Logo Archaeo | 3D
Der Aufbau
Die Innenfläche
Tierknochen- und Keramikfunde
Bronzefunde
Die Anlage im Luftbild

Ringanlage Thronitz

Ort: Schkölen (Markranstädt, Leipzig)
Typ: Rundliches Grabenwerk 2-fach
Datierung: Unstrut Gruppe | 1000 - 800 v. Chr.

Beschreibung

Im Vorfeld der Verlegung der JAGAL-Erdgaspipeline fand ab August 1998 die Ausgrabung des Streckenabschnitts bei Schkölen und Thronitz statt. Da die Grabungsfläche auf den durch die Trasse unmittelbar betroffenen Teil beschränkt war, wurde nur etwa ein Drittel des vorgeschichtlichen Erdwerks im Westen untersucht. Es besaß einen Durchmesser von ca. 100 m und hatte ehemals vier Gräben. Anhand der bei der Ausgrabung gefundenen Keramikscherben, konnte es der jungbronzezeitlichen Unstrut Gruppe (10. – 9. Jahrhundert v. Chr.) zugewiesen werden, die vor allem im südlichen Sachsen-Anhalt, in Thüringen und in Nordwestsachsen verbreitet ist.

Annemarie Reck

Der Aufbau

Die Ringanlage war vor Beginn der Ausgrabungen völlig unbekannt, da die Befunde von einer über 70 cm dicken Erdschicht bedeckt waren und sich daher auch nur geringfügig im Luftbild abzeichneten. Nach dem Oberbodenabzug zeigten sich nun insgesamt vier Gräben, wovon die beiden äußeren mit einer Breite von 2 m bis 2,2 m hervorzuheben sind. Der äußerste Graben war noch bis zu 1 m tief und mit einer 1 m breiten Sohle erhalten. Der innere, etwas breitere Graben hingegen bestand eher aus grubenartig eingetieften Abschnitten von circa 1,2 m, die mit Tiefen von stellenweise 1,65 m und stärker variierten. Flache Sohlen fanden sich hier im Wechsel mit Spitzgräben. Besonders auffällig waren die Pfostengruben, die den zweiten Graben beiderseits in einem Abstand von 3 m bis 3,5 m umgeben und zu Palisaden gehörten.

Annemarie Reck

Bildquelle Christoph Steinmann, Grabungsplan ©LfA 2000.

Die Innenfläche

Innerhalb der beiden dominanten Außengräben, liegen etwa zentral in der vermutlich ringförmigen Anlage zwei Innengräben, die die Innenfläche deutlich verkleinern. Der innerste Ring umschließt nur noch eine Fläche von 200 m2. Bei den zwei deutlich schmaleren, inneren Gräben handelt es sich um Palisadengräben, die eine Breite von 20 cm bis 30 cm bei einer Tiefe von 10 cm bis 15 cm besaßen und deutlichen Pfostenstandspuren zeigten. Weitere Befunde lagen fast ausschließlich innerhalb der Grabenringe. Auch fanden sich nur in wenigen Fällen Überschneidungen von Gruben, die auf eine längere Nutzung oder eine Mehrphasigkeit der Anlage hindeuten könnten.

Annemarie Reck

Bildquelle O. Braasch, Foto ©LfA 1998.

Tierknochen- und Keramikfunde

Obwohl ähnliche Anlagen sonst hauptsächlich von der jungsteinzeitlichen Kultur der Stichbandkeramik (5000–4500 v. Chr.) bekannt sind, entspricht die aufgefundene Keramik typologisch den Formen und Merkmalen der jungbronzezeitlichen Unstrut-Kultur. Außerdem kamen in der Grabenverfüllung zahlreiche Tierknochen zutage. Bereits bei einer ersten Durchsicht fiel dabei die vergleichsweise geringere Größe der Rinderknochen auf, die ebenfalls gegen eine Datierung aus dem Neolithikum spricht. Außerdem liegen auch Pferdeknochen vor. Von den zwei 14C-Proben aus Rinderknochen, konnte nur eine gemessen werden. Sie erbrachte ein kalibriertes Alter von 1370–1090 v. Chr. (Genauigkeit 1σ = 68,5%).

Annemarie Reck

Bildquelle C. Steinmann, Foto ©LfA 1998.

Bronzefunde

Besonders hervorzuheben sind zudem die Funde mehrerer Bronzeobjekte. Im äußeren Graben konnte ein bronzener Armreif (Dm. 7,2 cm) geborgen werden. Weiterhin befanden sich im inneren und äußeren Graben je eine Pfeilspitze (5,3 cm u. 3,4 cm). Zudem wurden die Reste einer Nadel (5,5 cm) und etwas Bronzedraht gefunden. Der Großteil der Keramik- und der Tierknochenfunde wurde im unteren Teil des Verfüllungshorizontes (unter 1 m Tiefe) angetroffen. Die vergleichsweise zahlreichen Bronzefunde lagen hingegen in maximal bis zu 60 cm Tiefe. Sie kamen möglicherweise also erst nach einer Hauptnutzungsphase in den Boden. Etwa in der gleichen Tiefe wie die Bronzen wurde ein einzelner und stark fragmentierter menschlicher Schädel entdeckt.

Annemarie Reck

Bildquelle C. Steinmann 2000, 53, Abb. 8. Maße im Text.

Die Anlage im Luftbild

Etwa 14 Jahre nach der Ausgrabung der Ringanlage gelang es erstmals den bis dahin noch unbekannten östlichen Teil aus der Luft zu beobachten, als sich im Juli 2012 der weitere Verlauf der Gräben im Bewuchs niederschlug. Die Zusammenführung des Luftbildbefundes und des Grabungsplanes ermöglichte die vollständige Rekonstruktion des Umrisses der jungbronzezeitlichen Ringanlage. Wäre der Befund nur über die Luftbildprospektion bekannt, wäre er seiner Erscheinung nach höchstwahrscheinlich als jungsteinzeitliches Grabenwerk interpretiert worden. Die eindeutigen Grabungsfunde weisen es allerdings als knapp 4000 Jahre jünger aus und zeigen wie entscheidend eine Überprüfung rein aus der Luftbildprospektion bekannter Fundstellen ist.

Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2012.

Literatur

Dana Mikschofsky, Eine Grabenanlage halb und halb. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 62–63.
C. Steinmann, Sieben Jahrtausende in einem Schnitt – Die JAGAL in Sachsen. In: Archäologie an der JAGAL – 10 000 Jahre auf 300 Kilometern (Wünsdorf, Dresden, Halle [Saale] 1999) 26–34.
C. Steinmann, Der nächste Schnitt – Ausgrabungen an der JAGAL. Archäologie aktuell Freistaat Sachsen 6, 1998/1999 (2000) 48–57.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Annemarie Reck, Ringanlage Thronitz. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (14.06.2024). https://archaeo-sn.de/ort/ringanlage-thronitz/ (Stand: 17.07.2024)

Creativ Common Lizenz Logo CC BY-NC 4.0