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Vor der Gründung
Stiftung des Klosters
Das Cölestinerkloster
Das 16. Jahrhundert
Der Niedergang des Kloster
Klosterkirche und Wenzelskapelle

Kloster Oybin

Ort: Oybin (Oybin, Görlitz)
Typ: Klosteranlage
Datierung: Spätmittelalter | Neuzeit | 1250 – 1577 n. Chr.

Beschreibung

Auf einem imposanten Sandsteinfelsen nördlich des Kurortes Oybin thronen noch heute die Ruinen einer mittelalterlichen Burg- und Klosteranlage. Ihre eindrucksvolle Erscheinung inspirierte zahlreiche Künstler der dem Mittelalter zugewandten Strömung der Romantik, wie etwa Caspar David Friedrich (1774–1840) oder Carl Gustav Carus (1789–1869), zu bekannten Kunstwerken. Hinter der heute noch eindrucksvollen Kulisse verbergen sich aber mehrere Hundert Jahre Geschichte. Seine Hochphase erlebte der Oybin ab Mitte des 14. Jahrhunderts, als Kaiser Karl IV. (1316–1378) die dortige Burg zu einer kaiserlichen Residenz ausbauen ließ und ein Cölestinerkloster stiftete. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster bereits 1556 wieder aufgelöst und in der Folgezeit durch einen Brand und einen Felssturz zerstört.

Annemarie Reck

Vor der Gründung

Im 13. Jahrhundert nahmen die Herren von Zittau aus dem böhmischen Adelsgeschlecht Hronowice das Zittauer Land und damit auch den Oybin in Besitz. Im Jahre 1290 wird in den mittelalterlichen Schriftquellen erstmals ein Ztenko von Moibin genannt. Eine erste Befestigung wurde vermutlich bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts vorgenommen, ein halbes Jahrhundert später wurde die Anlage zunächst erweitert und später unter Heinrich von Leipa zur Burg ausgebaut. Die „Leipaburg“, auf dem südwestlichen Bergsporn gelegen, fiel im Jahr 1346 wieder zurück an die böhmische Krone. Unter Kaiser Karl IV. wurde die vormalige „Raubburg“ Oybin schließlich zu einer repräsentativen Anlage umgestaltet.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2009.

Stiftung des Klosters

Karl IV. war der Sohn von Johann von Böhmen aus dem Hause Luxemburg. Er wurde am 11. Juli 1346 von den Kurfürsten des Reiches als Gegenkönig zu Ludwig dem Bayer gewählt. Im Folgejahr wurde er König von Böhmen und bald nach Ludwigs Tod auch Römisch-deutscher Kaiser. 1364 gab er den Bau des Kaiserhauses auf dem Oybin in Auftrag, das ihm wohl als ein Altersitz dienen sollte. Außerdem war es der Wunsch des für seine Frömmigkeit bekannten Herrschers ein Kloster zu gründen. Im Oybin fand er einen passenden Standort, wo sich Geistliche in der Abgeschiedenheit des Zittauer Gebirges dem Gebet widmen konnten. Hierfür ließ er 1366 Cölestinermönche aus Avignon auf dem Berg ansiedeln. Der Orden wurde 1244 von Pietro da Morrone (ca. 1210–1296), dem späteren Papst Coelestin V., gegründet und wurde als ein Unterorden den Benediktinern unterstellt. Im Mittelpunkt ihres Klosterlebens sollten Demut, strenge Armut und Buße stehen.

Annemarie Reck

Bildquelle J. Lipták, Foto ©LfA 2001.

Das Cölestinerkloster

Infolge der Ankunft der Mönche stiftete der Kaiser 1369 das Cölestinerkloster zu Ehren der hl. Maria, des hl. Wenzel und des Petrus Confessor. Es unterstand dem Kloster Sulmona in Italien, dem ursprünglichen Wirkungsort des Ordensgründers und späteren Papst Coelestin V. Die Weihe der Klosterkirche erfolgte nach deren Fertigstellung im Jahr 1384 durch den Prager Erzbischof Johann von Jenstein. Die nicht von den Mönchen genutzten Bereiche, wie das Amtshaus und der Wohnturm, unterstanden weiterhin der böhmischen Krone. Der Oybin musste also gleichsam religiösen als auch militärischen Ansprüchen genügen, was sich bald auszahlen sollte. Während der Hussitenkriege hielten Burg und Kloster 1429 einem Sturmangriff erfolgreich stand. Es wird vermutet, dass der Prager Domschatz zu dieser Zeit aus Furcht vor Plünderungen auf den Oybin versteckt worden sein könnte. Die legendäre Schatzkammer von Karl IV. befand sich angeblich in einem Gewölbe unter der Sakristei.

Annemarie Reck

Bildquelle J. Liptàk, Foto ©LfA 2000.

Das 16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert wurden von den Mönchen mehrere Umbaumaßnahmen in Auftrag gegeben: So wurde im Kaiserhaus ein Kachelofen errichtet und neue Fenstergewände bestellt, die zwischen dem Bahrhaus und dem Kreuzgang eingebaut wurden. Weiterhin wurde die Ausmeißelung des Umgangs um den Felsstock im Süden der Klosterkirche veranlasst. Was die Mönche zu diesem gewaltigen Vorhaben bewegte, ist ungeklärt. Durch den engen Schacht gelangt man heute an eine als „Jungfernsprung“ bekannte Stelle. Der Legende nach hat sich dort im 16. Jahrhundert die junge Marie Scholz in die Tiefe gestürzt, als sie ein liebestoller Mönch verfolgte. Dank ihres Reifrockes sei sie aber abgebremst in die Zisterne des Badehauses gesegelt und unbeschadet geblieben, wonach sie selbst in ein Kloster eingetreten sein soll.

Annemarie Reck

Bildquelle S. Krabath, Foto ©LfA 2015.

Der Niedergang des Kloster

Nicht lange nach Abschluss der Umbaumaßnahmen treffen auch das Kloster auf dem Oybin die Folgen der Reformation. Nach dem Tod des letzten Priors des Konventes im Jahr 1555 lösten die Jesuiten das Kloster im Folgejahr auf. Die Bibliothek und wertvolles Inventar wurden nach Prag gebracht. 1974 wurden das Kloster, die Burg und dazugehörigen Ländereien von der Stadt Zittau erworben. Nur drei Jahre später wurde das Kloster von einem Brand verheert. Ein Felssturz im Jahr 1681 tat sein Übriges zur Zerstörung des Klosters. Bis zur Wiederentdeckung in der Romantik geriet die Anlage auf dem Oybin in Vergessenheit. Der männliche Zweig des Cölestinerordens wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Der im nördlichen Teil gelegene Bergfriedhof wird noch heute für Beerdigungen genutzt.

Annemarie Reck

Bildquelle Postkarte 19. Jahrhundert ©LfA 2003.

Klosterkirche und Wenzelskapelle

Den vielleicht beeindruckendsten Anblick bieten die gewaltigen Ruinen der Klosterkirche, des Kreuzganges und der Wenzelskapelle. Die Klosterkirche ist einschiffig und im Baustil der Gotik errichtet. Ihre Bauzeit betrug 15 Jahre. Zentral in der Kirche hat sich noch der spitze Triumphbogen erhalten, der stark an den Prager Dom erinnert. Tatsächlich wurde der Bau unter der Beteiligung der Prager Bauhütte und Peter Parler vollführt, der seinerzeit zu den führenden Bildhauern und Architekten im Heiligen Römischen Reich gehörte. Die südliche Wand der Kirche wurde mit großem Arbeitsaufwand direkt aus dem Felsen herausgemeißelt. An der Außenseite befindet sich noch ein Schmuckfries, das dem Fries der Wenzelskapelle des Prager Veitsdomes gleicht. An die Nordseite der Klosterkirche schmiegt sich der Kreuzgang zwischen die Kirchenmauer und den steilen Abgrund. Sein eindrucksvolles Gemäuer bietet vor allem vom Bergfriedhof gesehen noch immer einen imposanten Anblick. Die Chorpartie der Klosterkirche besticht durch die drei hohen spitzbogigen Fenster, die zahlreichen namhaften Künstlern der Romantik als Motiv dienten. So auch Caspar David Friedrich (1774–1840), der um 1812 das Bild "Klosterruine Oybin" zeichnete, das heute in der Hamburger Kunsthalle zu sehen ist.

Annemarie Reck

Bildquelle C. Irrgang, Foto ©Privatsammlung in der Hamburger Kunsthalle 2024.

Literatur

Stefanie Bilz, Burg und Kloster auf dem Oybin. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 134–135.
Jana E. Fries, Ausgrabungen in der mittelalterlichen Burg und Klosterruine Oybin. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 44, 2002, 179–190.
Richard Němec, Architektur — Herrschaft — Land. Die Residenzen Karls IV. in Prag und den Ländern der Böhmischen Krone. Studien zur internationalen Architektur- u. Kunstgeschichte 125 (Petersberg 2015).
Gunter Oettel, Der Oybin — Burg, Kloster, Ruine (Teil 1). Zittauer Geschichtsblätter 3/4, 1996, 1–10.
Joanna Wojnicz, Burg- und Klosteranlage Oybin. Archaeonaut 1 (Dresden 2002).

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Annemarie Reck, Kloster Oybin. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (06.03.2024). https://archaeo-sn.de/ort/kloster-oybin/ (Stand: 24.05.2024)

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