




Steinkreuz von Burkhardswalde
| Ort: | Burkhardswalde (Müglitztal, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) |
|---|---|
| Typ: | Steinkreuz |
| Datierung: | Spätmittelalter | Neuzeit | 1300 - 1600 n. Chr. |
Beschreibung
Anfang Dezember 1990 fanden zwei Schüler auf einem Steinhaufen bei Burkhardswalde (Gemeinde Müglitztal) die Reste eines mittelalterlichen Steinkreuzes. Der Fundort des beschädigten Kreuzes befindet sich etwa 1,5 km östlich der Ortsmitte Burkhardswalde. Wann und warum das Kreuz von seinem ursprünglichen Aufstellungsort entfernt worden war, oder wo sich dieser einst befand, bleibt unklar. Ende Mai 2024, fast 34 Jahre später, konnte das mittelalterliche Steinkreuz, das lange Zeit im Depot des Landesamts für Archäologie aufbewahrt war, endlich wiederaufgestellt werden. Finanziert wurde das Vorhaben durch die Untere Denkmalschutzbehörde des Lkr. Sächsische Schweiz – Osterzgebirge und der Archäologischen Gesellschaft in Sachsen e.V.
Ingo KraftAuffindungsgeschichte
Im Dezember 1990 meldeten die Schüler Martin und Thomas Wittig den Fund des Steinkreuzes dem Museum Pirna. Dessen Mitarbeiterin, die Archäologin Sabine Holtermann, gab die Nachricht umgehend an das damaligen Landesmuseum für Vorgeschichte, dem heutigen Landesamt für Archäologie Sachsen weiter. Die Schüler hatten das beschädigte Kreuz, dessen Sockel abgebrochen war, auf einem Lesesteinhaufen am „Weinberg“, westlich von Burkhardswalde entdeckt. Die beiden jungen Finder erhielten damals für den schönen Fund und dessen prompte Meldung noch vor den Weihnachtsfeiertagen eine Fundprämie von 100 DM.
Ingo KraftBildquelle H. Quietzsch, Foto ©LfA 1990.
Wiederaufstellung
Die Initiative zur Wiederaufstellung geht auf Harald Quietzsch, einen ehemaligen Mitarbeiter des Landesamts für Archäologie Sachsen und den ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Peter Bechstedt, zurück. Beide kümmern sich seit Jahrzehnten intensiv um diese besondere Gattung der Kleindenkmale. Die Arbeiten zur Wiederherstellung des Steinkreuzes übernahm der Steinmetz Elmar Vogel aus Dresden-Tolkewitz. Die Restaurierungsarbeiten waren aufwendig, da ein geeigneter Sockel gefunden werden musste und die denkmalpflegerische Auflage darin bestand, den neuen Sockel an die alte Bruchfläche des Kreuzes anzupassen. Versehen mit einem neuen Sockel, findet das Kreuz nun viele Jahre nach seiner Auffindung 400 Meter östlich der Fundstelle wieder einen angemessenen Platz, dank der Unterstützung der Gemeindeverwaltung Müglitztal und des Heimatvereins Burkhardswalde.
Ingo KraftBildquelle ©E. Vogel, Foto 2023.
Steinkreuze
Vom Mittelalter bis in die Zeit der Reformation und der frühen Neuzeit gehörten Steinkreuze zum normalen Landschaftsbild. Intensiv hat sich Gustav Adolf Kuhfahl, Jurist und späterhin Direktor der Dresdner Güntz-Stiftung, mit den sächsischen Steinkreuzen beschäftigt. Sein Buch „Die alten Steinkreuze in Sachsen. Ein Beitrag zur Erforschung des Steinkreuzproblems“, herausgegeben vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz Dresden 1928, ist ein großer Wurf. Kuhfahl setzt sich wissenschaftlich mit den Hintergründen, die zur Aufstellung von Steinkreuzen führen auseinander und ist damit zumindest deutschlandweit der Erste, der sich dieses Forschungsfeldes annimmt. Fasst man grob die Ergebnisse der Steinkreuz-Forschung zusammen, so können mehrere Motive für das Aufstellen benannt werden. Steinkreuze sind Gedenksteine, Sühnezeichen, Wegekreuze, Grenzkreuze, Pestkreuze und anderes mehr.
Ingo KraftBildquelle G. A. Kuhfahl 1928, Cover.
Brauchtum
Dabei stehen aber zwei Motive sehr deutlich im Vordergrund und sind durch etliche schriftliche Zeugnisse belegt: Zum einen sind Steinkreuze Denkmäler christlichen Glaubens. An dem Ort, an dem eine Person durch Mord, Totschlag oder Unfall – also unerwartet – starb, sollte das Steinkreuz Vorbeikommende dazu anhalten, Bittgebete für die armen Seelen solcherart aus dem Leben Gerissener abzuhalten. Zum anderen ist durch schriftliche Zeugnisse des ausgehenden 14. bis ins 15./16. Jahrhunderts belegt, dass Steinkreuze in Sühnevereinbarungen genannt werden, sie also neben anderen Sühneleistungen (Lebensmittel, Geld usw. für die Hinterbliebenen) als Sühnezeichen aufgestellt worden sind. Etwa ein Drittel aller Steinkreuze tragen Bildzeichen, wie Kreuze, Dolche, Armbrust usw. Das hier besprochene weist keine Einritzungen auf.
Ingo KraftBildquelle Ch. Heiermann, Foto ©LfA 2024.
Ausblick
In unserer modernen Zeit ist vor allem der Baudruck (Straßenbau, Bau von Gewerbegebieten, aber auch private Bauvorhaben) Schuld daran, dass Steinkreuze verschwinden. Hartnäckige Nachsuche durch Bürger und durch die betroffenen Denkmalämter führen jedoch durchaus zu Erfolgen. Gelegentlich gibt es – wie unser Beispiel zeigt – auch Neufunde. Im gesamten Freistaat sind derzeit 436 Steinkreuze registriert.
Ingo KraftBildquelle Ch. Heiermann, Foto ©LfA 2024.
Literatur
Gustav A. Kuhfahl, Die alten Steinkreuze in Sachsen. Ein Beitrag zur Erforschung des Steinkreuzproblems (Dresden 1928).
Harald Quietzsch, Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen. Inventar Bezirk Leipzig (Berlin 1980).
Harald Quietzsch, Zur Geschichte der sächsischen Steinkreuzforschung. Gustav Adolf Kuhfahl und der Landesverein Sächsischer Heimatschutz. Mitteilungen des Landesvereins sächsischer Heimatschutz 1992, 33–38.
Horst Torke, Alte Steinkreuze zwischen Dresden, Pirna und sächsischer Schweiz. Stadtmuseum Pirna (Pirna 1990).
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
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Zitat des Beitrags
Ingo Kraft, Steinkreuz von Burkhardswalde. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (02.12.2024). https://archaeo-sn.de/ort/steinkreuz-von-burkhardswalde/ (Stand: 14.08.2026)