




Höhenburg Zetten
| Ort: | Döben (Grimma, Leipzig) |
|---|---|
| Typ: | Wehranlagen/Befestigungen |
| Datierung: | jüngere Bronzezeit | Frühmittelalter | ca. 1000 v. Chr. | 850 - 1050 n. Chr. |
Beschreibung
Bereits im Jahr 1935 wurde der „Zetten“ bei Döben als eines der ersten Bodendenkmale in Sachsen unter Schutz gestellt. Denn auf dem nahe Grimma gelegenen Berg befindet sich eine Wallanlage, die während der jüngeren Bronzezeit erstmals befestigt worden war. Später im Frühmittelalter wurde die Anlage erneuert und vom slawischen Stamm der Ostchutici als ihre Zentralburg genutzt. Aufgrund ihrer günstigen Lage auf einem Plateau unmittelbar südlich der Flussschleife fiel ihr vermutlich zu mehreren Zeiten eine wichtige Rolle bei der Kontrolle des mittleren Muldentals zu.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie ReckDie Anlage
Der „Zetten“ nimmt eine Fläche von 470 x 530 m ein und ist an drei Seiten von einer Wallkonstruktion umgeben. Einzig nach Nordwesten, wo der Berg zur Mulde hin als Steilhang abfällt, wurde auf eine zusätzliche Befestigung des Geländes verzichtet. Der Wall verläuft unregelmäßig und orientiert sich am örtlichen Bodenrelief mit seinen Erhebungen und Senken. So wurden mehrere hervorstehende Kuppen mit in die Anlage eingeschlossen, anstatt den Verlauf zu begradigen. Diese Bauweise ist typisch für Befestigungen der Lausitzer Kultur der jüngeren Bronzezeit. Einzig an der Nordostseite der Anlage, die heute im Hochwald liegt, zeigt die Umwallung einen annähernd geradlinigen Verlauf entlang der oberen Kante des Seitentales.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle K. Kroitzsch 1996, 188.
Wälle und Tore
Im Westen ist der Wall noch als sanfte Böschung erkennbar, die sich nur leicht aus dem Gelände hervortut. Im Bereich des Zufahrtsweges zur Hochfläche im Südosten ist die Befestigung hingegen noch bis zu 3 m hoch erhalten. Die Mächtigkeit der einzigen Wallanlage wird jedoch an der Südseite am deutlichsten, wo sich ein bis zu 6 m hoher Stirnwall befindet. Sein westlicher Abschnitt ist gut erhalten, im Osten hingegen wurde die Innenböschen rampenartig eingeebnet. Zudem wurden im 19. Jahrhundert mehrere Häuser von auf dem nahen Rittergut beschäftigten Gutsarbeitern in den Wall hineingesetzt, wodurch er stellenweise unterbrochen wurde. Der einstige Hauptzugang wird im Südosten der Anlage vermutet, wo sich noch der heute Zufahrtsweg, eine größere Wallunterbrechung und auf der Hochebene Terrassierungen befinden. Weiterhin deuteten mehrere Altwege an dieser Stelle auf einen Zugang hin. Ein zweiter befand sich wahrscheinlich an der Nordspitze des Berges, rechts über der Mulde, wo sich heute noch ein im Bodenrelief deutlich sichtbares Hohlwegbündel auf den „Zetten“ hinaufzieht.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle O. Braasch, Foto ©LfA 1996.
Aufbau des Walls
Im Rahmen einer Baumaßnahme konnte ein Teil des Walles 1989 archäologisch untersucht werden. Dabei kam im Innern des Walles eine mit Holzkohle und Hüttenlehmresten durchsetzte Lehmschicht zutage, die von einem Aufbau als Holz-Erde-Konstruktion mit vorgeblendeter Trockenmauer zeugen, wie sie bereits von vergleichbaren Wallanlagen bekannt sind. Sonstige Ausgrabungen, an denen sich eine Besiedlungsabfolge ablesen ließe haben bislang nicht stattgefunden. Einzig Oberflächenfunde aus der Innenfläche geben heute einen Aufschluss über die Besiedlungsabfolge auf dem „Zetten“.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle G. Unteidig, Foto ©LfA 1989.
Datierung
Die Lesefunde aus dem Bereich der Innenfläche des Plateaus geben Aufschluss über die verschiedenen Phasen seiner Besiedlung. Die ältesten Objekte stammen aus der jüngeren Bronzezeit von der zu dieser Zeit in Sachsen weit verbreiteten Lausitzer Kultur. Auch einige Latènezeitliche Funde sind bekannt, die eine Weiternutzung der Hochfläche bis in die mittlere Vorrömische Eisenzeit wahrscheinlich machen. Das Gros der Fundstücke ist jedoch der slawischen Besiedlung des Berges vom 9. bis zum 11. Jahrhundert zuzurechnen. Hierzu zählen beispielsweise kammstrichverzierte Rand- und Wandscherben. Weiterhin liegen mehrere Keramikfragmente des Spätmittelalters vor. Hierbei ist jedoch unklar ob sie in Bezug mit einer weiteren Besiedlung des Plateaus stehen oder infolge der landwirtschaftlichen Bearbeitung der Fläche dorthin geraten sind. Erst ab dem 16. Jahrhundert ist die Nutzung des „Zetten“ als Ackerfläche sicher nachweisbar.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle A. Rudolph, Foto Wall Ostseite ©LfA 2012.
Historische Quellen
Der Forschung ist die Anlage seit langem bekannt. Der erste schriftliche Beleg stammt bereits aus dem Jahr 1013. Einer Urkunde bringt dem Ort mit dem Zentrum des Gaus Ostchitici in Verbindung, der als eine Entschädigung des Königs dem Bischof von Meißen übertragen wurde. In der heutigen Flurbezeichnung des „Zetten“ lässt sich noch immer der in der Urkunde genannte Ortsname „Golenzica cethla“ wiedererkennen. Ebenso findet sich der Name des unweit gelegenen Ortes „Golzern“ in der Bezeichnung.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle R. de Vries, Foto ©LfA 2013.
Literatur
Klaus Kroitzsch, Der „Zetten“ und das Schloss Döben. In: Leipzig und sein Umland. Archäologie zwischen Elster und Mulde. Führer archäologischer Denkmäler in Deutschland 32 (Stuttgart 1996) 187–190.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski, Die Zentralburg der Ostchutici. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 178–179.
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
https://archaeo-sn.de/ort/hoehenburg-zetten/
Zitat des Beitrags
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie Reck, Höhenburg Zetten. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (07.11.2024). https://archaeo-sn.de/ort/hoehenburg-zetten/ (Stand: 15.08.2026)