Logo Archaeo | 3D
Die Grabhügel
Innenaufbau
Raubgrabung 1932
Gefäße aus Grab 4
Spätere Besiedlung und Rezeption

Hussitengräber

Ort: Diera (Diera-Zehren, Meißen)
Typ: Hügelgrab/Hügelgräberfeld
Datierung: Jüngere Bronzezeit | Lausitzer Kultur | 1350 - 780 v. Chr.

Beschreibung

Die Hussitengräber im Golkwald liegen am nördlichen Rand der Gemarkung von Diera. Dabei handelt es sich um ein Gräberfeld der Bronzezeit mit insgesamt 15 flachen Hügelgräbern. Erbaut wurden sie während der Lausitzer Kultur. Funde von Siedlungskeramik sowie Gruben mit Hüttenlehm und Holzkohleresten deuten zudem auf eine Siedlung südlich des Gräberfeldes hin. Neben Keramik der bronzezeitlichen Lausitzer Kultur, wurden auch einige Funde der frühen Vorrömischen Eisenzeit (Billendorfer Kultur), der Römischen Kaiserzeit, des Früh- und des Hochmittelalters geborgen. Im Jahr 1829 führte Karl Preusker eine erste Ausgrabung an einem der Hügel durch und veröffentlichte seine dabei gewonnenen Erkenntnisse 1844 in einer Abhandlung. Ab den 1930er-Jahren bemühte sich vor allem der Dieraer Lehrer Kurt Schöne um die Erforschung und den Schutz des Hügelgräberfeldes. Sein Forschungsbericht bildet den Abschluss seiner intensiven Auseinandersetzung mit den Hussitengräbern.

Annemarie Reck

Die Grabhügel

Kurt Schöne zeichnete auf dem Plan in seinem Forschungsbericht von 1948 insgesamt 15 Grabhügel ein. Nicht alle davon sind heutzutage im digitalen Geländemodell erkennbar. Ihre tatsächliche Anzahl ist darum nicht ganz geklärt. Die Grabhügel verteilen sich über eine Fläche von insgesamt 2 ha. Durch ihre flachen Kuppen sind sie selbst bei lichtem Bewuchs im Gelände nur schwer auszumachen. Das Bild von Grabhügel 1 (Mitte) zeigt wie schwach sich die Hügelgräber im Wald zwischen den Dünen abzeichnen.

Annemarie Reck

Bildquelle K. Schöne, Foto ©LfA 1934.

Innenaufbau

Bereits 1829 stellte Karl Preusker, der Vater der sächsischen Archäologie, bei einer ersten Ausgrabung am Fundort fest, dass die Grabhügel von einem Steinkranz umgeben sind. In ihrer Mitte lag ein pflasterartiges Bett von Granitsteinen, auf dem Gefäße und Urnen mit Leichenbrand abgelegt waren. Für die Ausstellung „Heimatkultur der Vorzeit“ 1935 in Diera ließ Kurt Schöne von den Schulkindern ein stilisiertes Modell des Inneren eines der Grabhügel anfertigen.

Annemarie Reck

Bildquelle K. Schöne, Foto ©LfA 1935.

Raubgrabung 1932

Zu Beginn der 1930er Jahre wurden einige der Grabhügel bei Waldarbeiten beschädigt. Ein weiterer, Grabhügel 4 (Bild), fiel der Raubgrabung eines neugierigen Landarbeiters zum Opfer. Kurt Schöne erfuhr von einem Schüler davon und führte Nachuntersuchungen durch. Dabei gelang es ihm Preuskers Beobachtungen über den Aufbau der Grabhügel weitgehend zu bestätigen.

Annemarie Reck

Bildquelle K. Schöne, Foto ©LfA 1932.

Gefäße aus Grab 4

Die Gefäße aus dem beraubten Grabhügel 4 ließen sich der Lausitzer Kultur zuordnen, die während der jüngeren Bronzezeit in Teilen Sachsens und über die Landesgrenzen hinaus verbreitet war. Typisch sind Gefäße mit sogenannten Hofbuckeln (oben links), scharfkantig profilierte Gefäße und gerillte oder waagerecht geriefte Ware.

Annemarie Reck

Bildquelle K. Schöne 1948, 356.

Spätere Besiedlung und Rezeption

Südlich des Gräberfeldes stieß Schöne auf Gruben mit Hüttenlehm und Siedlungskeramik. Er glaubte, dass es sich dabei um den Ort „Choza“ handeln könnte, der 1429 während der Hussitenkriege zerstört worden war. Außerdem nahm er aufgrund von Lesefunden aus anderen Zeiten an, dass der Ort seit der Bronzezeit durchgängig besiedelt war. Beides lässt sich jedoch nicht gesichert nachweisen. Im Volksmund werden die „Hussitengräber“ auch als „Hunnen-“ oder „Heidengräber“ bezeichnet. In der Gegend scheint man sich der alten Grabbauten im Golkwald also wohl bewusst gewesen zu sein. Ihr wahres Alter aber war lange Zeit unbekannt, weshalb die Menschen sie mit einem viel jüngeren Ereignis, den Hunneneinfällen im Frühmittelalter oder Hussitenkriegen im Spätmittelalter verknüpften.

Annemarie Reck

Bildquelle Foto ©LfA 1937.

Literatur

Karl B. Preusker, Blicke in die vaterländische Vorzeit, Sitten, Sagen, Bauwerke und Geräthe, zur Erläuterung des öffentlichen und häuslichen Volkslebens im heidnischen Alterthume und christlichen Mittelalter der sächsischen und angrenzenden Lande (Leipzig 1841).
Kurt Schöne, Die Hussitengräber auf der Gose unweit Diera (Kreis Meißen). Ein Forschungsbericht über ein bronzezeitliches Hügelgräberfeld mit 3 Karten und 8 Bildtafeln (ungedr. Bericht OA LfA Sachsen).
Kurt Schöne, Die Heidengräber im Golkwalde. Meissner Heimat 8, 1959, 19–21.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Annemarie Reck, Hussitengräber. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (01.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/hussitengraeber/ (Stand: 24.05.2024)

Creativ Common Lizenz Logo CC BY-NC 4.0