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Erste Funde im 19. Jahrhundert
Grabung 1951
Datierung des Fundmaterials
Der Wall im Hausgrund

Jüngstbronzezeitliche Befestigung auf dem Oybin

Ort: Oybin (Oybin, Görlitz)
Typ: Befestigte Anlage
Datierung: Jüngstbronzezeit | Lausitzer Kultur |Stufe der waagerecht gerieften Keramik | 950 - 750 v. Chr.

Beschreibung

Auf einem imposanten Sandsteinfelsen nördlich des Kurortes Oybin thronen noch heute die Ruinen einer mittelalterlichen Burg- und Klosteranlage. Ihre eindrucksvolle Erscheinung inspirierte zahlreiche Künstler der dem Mittelalter zugewandten Strömung der Romantik, wie etwa Caspar David Friedrich (1774–1840) oder Carl Gustav Carus (1789–1869), zu bekannten Kunstwerken. Unter den heute noch sichtbaren Anlagen verbergen sich Funde und Strukturen einer jüngstbronzezeitlichen Befestigungsanlage. Sie bestand scheinbar nur wenige Jahrzehnte. Erst über 1500 Jahre später wurde der Berg wieder besiedelt. Seine Hochphase erlebte der Oybin ab Mitte des 14. Jahrhunderts, als Kaiser Karl IV. (1316–1378) die dortige Burg zu einer kaiserlichen Residenz ausbauen ließ und ein Cölestinerkloster stiftete. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster bereits 1556 wieder aufgelöst und in der Folgezeit durch einen Brand und einen Felssturz zerstört.

Annemarie Reck

Erste Funde im 19. Jahrhundert

Versteckt unter den Ruinen der mittelalterlichen Burg- und Klosteranlage finden sich die Reste einer befestigten Siedlung der jüngeren Lausitzer Kultur. Der vorgeschichtliche Zugang befand sich an der Nordseite des Berges, im Hausgrund, und war mit einem Wall abgeriegelt. Bereits Karl Benjamin Preusker schenkte dem Berg Beachtung und deutete ihn als Opferplatz. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Bereich der Abhänge und des Platzes vor der Klosterkirche aber tatsächlich auch vorgeschichtliche Funde entdeckt. Bei den Erdarbeiten zur Errichtung eines Denkmals zu Ehren des Zittauer Theologen und Historikers Christian Adolf Pescheck im Jahre 1861 wurden zudem mehrere steinerne Bronzegussformen für ein Tüllenbeil, Ringe und Pfeilspitzen gefunden.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz 1988, 153.

Grabung 1951

Durch die Funde unterhalb des Plateaus stellte sich die Frage, ob auch am Fuße des Berges mit Siedlungsspuren oder vielleicht Resten einer Bronzegießerwerkstatt zu rechnen ist. Ausgrabungen im Jahr 1951 durch das damalige Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden (heute LfA Sachsen) im Bereich Denkmalplatz-Ritterschlucht zeigten, dass das gesamte vorgeschichtliche Fundmaterial in Schwemmschichten unter dem Bergplateau lagerte und wohl bei Regengüssen herabgespült oder möglicherweise herabgeworfen worden war. Werner Coblenz bemerkte, dass die fundführenden Schichten mit Abstand zum aufsteigenden Felsen immer weiter ausdünnten und sich deutlich weniger Holzkohle und Scherben darin befanden. Auch gäbe es keine eindeutigen Spuren einer vorgeschichtlichen Wohnbebauung wie Herde, Pfostenlöcher oder Siedlungsgruben. Hingegen konnten in dem Areal Gebäudereste, etwa von Ställen oder Scheunen, mit mittelalterlichem Inventar festgestellt werden.

Annemarie Reck

Bildquelle W. Coblenz 1988, 152.

Datierung des Fundmaterials

Die eigentliche vorgeschichtliche Siedlung befand sich wohl ausschließlich auf dem Bergplateau. Das sehr reiche Fundmaterial vom Berg deckt sich mit den Funden vom Bergfuß und lässt sich kulturell der jüngsten Phase der Lausitzer Kultur zuweisen. Späte Zonenbuckel, Doppelkoni, horizontalgeriefte Ware, Teller, Spielscherben, Spinnwirtel, durchbohrte Wetzsteinreste oder schlickgeraute Vorratsgefäße zeigen eindeutig die typischen Formen und Zierweisen der ausgehenden Bronze- und beginnenden Eisenzeit. Das wenige Material, das im Jahr 1967 bei einer Sondage des Walls im Hausgrund zutage trat, entspricht ebenfalls dieser Zeitstellung.

Annemarie Reck

Bildquelle J. Wojnicz, Foto Altfunde 1951 ©LfA 2014. J. Wojnicz, Foto Altfunde 1951 ©LfA 2014.

Der Wall im Hausgrund

Der Sperrwall ist trotz zahlreicher Störungen noch heute erkennbar. Er besitzt eine Länge von 50 m und schließt an steilen Felswänden ab. Mit eingerechnetem Versturz geht Coblenz von einer ursprünglichen Höhe der Mauer von bis zu 4 m aus, bei einer Breite von bis zu 6 m. Der Wall ist noch ca. 3 m hoch erhalten. An seiner Innenseite fielen vor allem die besonders großen Steinblöcke von bis zu 150 kg auf, die übereinandergesetzt waren. Die Wallfüllung bestand aus kleineren Geröllen und Holzkohleschichten, die auf Balken hindeuten, ähnlich dem Wallaufbau am Eisenberg im Vogtland. Coblenz geht davon aus, dass die befestige Siedlung auf dem Oybin von überdurchschnittlicher Bedeutung war und während einer intensiven Nutzung des Durchgangsweges zwischen dem Zittauer Gebiet und Nordböhmen angelegt worden war. Dahinter können sowohl wirtschaftliche als auch strategische Gründe gestanden haben.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2016.

Literatur

Stefanie Bilz, Burg und Kloster auf dem Oybin. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 134–135.
Werner Coblenz, Die bronzezeitliche Höhensiedlung auf dem Oybin mit Zugangssperre. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 27/28, 1984, 93–123.
Werner Coblenz, Die Höhensiedlung auf dem Berg Oybin mit Zugangssperre im Hausgrund. In: Heinz-Joachim Vogt (Hrsg.), Archäologische Feldforschungen in Sachsen. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 18 (Berlin 1988) 152–155.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Annemarie Reck, Jüngstbronzezeitliche Befestigung auf dem Oybin. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (08.03.2024). https://archaeo-sn.de/ort/juengstbronzezeitliche-befestigung-auf-dem-oybin/ (Stand: 24.05.2024)

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