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Lage der Fundstellen
Fundstelle 14
Der Grabbefund
Fundstelle 2 (Grab 1 und Grab 2)
Fundstelle 2 (Grab 3 und Grab 4)
Steingeräte Fundstelle 14
Steingeräte Fundstelle 2
Gräber ohne Knochen?

Mesolithische Gräber bei Schöpfsdorf

Ort: Schöpsdorf (Boxberg, Görlitz)
Typ: Brand- und Körpergräber mit unbekanntem Grabbau
Datierung: Mesolithische Gruppen | 6200 - 5500 v. Chr.

Beschreibung

Südlich des 1981 vom Braunkohlentagebau Bärwalde vollständig devastierten Ortes Schöpsdorf fanden 1984 im Vorfeld weiterer Abbaggerungen archäologische Prospektionen statt. Bei den Erkundungen kamen Lesefunde des Spätneolithikums, der Bronzezeit und des Hochmittelalters zutage. Am bemerkenswertesten war jedoch die Entdeckung von bis zu fünf Gräbern aus der Mittelsteinzeit, dem Mesolithikum, die sich durch die starke Verwendung von Rötel auszeichneten. Sie zeigen Ähnlichkeiten zu einem nur 20 km entfernt gelegenen mittelsteinzeitlichen Grab bei Nadelwitz, OT. Bautzen, auf.

Annemarie Reck

Lage der Fundstellen

Die beiden Fundstellen liegen im flachwelligen Lausitzer Urstromtal, auf einer von West nach Ost auf die Spree ausgreifenden Dünenzunge. Fundstelle 14 reicht spornartig bis an den ehemaligen Lauf der Spree heran und überragt das Gelände an dieser Stelle um 4 m. Die umliegenden Niederungen waren regelmäßigen Überschwemmungen ausgesetzt. Die Düne steigt nach Westen hin an. Im Bereich einer etwa 8 m hohen Dünenkuppe, 300 m westlich, lag Fundstelle 2. Im Tagebauprofil konnte in 2,30 m Tiefe ein begrabener, holzkohlehaltiger Humusboden erfasst werden, der ein 14C-Alter von 6260±70 v. Chr. ergab. Die in die darüber gelegene Sanddüne eingetieften Gräber müssen demnach jünger sein und aus dem ausgehenden Mesolithikum zwischen 6200 und 5500 v. Chr. stammen.

Annemarie Reck

Bildquelle K.-P. Wechler 1989, 41, Abb. 2.

Fundstelle 14

Das stark mit Rötel durchsetzte, einzelne Grab von Fundstelle 14 wurde von dem Denkmalpfleger Heinz Trost infolge erster Planierungsarbeiten entdeckt, die der Abbaggerung des Geländes vorausgingen. Er sicherte den Befund, der sich bereits in den oberen Bereichen mit leichten Rötelverfärbungen und Tierleichenbrand abzeichnete. Kurz darauf wurde durch den Bezirksbodendenkmalpfleger Günter Wetzel eine zweiwöchige Ausgrabung der Grabgrube und der angrenzenden Fläche eingeleitet.

Annemarie Reck

Bildquelle K.-P. Wechler 1989, 44, Abb. 5.

Der Grabbefund

Die Grabgrube war in Ost-West-Richtung orientiert und besaß eine flache Sohle. Die eigentliche Grabfüllung von grauem Sand wurde erst unter einer dicken Schicht aus Tierleichenbrand angetroffen. Der Sandverfärbte sich durch eingestreute Rötelpartikel bei zunehmender Tiefe intensiv rot. Darunter kam eine dünne Streuung Leichenbrand zutage. Im Westteil der Grube konnten mehrere Teile unverbrannter, doch schlecht erhaltener Zähne geborgen werden. Weitere Knochenreste hatten sich im Boden nicht erhalten.

Annemarie Reck

Bildquelle K.-P. Wechler, Foto ©Museum für Ur- und Frühgeschichte Potsdam/LfA 1989).

Fundstelle 2 (Grab 1 und Grab 2)

Knapp einen Monat später wurde erneut von H. Trost im Profil der Tagebaukante ein weiteres Rötelgrab entdeckt. Grab 1 von Fundstelle 2 war noch in einer Länge von 0,86 m bei 0,46 m Breite erhalten. Der Rötel trat hier ab einer Tiefe von 1,14 m auf und wurde im weiteren Verlauf, vor allem aber im Osten des Grabes, sehr intensiv. In diesem Bereich fanden sich, wie in dem Grab von Fundstelle 14 unverbrannte Zahnreste. Im Westen konnte stellenweise Leichenbrand festgestellt werden. Ansonsten gab es auch hier keine Knochenerhaltung.

Annemarie Reck

Bildquelle K.-P. Wechler 1989, 43.

Fundstelle 2 (Grab 3 und Grab 4)

Grab 3 (Bild) war nach der Planierung nur noch 0,11 m tief erhalten Im Ostteil der Grube war der Rötelanteil besonders hoch. Die Grube von Grab 4 besaß eine rechteckige Form mit abgerundeten Ecken. Die Grube wurde erst ca. 1,25 m unter der Geländeoberkante sichtbar und war nur noch 0,16 m tief erhalten. Im nordwestlichen Teil über der Sohle war die Rötelkonzentration am stärksten.

Annemarie Reck

Bildquelle K.-P. Wechler 1989, Taf. 1,2.

Steingeräte Fundstelle 14

Im Umfeld des Grabes von Fundstelle 14 kamen weitere kleinere Gruben und Mulden zutage, die zum Teil Kerbreste, mikrolithische Spitzen und Dreiecke enthielten. Diese Formen sind in der Mittelsteinzeit typisch bei Feuersteingeräten. Von Fundstelle 14 stammen insgesamt 31 Steinartefakte, dabei handelt es sich bei 29 um Feuersteinartefakte und bei zweien um Felsgestein. In zwei Gruben an Fundstelle 14 kamen zudem Keramikreste jüngeren Datums zutage.

Annemarie Reck

Bildquelle K.-P. Wechler 1989, 48, Abb. 8.

Steingeräte Fundstelle 2

Im Bereich von Fundstelle 2 wurden bereits im Vorfeld der Entdeckung weiterer Gräber obertägig Mikrolithe aufgelesen, die weitere mittelsteinzeitliche Befunde vermuten ließen. Während der noch erhaltene Grubenrest von Grab 1 fundleer war, kamen in Grab 2 insgesamt 21 Feuersteinartefakte zutage, vier weitere stammen aus Grab 3 und fünf aus Grab 4. Darunter sind auffällig viele Klingen mit Schrägretusche. Sie wurden fast alle in den unteren Bereichen der Grabfüllungen angetroffen und sind alle unverbrannt. Ihre Verteilung schien regellos.

Annemarie Reck

Bildquelle K.-P. Wechler 1989, 49, Abb. 9.

Gräber ohne Knochen?

Die in zweien der Grabgruben aufgefundenen Zahnreste deuten darauf hin, dass es sich wirklich um Gräber handelt. Sedimentproben aus vier der fünf untersuchten Gräber zeigen in den Gruben einen im Vergleich zur Umgebung deutlich erhöhten Phosphatgehalt. Das belegt die Interpretation, dass die Körper der Bestatteten im kalkarmen Sandboden lediglich vollständig vergangen sind. Die starke Verwendung von Rötel in mittelsteinzeitlichen Gräbern ist inzwischen von zahlreichen Fundorten bekannt. Von den dänischen Gräberfeldern Vedbæk und Skateholm ist aber auch die große Vielfalt mittelsteinzeitlicher Gräber bekannt: so kommen neben länglichen Gräbern für liegende Bestattungen, gleichzeitig auch hockende Bestattungen in kürzeren oder rundlichen Gräbern vor. Ebenso ist von dort die Beisetzung von menschlichem Leichenbrand belegt. Es ist denkbar, dass Alter, Geschlecht oder Status bei der Bestattungsart eine Rolle spielten.

Annemarie Reck

Bildquelle K.-P. Wechler 1989, Taf. 1,5.

Literatur

Klaus-Peter Wechler, Steinzeitliche Rötelgräber von Schöpsdorf, Kr. Hoyerswerda. Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam 23, 1989, 41–54.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Annemarie Reck, Mesolithische Gräber bei Schöpfsdorf. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (19.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/mesolithische-graeber-bei-schoepfsdorf/ (Stand: 24.05.2024)

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