







Ortenburg
| Ort: | Bautzen (Bautzen, Bautzen) |
|---|---|
| Typ: | Burganlage |
| Datierung: | Lausitzer Kultur | Billendorfer Gruppe | Milzener | Deutsche | 800 - 600 v. Chr. | 880 n. Chr. bis heute |
Beschreibung
Die Ortenburg (Hród, obersorb. Burg), thront gut geschützt auf einem etwa 25 m hohen, schroff abfallenden Granitstock am Rande der Bautzener Altstadt. Von Norden, Westen und Süden wird die Anlage durch die Steilhänge der Skala und der durchs Tal fließenden Spree begrenzt. Nur im Osten ist der Felsvorsprung, mit der Hochfläche verbunden, auf der sich heute die Bautzener Altstadt befindet. Im heutigen Relief ist an dieser Stelle noch eine Senke erkennbar. In der ausgehenden Bronze- und frühen Eisenzeit wurde der gut geschützte Sporn von der Lausitzer Kultur und der späteren Billendorfer Gruppe erstmals befestigt und besiedelt. Über tausend Jahre später suchte der westslawische Stamm der Milzener das Bergplateau erneut auf und erbaute auf dem hervorragenden Sporn die Ortenburg als ihren Stammsitz. Nach der Eroberung der Burg im Jahr 1002 wurde der polnische König Bolesław I. Chobry mit dem Lehen betraut. Ab dem 12. Jahrhundert hatten zudem die Oberlausitzer Landvögte der Oberlausitz ihren Sitz auf der Ortenburg. Unter wechselnden Besitzverhältnissen wurden immer wieder zahlreiche Baumaßnamen auf der Burg vorgenommen. Der letzte bedeutende Umbau der Burg fand 1781/1782 statt. Seither zeigt sich die Ortenburg in ihrem vor allem von renaissancezeitlichen und barocken Gebäudeteilen geprägtes Bild.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckHinweise auf Burganlage der Eisenzeit
Bereits seit 1994 fanden immer wieder kleinere, baubegleitende archäologische Maßnahmen im Burgareal statt, die der Forschung einen kleinen Einblick in die Baugeschichte erlaubten. Dabei wurden zwar keine Baubefunde aufgedeckt, jedoch kamen Kulturschichten und Vorratsgruben mit Lausitzer Keramik zutage. Die Ware war von höher Qualität und ein verhältnismäßig größer Anteil besaß Polituren. Die Funde deuten auf eine intensive Nutzung des Platzes im 800–600 v. Chr., während der ausgehenden Bronzezeit und der frühen Vorrömischen Eisenzeit, hin. Mit einer Innenfläche von 100 x 80 m weist die Ortenburg in etwa die gleiche Größe wie die Anlage auf dem gegenüber liegenden Protschenberg auf, auf dem sich etwa zeitgleich eine weitere Burganlage befand.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckBildquelle T. Westphalen 2010, 96.
Die Burg im Frühmittelalter
Spätestens ab dem 9. Jahrhundert n. Chr. wurde der Felssporn über der Spree erneut aufgesucht und durch eine Burganlage befestigt. Frühmittelalterliche Keramikfunde und Holzreste aus dieser Phase deuten eine Datierung um die Jahre 881–920 n. Chr. an. Schriftlich taucht die Anlage erstmals bei Thietmar von Merseburg als civitas Budusin in seiner Überlieferung über die Auseinandersetzung um die Mark Meißen und die Eroberung der Burg Meißen im Jahr 1002 durch den polnischen König und späteren böhmischen Herzog Bolesław I. Chobry auf. Nachdem die hölzerne Burganlage der Milzener mutmaßlich geschliffen wurde, baute er – seit 1002 offiziell mit dem Milzenerland belehnt – auf dem Burgberg eine neue Landesherrschaft aus. Der Name der „Orthenburgk“ ist erstmals um das Jahr 1405 urkundlich bezeugt.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckBildquelle U. Wohmann, Foto ©LfA 2009.
Notgrabungen 1994
Im Jahr 1994 wurde an der südlichen Umfassungsmauer und mehreren anderen Stellen der Ortenburg akute Einsturzgefahr festgestellt. Zuvor war bereits 1984 ein Teil der Umfassungsmauer im Osten eingestürzt. Die anschließenden Sicherungsmaßnahmen und Bodeneingriffe machten erste archäologische Notgrabungen erforderlich. Das während dieser Arbeiten zutage gekommene Fundmaterial stammte mehrheitlich aus dem 11.–15. Jahrhundert. Zudem konnte für das 11.–13. Jahrhundert eine dichte Bebauung mit Straßen und Gebäuden aus Holz nachgewiesen werden. Die archäologischen Befunde reichten bis in eine Tiefe bis zu 5 m. Das einstige Oberflächenniveau lag ursprünglich wohl auf der Höhe der Straße „Schlossgraben“, durch zahlreiche Schuttplanierungen in den vergangenen tausend Jahren stieg es jedoch um durchschnittlich 3 m an.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckBildquelle OA 14070, 485, Foto ©LfA 1985.
Grabungen 1999-2001
1999–2001 konnte im Innenraum erstmals eine größere Fläche von 50 x 10 m untersucht werden. Unter anderem wurde dabei ein west-ost-orientierter Bohlenweg aus dem 12. Jahrhundert aufgedeckt, der auf ungefähr 10 m Länge erhalten war. Als Unterleger dienten ihm mehrere Schichten aus Balken, Brettern und Rundhölzern. Unmittelbar südlich davon stieß man während der Grabungsarbeiten auf die Reste von Holzgebäuden. Sie gründeten auf einer rechteckigen Schwellbalkenkonstruktion, mit Fußböden aus flachen Holzbrettern. Ab dem 14. und 15. Jahrhundert wurden die Gebäude mit einfachen Steinfundamenten untersetzt. Zu den Bauwerken aus dieser Zeit zählt auch der Burgwasserturm, der sich an der Westseite des Sporns dem Protschenberg entgegenschiebt. Er diente zugleich als Wehrturm als auch der Sicherstellung der Wasserversorgung auf der Burg. So war in seinem Sockel ein Brunnen eingebaut. Dieser untere Teil des Turmes geht wahrscheinlich noch auf das frühe 14. Jahrhundert zurück.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckBildquelle J. Meffert, Foto ©LfA 2001.
Ein Brandereignis
Um 1400 vernichtete ein Großbrand weite Teile der Burganlage. Darauf deuten eine massive Brandschicht von verziegeltem Lehm, rot geglühte Steine und die verkohlten Reste einer Holzkonstruktion hin. Bei den konkret untersuchten Befund handelte es sich wahrscheinlich um die Reste eines Holzturmes, der auf einem Steinfundament errichtet worden war. Beiderseits fand sich je ein weiterer Fundamentrest. Im Abgleich mit der schriftlichen Überlieferung könnten dies die drei Türme sein, die 1144 im Auftrag König Konrads III. von den Dörfern des Bischofs von Meißen auf der Burg erbaut werden mussten.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckBildquelle J. Meffert, Foto ©LfA 2001. J. Meffert, Foto ©LfA 2001.
Umbauten unter König Matthias Corvinus
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Ortenburg vom damaligen Landesherrn und ungarischen König Matthias Corvinus (1458–1490) umgebaut und erweitert. Zwischen 1483–1486 ließ er das dreiflügelige Hauptgebäude an der Ostseite der Ortenburg errichten. Der im spätgotischen Stil erbaute Matthiasturm aus dem Jahr 1486 vergrößerte die Burgfläche nach Nordosten hin und bildete fortan den Hauptzugang zur Burg. Über seinem Portal prangt das 9 m hohe und etwa 4 m breite Sandsteinrelief das Matthias Corvinus (REX MATHIAS) unter einem Baldachin darstellt. Außerdem wurde die im Nordteil des Burgareals auf dem prähistorischen Wall gelegene Schildmauer fast vollständig entfernt. Die bisherige Bebauung im Bereich des Schlosshofes wurde ebenfalls abgebrochen und die dabei entstandene Hoffläche teils gepflastert.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckBildquelle U. Wohmann, Foto ©LfA 2009.
Umbauten der frühen Neuzeit
Ursprünglich war die Burganlage durch einen rund 5 m hohen Wall aus einer massiven Lehmschüttung und einen tiefen Graben vom restlichen Stadtgebiet abgetrennt. Letzterer wurde jedoch im 17. Jahrhundert zugeschüttet. Er zeichnet sich heute noch als leichte Senke im Relief ab. Der letzte nennenswerte Umbau der Burg erfolgte in den Jahren 1781/1782, als an der Nordseite das Salzmagazin eingerichtet wurde, welches heute das Sorbische Museum beherbergt. Dem gegenüber wurde ein Proviantmagazin geschaffen, in dem sich heute das Burgtheater befindet. Im gleichen Jahr entstand entlang der Burgmauer ein Kornhaus. Die Wehrgänge der Ortenburg wurden während der Umbaumaßnahmen gegen Ende des 18. Jahrhunderts fast durchweg abgebrochen. Gleichzeitig entstand ein neuer Zugang zur Burg an der Südostseite.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckBildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2016.
Funde von der Ortenburg
Vor allem Keramik verschiedener Zeitstellungen (im Bild: mittelalterliches Vorratsgefäß), Tierknochen und Reste von Eisen gehören zu den häufigen Funden auf der Ortenburg. Jedoch gibt es auch einige besondere Fundstücke, die aus dem übrigen Material hervorstechen: So wurde im Bereich des heutigen Puppentheaters wurde während der Grabungen innerhalb einer unregelmäßigen, sandigen, grauen Verfüllung eine besonders schöne, zylindrische Millefiori-Perle gefunden. Sie besteht aus einer mehrfarbigen Glasmasse und stammt aus dem 11. – 13. Jahrhundert. Das außergewöhnlich schöne Stück liegt als 3D-Scan vor. Ein ebensolches Fundobjekt ist die Nuss einer Armbrust, die aus Knochen geschnitzt und mit Rillen verziert wurde. Das Fundstück, das während der Grabungen im Innenhof zutage kam datiert zwischen 1150 - 1250 n. Chr.
Dana Mikschofsky/Annemarie ReckBildquelle J. Meffert, Foto ©LfA 1999.
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Literatur
Joachim Meffert, Die Ortenburg in Bautzen – Der archäologische Forschungsstand und die Ausgrabungen von 1999 – 2001. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 44, 2002, 75–178.
Dana Mikschofsky, Die Ortenburg – Zentralort der Milzener. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 130–131.
Thomas Westfalen, Bautzen: Altstadt und Ortenburg. In: Regina Smolnik/Jasper von Richthofen (Hrsg.), Die Oberlausitz. Ausflugsziele zwischen Neiße und Pulsnitz. Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland 51 (Stuttgart 2010) 94–99.
Matthias Wilhelm, Die Bautzener Ortenburg. In: Jasper von Richthofen (Hrsg.), Besunzane – Milzener – Sorben, Die slawische Oberlausitz zwischen Polen, Deutschen und Tschechen. Schriftenreihe der Städtischen Sammlungen für Geschichte und Kultur Görlitz N.F. Bd. 37 (Görlitz 2004) 44–53.
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
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Zitat des Beitrags
Dana Mikschofsky/Annemarie Reck, Ortenburg. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (10.09.2024). https://archaeo-sn.de/ort/ortenburg/ (Stand: 14.08.2026)