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Entdeckung
Hinweis auf Metallhandwerk
Fundmeldung eines Schülers
Notgrabung 1996

Heidentum bei Löbsal

Ort: Löbsal (Diera-Zehren, Meißen)
Typ: Flachgrab/Flachgräberfeld mit Brandgräbern
Datierung: Jüngere Bronzezeit | Lausitzer Kultur | 1350 - 750 v. Chr.

Beschreibung

Das Gräberfeld „Heidentum“ liegt südlich bis südwestlich des Ortes Löbsal und nördlich des Golkwaldes. Es besitzt eine Fläche von etwa 3 ha Ausdehnung. Bei der bronzezeitlichen Nekropole handelt es sich um ein Brandgräberfeld mit Urnengräbern oder Leichenbrandschüttungen. Allerdings gibt es auch einen Hinweis auf ein Körpergrab . Der Bestattungsplatz wurde in etwa zur gleichen Zeit genutzt, wie der Löbsaler Burgberg. Darum wird angenommen, dass es sich bei dem „Heidentum“ genannten Fundplatz um einen Friedhof für die Bewohnerschaft des Burgbergs handelt.

Annemarie Reck

Entdeckung

Der Fundplatz wurde im Jahr 1826 bei Feldarbeiten entdeckt. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch der eigentümliche Name der Fundstelle. Ein Teil der Funde wurde Karl Preusker aus Großenhain vorgelegt. Er beschrieb die Funde ausführlich und fügte sie seiner Sammlung bei. Heute gilt er als der „Vater der sächsischen Archäologie“. In den folgenden hundert Jahren traten auf dem „Heidentum“ immer wieder neue Funde zutage, wie etwa Keramikgefäße, Armreifen oder Gewandnadeln.

Annemarie Reck

Bildquelle O. Kleemann, Zeichnung/A. Reck, Bearbeitung, OA 59190, 48 ©LfA 2023.

Hinweis auf Metallhandwerk

In einer Fundmeldung aus dem Jahr 1901 werden auch „uralte Tonringe, Kinderspielzeuge und Lanzen aus Bronze“ erwähnt. Einen besonderen Fund stellt eine 1902 geborgene, vollständige, heute leider verschollene Tondüse (Bild) dar. Solche Düsen fanden bei der Bronzeverarbeitung Verwendung. Der Fund deutet also darauf hin, dass in der nahen Siedlung auf dem Löbsaler Burgberg Bronze verarbeitet wurde. Möglicherweise ging die mit der Tondüse bestattete Person dort dem Metallhandwerk nach.

Annemarie Reck

Bildquelle OA 59190, 384 ©LfA 1902.

Fundmeldung eines Schülers

1921 stieß der Schüler Heinz Haenelt im Bereich des heutigen Spielplatzes auf ein vom Pflug teils zerstörtes Grab. Daraus barg er eine gut erhaltene Amphore, zwei Urnen mit Leichenbrand und Knochenresten und ein Steinamulett. Seine handschriftliche Fundbeschreibung wird in der Ortsakte aufbewahrt.

Annemarie Reck

Bildquelle OA 59190, 393 ©LfA 1921.

Notgrabung 1996

Beim Bau eines Parkplatzes im Jahr 1996 wurden nicht weit davon drei weitere Gefäße entdeckt, die während einer Notgrabung geborgen wurden. Da keines von ihnen Leichenbrand enthielt, handelte es sich vermutlich um Grabbeigaben.

Annemarie Reck

Bildquelle Foto ©LfA 1996.

Literatur

Karl B. Preusker, Blicke in die vaterländische Vorzeit, Sitten, Sagen, Bauwerke und Geräthe, zur Erläuterung des öffentlichen und häuslichen Volkslebens im heidnischen Alterthume und christlichen Mittelalter der sächsischen und angrenzenden Lande (Leipzig 1841).
Henning Stilke, Der erste archäologische Lehrpfad in Sachsen. Archäologie Aktuell 6, 1998–1999 (2000) 220.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Annemarie Reck, Heidentum bei Löbsal. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (01.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/heidentum-bei-loebsal/ (Stand: 24.05.2024)

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