach der Liquidierung des Unternehmens durch die Nationalsozialisten bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg auf dem Grabungsgelände.

Burkart Dähne

Lage der Fundstelle

Der südlich angrenzende Brühl gehört zu den ältesten Straßen Leipzigs und verläuft parallel zur nördlichen Stadtmauer im Inneren der Stadt von West nach Ost. Wenngleich auch nicht als Durchgangsstraße angelegt, so wurde dieser Bereich im Mittelalter, spätestens mit der Errichtung der Stadtmauer im 13. Jahrhundert, besiedelt. Es entwickelte sich zunehmend zu einem Wohn- und Handelsquartier, in dem ab der frühen Neuzeit auch Gasthäuser belegt sind. Nur wenige Meter westlich der Fläche befand sich mit dem Hallischen Tor, der nördliche Zugang zur Stadt.

Burkart Dähne

Bildquelle B. Dähne Fotos © LfA 2019.

Älteste Kulturschicht

An mehreren Stellen der Baufläche wurden direkt über dem anstehend Sandlöss Reste einer frühen Kulturschicht dokumentiert. Sie markiert somit die älteste, zwar natürlich entstandene, aber durch Menschen überprägte Schicht auf dieser Fläche. Der ca. 30–40 cm mächtige Horizont enthielt mit viel blaugrauer Keramik überwiegend Funde des 13.–14. Jahrhunderts und ist bereits ackerbaulich genutzt worden.

Burkart Dähne

Bildquelle B. Dähne Fotos © LfA 2024.

Baustrukturen

Mit Beginn des 14. Jahrhunderts begann auf den Parzellen eine umfangreiche Siedlungstätigkeit. Die dazugehörigen Laufhorizonte sind an mehreren Stellen in ungestörten Abschnitten der südlichen Grabungsfläche erfasst. Sie sind mit 4–6 cm Mächtigkeit auf den mittelalterlichen Ackerhorizonten in verschiedenen Profilen unmittelbar am heutigen Brühl nachgewiesen. Mehrere Baustrukturen zeugen von der spätmittelalterlichen Erschließung dieser Parzellen für ein dauerhaftes Siedlungsareal. Dazu gehören auch zwei Erdkeller. Die aus Stampflehm hergestellten Sohlen waren von Rahmen aus hölzernen, jetzt vergangenen Schwellbalken umgeben.

Burkart Dähne

Bildquelle B. Dähne Fotos © LfA 2019.

Planierschichten

Im späten 14. und frühen 15. Jahrhundert wurden Planierschichten aufgetragen, die stellenweise auf den älteren Laufhorizonten, den mittelalterlichen Ackerflächen oder aber auch direkt auf dem weichselzeitlichen Sandlöss liegen. Örtlich begrenzt auftretende Schichten mit zahlreichen organischen Bestandteilen wie Stroh, Holzreste, Dung und Knochen weisen unter anderem auf Stallungen hin, die bereits in anderen Hofsituationen von Parzellen des Brühls bezeugt sind.

Burkart Dähne

Bildquelle B. Dähne Fotos ©LfA 2019.

Frühe Neuzeit

Mit dem Übergang zum 16. Jahrhundert begann auf den Parzellen die zunehmende Verwendung von Steinen oder Ziegeln als Baumaterial und es entstand eine typisch städtische frühneuzeitliche Parzellenbebauung. Gleichzeitig entstanden auch einige ungemauerte Latrinen bzw. Abfallgruben, deren Verfüllung das typische Spektrum eines frühneuzeitlichen Keramikensembles des 16. Jahrhunderts, darunter grünglasierte Alltagskeramik, Grapentöpfe, Tischgeschirr und Steinzeug umfasst. Besonders hervorzuheben ist ein unvollständiger fragmentierter Krug aus westsächsischem Steinzeug, vermutlich Waldenburger Machart, mit der Abbildung des kursächsischen Vollwappens sowie weiteren Reliefapplikationen.

Burkart Dähne

Bildquelle B. Dähne Fotos ©LfA 2024.

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Literatur

Burkart Dähne, Vom Acker zum Pelzhandelshof. Die Ausgrabungen im Harmelinquartier am Brühl in Leipzig (L-223). In: Regina Smolnik, Ausgrabungen in Sachsen 9. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege Beih. 37 (Dresden 2024) 329–345.
Wilhelm Harmelin/Marcus Harmelin: Rauchwaren und Borstenkommission Leipzig: 1830–1930. Zum hundertjährigen Bestehen (Leipzig 1930).
Thomas Westphalen, Thietmar von Merseburg erwähnt im Jahre 1015 die urbs Libzi. Archäologische Forschungen über das frühe Leipzig. Mitteilungen des Landesvereins sächsischer Heimatschutz 2015, 3, 3–9.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags

Burkart Dähne, Harmelinquartier Leipzig. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (22.11.2024). https://archaeo-sn.de/ort/harmelinquartier-leipzig/ (Stand: 14.08.2026)

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