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Aufbau einer Lünette
Verteidigungsanlagen der Schanze

Schanze Hohnstein

Ort: Hohnstein (Hohnstein, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
Typ: Militärische Schanze
Datierung: Neuzeit | 19. Jh. | 1813 n. Chr.

Beschreibung

Auf einer Hochfläche südöstlich von Hohnstein befinden sich die Überreste einer Schanze aus der Zeit der napoleonischen Befreiungskriege. Im Völkerschlachtjahr 1813 bewegten sich im Grenzgebiet von Sachsen und Böhmen gewaltige Truppenmassen. Damals rückten von Nordböhmen kommend die preußisch-russischen und österreichischen Verbände auf Dresden vor, wo der französische Kaiser sein Hauptquartier genommen hatte. Im Spätsommer und Herbst desselben Jahres kam es zwischen Pirna und Dresden zu schweren Gefechten. Bereits im Vorfeld dieser Auseinandersetzungen befahlen die französischen Soldaten im Sommer 1813 die Errichtung der Verteidigungsanlage auf der 392 m hohen Bergkuppe bei Hohnstein. Die noch gut erhaltene Anlage liegt heute in einem kleinen Waldstück. In Karten wird sie oft als „Napoleonschanze“ bezeichnet.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Aufbau einer Lünette

Im Sommer 1813 erhielten 700 Arbeiter aus Hohnstein die Anweisung auf der südöstlich des Ortes gelegenen Felskuppe eine Verteidigungsanlage zu errichten. Diese sollte für die französischen Soldaten als halbmondförmige „Lünette“ angelegt werden. Dafür wurden ein etwa 30 m und ein etwa 70 m langer Wall aufgeschüttet, die in einem stumpfen Winkel aufeinandertrafen und an ihren Flanken jeweils verlängert waren. Heute sind die Wälle noch ca. 2 m hoch erhalten. Das Erdmaterial dafür stammte aus einem dem Wall vorgelagerten Graben von 10 m bis 12 m Breite und einer Tiefe von ca. 1,5 m.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2020.

Verteidigungsanlagen der Schanze

In den Wallecken wurden zusätzliche Aufschüttungen für Geschütze vorgenommen, die dort über Rampen auf den Wall hochgeschoben werden konnten. Ihre Stellungen waren nach Süden und Osten gerichtet, von wo aus die gegnerischen Truppen erwartet wurden. Die rückwärtige westliche Seite hingegen war deutlich schwächer befestigt. Hier war das Schanzwerk wahrscheinlich bloß durch eine Holzpalisade geschützt. Im Westteil der Innenfläche befindet sich außerdem eine annähernd kreuzförmige Eintiefung von ca. 1,5 m. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um einen gezimmerten Unterstand mit Schießscharten. Später wurde nur im Südwesten der Wall teilweise abgetragen, ansonsten verzichteten die alliierten Truppen auf des übliche Schleifen der französischen Verteidigungsanlage. Da die Felskuppe heute nicht landwirtschaftlich genutzt wird, hat sich dieses Zeugnis der Befreiungskriege erhalten können.

Michael Strobel/Annemarie Reck

Bildquelle OA 75130, 312, DGM ©LfA 2017.

Literatur

Klaus Kroitzsch, Napoleonschanzen und Kanonenkugeln. Erinnerungsstätten und Zeugnisse des Befreiungskrieges 1813 in der Gegend um Pirna. Schriftenreihe des Stadtmuseums Pirna 6 (Pirna 1987).
Klaus Kroitzsch, Als Napoleon in Sachsen war … Schanzwerk bei Hohnstein, Lkr. Sebnitz. Archäologie aktuell 1, 1993, 57–58.
Michael Strobel, Ein Schanzwerk aus dem Völkerschlachtjahr. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 98–99.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Michael Strobel/Annemarie Reck, Schanze Hohnstein. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (22.02.2024). https://archaeo-sn.de/ort/neuzeitliches-schanzwerk/ (Stand: 24.05.2024)

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