Logo Archaeo | 3D
Der Befund
Turmburg ohne Hügel?
Königsgräber an der Neiße?

Niederungsburg bei Werdeck

Ort: Klein Priebus Werdeck Flur 1 (Krauschwitz, Görlitz)
Typ: kreisförmige Struktur
Datierung: Hochmittelalter | Spätmittelalter | 1100 - 1400 n. Chr.

Beschreibung

An der Grenze des Truppenübungsplatzes Oberlausitz, direkt am Neißeufer bei Werdeck (Wjertko), finden sich die Reste einer hoch- bis spätmittelalterlichen Turmburg, die womöglich zum Schutz einer etwa 150 m entfernten Neißeüberquerung errichtet worden war. Die Überfliegung des Gebietes ist stark beschränkt, auf digitalen Orthofotos sind die Bewuchsmerkmale aber gut zu erkennen. Unmittelbar nordöstlich ist der sogenannte „Königshügel“ zu sehen. Dabei handelt es sich um einen sandigen Erosionsrest der einstigen Neißeböschung, der in der Vergangenheit zu einem wendischen Königsgrab verklärt wurde.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Der Befund

Im Orthofoto zeichnen sich drei konzentrische Kreise ab. Die beiden Äußeren markieren dabei den 13 m breiten Umfassungsgraben. Ihr Durchmesser beträgt 56 m und 43 m. Der innere Ring geht vermutlich auf eine Palisadenkonstruktion zurück. Sie schloss eine Innenfläche von 23 m Durchmesser ein. Aufgrund dieser typischen Konstruktionsweise kann auf eine Niederungsburg aus dem Hoch- bis Spätmittelalter geschlossen werden.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle DOP 05.-10.06.2008.

Turmburg ohne Hügel?

Die Niederungsburg bestand vermutlich aus einem Holzturm. Reste von Mauerfundamenten hätten sich aller Wahrscheinlichkeit nach im Bewuchs abgezeichnet. Oftmals waren solche Turmburgen zusätzlich auf einen künstlich aufgeschütteten Hügel errichtet oder von einem Wall umschlossen, der aus dem Grabenaushub errichtet worden war. Falls in Werdeck ein solcher Hügel oder ein Wall vorhanden waren, sind sie womöglich aufgrund von Hochwassern und der landwirtschaftlichen Nutzung inzwischen vollständig eingeebnet worden. Selbst im digitalen Geländemodell (DGM) deutet heute nichts mehr auf eine Erhebung hin. Der Graben selbst war einstmals wohl mit Wasser aus der Neiße gespeist.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle DGM 2019.

Königsgräber an der Neiße?

Der Turmhügel könnte dem Schutz einer Neißeüberquerung gedient haben. Seit dem 19. Jahrhundert war in nur 150 m Entfernung eine Brücke belegt, die Werdeck mit den Ort Pattag (Potok) verband. Doch könnte hier schon weit länger schon eine Furt bestanden haben. Etwa auf halber Strecke zwischen der Turmburg und dem einstigen Neißeübergang befindet sich der sogenannte Königshügel „Kreutz B[erg]“. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen Bestattungsplatz, sondern lediglich um einen Erosionsrest der sandigen Uferböschung der Neiße. 1670 stießen Bauleute bei Podrosche während der Errichtung einer Kirche in einem ähnlichen Hügel auf Urnen und bezeichneten ihn als „wendisches Königsgrab“. Diese romantisch verklärte Bezeichnung übertrug sich auf ähnliche Sandhügel im Neißetal. Noch heute wird die nordwestlich aus Werdeck führende Straße „Königshügel“ genannt.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle Preußisches Urmesstischblatt 1823, Ausschnitt ©LfA 2024.

Literatur

Walter Frenzel, Urgeschichtsfunde des Kreises Rothenburg nebst einer Einführung in die Urgeschichte der Oberlausitz (Bautzen 1926) 29–31.
Ronald Heynowski, Die Romantik eines wendischen Königsgrabes. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 80–81.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Ronald Heynowski/Annemarie Reck, Niederungsburg bei Werdeck. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (16.04.2024). https://archaeo-sn.de/ort/niederungsburg-bei-werdeck/ (Stand: 24.05.2024)

Creativ Common Lizenz Logo CC BY-NC 4.0