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Die nördliche Fundstelle
Ein Hausbefund
Die südliche Fundstelle

Jungsteinzeitliche Siedlungen bei Dobernitz

Ort: Dobernitz (Stauchitz, Meißen)
Typ: Siedlungsspuren
Datierung: Frühneolithikum | Bandkeramik | 5000 - 4500 v. Chr.

Beschreibung

Südöstlich des Ortes Dobernitz wurden im Jahr 1992 während einer Befliegung durch den Luftbildarchäologen Otto Braasch die Reste einer jungsteinzeitlichen Siedlung entdeckt. Anhand der aus der Luft erkennbaren Strukturen wie einstige Pfostengruben oder Wandgräbchen könnten die Gebäudereste entsprechend ihrer Bauweise der frühjungsteinzeitlichen Linearbandkeramischen Kultur und der darauffolgenden Stichbandkeramischen Kultur zugewiesen werden. Zudem liegt eine weitere Siedlungsstelle mit Funden der Linearbandkeramik nur ca. 550 m weiter südlich. Oberflächenfunde sind bislang nur von letztgenannter Fundstelle bekannt.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Die nördliche Fundstelle

Der Fundort liegt knapp nördlich der Lösslehmstufe auf der kiesig-lehmigen, von Sandlösen und parabraunerden bedeckten Mehltheuer-Stauchitzer-Platte. Vorzugsweise siedelten die ersten Ackerbau und Viehzucht betreibenden Kulturen der Jungsteinzeit eigenlich auf Lösslehm. Das Gelände fällt nach Südwesten zum etwa 200 m entfernten Angerbach hin leicht ab. Auf einer Fläche von 100 x 130 m finden sich hier gleichmäßig verteilt die Spuren von bis zu sechs Gebäuden. Ihre Bauweise zeichnet sie als Häuser der späten Linearbandkeramik und der Stichbandkeramik aus. Von vergleichbaren Fundstellen weiß man, dass die Häuser sehr wahrscheinlich nicht gleichzeitig bestanden. Vielmehr ist mit ein bis zwei zeitgleichen Hofstellen zu rechnen. Wurde ein Gebäude baufällig und das Holz morsch, wurde mit einem neuen Bau begonnen. In der Wissenschaft geht man derzeit von einer Nutzungsdauer von durchschnittlich 25 Jahren aus, bevor in der näheren Umgebung ein neues Langhaus errichtet wurde.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle P. de Vries, Foto ©LfA 2018.

Ein Hausbefund

Ein sehr gut erkennbares Gebäude zeigt einen Grundriss von etwa 28 m. Der Eingang befand sich wahrscheinlich an einer der Längsseiten. Mittig im Haus standen dreifache Pfostenreihen. Der Abstand der Pfosten zueinander betrug zwischen von 5 m bis 6 m. Von den ursprünglichen fünf Reihen sind im Luftbild jedoch nur drei deutlich sichtbar. Der Abstand der einzelnen Pfosten einer Reihe beträgt etwa 2 m. Im Nordwesten misst das Gebäude bis zu 6 m Breite und wächst mittig auf bis zu 7 m Breite an, sodass sich eine leicht bauchige Form der Längsseiten ergibt. An der nordwestlichen Kopfseite zeichnet sich u-förmig ein Wandgräbchen ab, das an diesem Ende mutmaßlich mit Palisadenwänden verstärkt war. Die schwächer erkennbaren Wandgräbchen, welche die Pfostenreihen an den Längsseiten umrahmten, bestanden vermutlich aus Flechtwerk und Lehm. Parallel zu den Wänden sind zum Teil unförmigere Gruben sichtbar, aus denen der Lehm entnommen wurde. Zahlreiche weitere Gruben zeugen von einer regen Siedlungstätigkeit vor Ort. Lesefunde von dieser Stelle sind bislang jedoch nicht bekannt.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2018.

Die südliche Fundstelle

Anders verhält sich das mit einer etwa 350 m südlich des Angerbaches an der Gemarkungsgrenze zu Gleina gelegenen Fundstelle der frühen Jungsteinzeit. Von hier stammen mehrere Keramikfunde, ein Reibsteinfragment und Hüttenlehmbrocken, die wahrscheinlich durch das Auspflügen einer Siedlungsgrube an die Oberfläche gelangt sind. Die Keramik entspricht den typischen Formen der Linearbandkeramik. Vor allem der Hüttenlehm und das Reibsteinfragment deuten eine weitere Siedlung an. Im Luftbild sind hier allerdings nur schwach einzelne Gruben zu erkennen, was vielleicht an unterschiedlich starker Erosion liegen könnte.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle L. Gaiser, Plan ©LfA 2016.

Literatur

Ronald Heynowski, Ein Dorf aus der Steinzeit. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 42–43.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Ronald Heynowski/Annemarie Reck, Jungsteinzeitliche Siedlungen bei Dobernitz. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (11.04.2024). https://archaeo-sn.de/ort/jungsteinzeitliche-siedlungen-bei-dobernitz/ (Stand: 24.05.2024)

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