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Die Lage des Berges
Funde vom Pfaffenstein
Spuren der Besiedlung
Grabung 1961
Der Wallaufbau
Interpretation
Die Steinerne Scheune
Forschungschronik

Höhensiedlung auf dem Pfaffenstein

Ort: Pfaffendorf (Königstein, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
Typ: Befestigung | Siedlung
Datierung: Jungbronzezeit | ältere Lausitzer Kultur | Stufe der Buckelkeramik | 1350 - 1100 v. Chr.

Beschreibung

Das zerklüftete Bergmassiv des Pfaffensteins gehört zu den beeindruckendsten Sandsteinformationen der Sächsischen Schweiz. Besonders bekannt ist die sogenannte Barbarine, an der Südspitze des Berges. Der freistehende Felsturm von über 42 m Höhe ist seit 1978 geschütztes Naturdenkmal. Bereits mit Aufkommen des Wandertourismus im 19. Jahrhundert wurde der Pfaffenstein zu einem beliebten Ausflugsziel. Infolge der Errichtung einer Gaststätte kam es im Jahr 1895 schließlich zu ersten vorgeschichtlichen Funden auf dem Felsplateau. Form und Machart der dabei zutage gekommenen Keramik deutet auf eine Siedlung der jungbronzezeitlichen Lausitzer Kultur hin.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Die Lage des Berges

Der Pfaffenstein ist mit 434, 6 m ü NN einer der höchsten Tafelberge der Sächsischen Schweiz und liegt etwa 2 km südlich der Elbe. Die senkrecht abfallenden Steilwände und der nur durch enge, leicht abzusperrende Schluchten mögliche Zugang zum Plateau, zeichnen den Pfaffenstein als einen sicheren Standort für eine Besiedlung aus. Hinzu kommt das Vorkommen einer Quelle auf dem Bergmassiv, welche die Frischwasserversorgung gewährleistet.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle M. Trommler, Foto ©LfA 2007.

Funde vom Pfaffenstein

Zu den archäologischen Funden, die beim Bau der Gaststätte entdeckt wurden, gehören Gefäßreste mit Zonenbuckelverzierung, eiförmige Töpfe und Doppelkoni mit gekerbtem Umbruch. Ihr Formschatz erlaubt eine Zuweisung zur älteren Lausitzer Kultur. Außerdem wurden zahlreiche Mahlsteinfragmente aus Quarzsandstein und Quarzporphyr ausgegraben, die auf Siedlungstätigkeiten schließen lassen. Zu den besonderen Fundstücken gehören zwei schwer gerippte Bronzearmringe und eine bronzene Messerklinge. Die oberflächliche Fundstreuung konzentriert sich vor allem auf den Bereich nördlich der Gaststätte, der etwa mittig auf der Hochfläche des Bergmassivs gelegen ist. Die Besiedlung erstreckte sich demnach nicht über das gesamte Plateau, sondern begrenzte sich auf ein kleineres, abgegrenztes Areal.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle M. Hultsch, Foto ©LfA 2021.

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Spuren der Besiedlung

An der Westseite des Pfaffensteins ist noch immer eine etwa 4 m hohe, halbkreisförmige Abschnittsbefestigung von etwa 200 m Länge zu erkennen. Sie schließt mit beiden Enden an die steil aufragenden Felswände an und diente in der Bronzezeit der Sicherung des Zugangs zum Plateau. Heute ist der Wall nördlich der Mitte von einem modernen Weg auf den Berg durchbrochen. Wo sich die vorgeschichtliche Toranlage befand, ist unklar. Bislang fehlt zudem jeder Hinweis auf einen gleichzeitigen Bestattungsplatz in der näheren Umgebung, was die Überlegung stützte, dass es sich bloß um einen saisonal aufgesuchten Siedlungsplatz handeln könnte.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Bearbeitung/DGM ©LfA/GeoSN 2024.

Grabung 1961

1961 fanden unter der Leitung von Werner Coblenz und Alfred Neugebauer erste archäologische Ausgrabungen im Bereich der Abschnittsbefestigung statt. Dabei wurde ein Querschnitt durch den Wall angelegt, der einen Blick in seinen Aufbau erlaubte. Dem noch 4 m hohen Wall war ein ca. 2m breiter und noch 0,5 m tiefer Sohlgraben vorgelagert. Sein Aushub wurde vermutlich zur Errichtung des Walls verwendet. Aus den Versturzmassen lässt sich eine ursprüngliche Breite von 3,2 m und eine Höhe der Befestigung von 6 m errechnen, auf die zusätzlich eine Palisadenwand aufgesetzt war.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle A. Neugebauer, Foto ©LfA 1961.

Der Wallaufbau

An der Innenseite des Walls schloss sich die 3 m breite Berme an, deren Untergrund aus Lehm mit einer Steinpflasterung bestand und offenbar ein Abrutschen der Befestigung verhindern sollte. Beide Fronten des Walls waren ursprünglich mit großen Steinquadern verkleidet. Ursprünglich wurden sie von einer Holzkonstruktion im Innern des Walls gestützt. Darauf ließen Reste vergangenen Holzes und Aussparungen zwischen den Steinquadern schließen.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz 1964, Abb. 5.

Interpretation

Dicht hinter dem Wall schloss eine Innenbesiedlung an. Die zutage gekommene Keramik, wobei es sich zu großen Teilen um Reste von Vorratsgefäßen handelte, entspricht zeitlich den Funden vom Bergplateau. Jüngere Keramik aus der späteren Lausitzer Kultur ist weder vom Wallfuß noch von der Hochfläche bekannt. Der Interpretation von Werner Coblenz folgend, könnte der Bereich am Westfuß des Berges eher der Aufnahme des Viehs in der Nacht oder bei Gefahr gedient haben. Die Wahl des Pfaffensteins als Siedlungsort verwundert insofern, dass er abseits von ackerbaulich nutzbaren Flächen liegt. Demnach war es wohl vor allem die gut zu schützende Lage des schwer zugänglichen Bergplateaus, die bei der Standortwahl eine Rolle spielte.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2007.

Die Steinerne Scheune

Unweit nordöstlich des Felsmassivs befindet sich ein weiterer Fundplatz der Lausitzer Kultur, die „Steinerne Scheune“. Dabei handelt es sich um zwei große, dachförmig gegeneinander gestellte Sandsteinplatten, die auch heute noch gerne von Wanderern als Unterschlupf genutzt wird. Ihr Name leitet sich von der tatsächlichen Nutzung als verschließbare Scheune ab, in der bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts mehrere Fahrzeuge und landwirtschaftliche Gerätschaften gelagert wurden. Hier kamen die Funde von mehreren Mahlsteinen und Mahlsteinfragmenten, Scherben und Henkeltassen, geriefte Scherben und außerdem ein bronzener Griffzungendolch gefunden, was auf eine kleine Siedlungs- oder Hofstelle im direkten Umfeld der Höhensiedlung schließen lässt.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle OA_67800-D-302/309, Kollage ©LfA 2024.

Forschungschronik

1865/1876
Erste Lesefunde vom Pfaffenstein
1895
Beim Bau einer Gaststätte auf dem Bergplateau werden Keramikfragmente, Bronzen und Mahlsteine geborgen.
1961
Archäologische Ausgrabung im Wallbereich unter der Leitung von Werner Coblenz vom Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden (heute das Landesamt für Archäologie Sachsen).
1970er-Jahre
Funde von Keramik, Mahlsteinen und Bronzen in der nahegelegenen Fundstelle „Steinerne Scheune“.
1982
Begehungen und Fundaufnahme am Pfaffenstein durch den Bodendenkmalpfleger Reinhard Spehr.
Annemarie Reck

Bildquelle Foto ©LfA 2024.

Literatur

Werner Coblenz, Der Wall am Pfaffenstein in der Sächsischen Schweiz. Varia Archaeologica, Festschrift für Wilhelm Unverzagt. Deutsche Akademie der Wissenschaften Berlin, Schriften der Sektion Vor- und Frühgeschichte 16 (Berlin 1964) 70–76.
Werner Coblenz, Die bronzezeitliche Siedlung auf dem Pfaffenstein in der Sächsischen Schweiz und ihr Sperrwall am Zugang zum Felsplateau. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege Beih. 18 (Berlin 1988) 123–155.
Ronald Heynowski, Eine Höhensiedlung am Rande der Zivilisation. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 126–127.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Ronald Heynowski/Annemarie Reck, Höhensiedlung auf dem Pfaffenstein. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (17.03.2024). https://archaeo-sn.de/ort/hoehensiedlung-auf-dem-pfaffenstein/ (Stand: 24.05.2024)

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