





Teergrubenmeiler in Frohburg
| Ort: | Frohburg (Frohburg, Leipzig) |
|---|---|
| Typ: | Produktionsstätten |
| Datierung: | späte Völkerwanderungszeit | Frühmittelalter | 450 – 625 n. Chr. |
Beschreibung
Die archäologische Baubegleitung einer Gas-Ringleitung führte im Süden der sächsischen Kleinstadt Frohburg zur Entdeckung zweier frühmittelalterlicher Teergrubenmeiler. Frohburg liegt etwa 35 km südlich von Leipzig am geographischen Übergang der Leipziger Tieflandsbucht zum Zeitz-Altenburger-Löss-Hügelland. Das vom Baufeld der Gasleitung vorgegebene etwa 1660 qm große Grabungsterrain lag westlich des Flusses Wyhra, die beiden Befunde ca. 330 m vom Ufer entfernt, in Sichtweite der historischen Furt Richtung Kohren-Salis in der Flussaue.
Robert-Alexander AnsorgLage der Fundstelle
Die Fundstelle mit den beiden Teergubenmeilern liegt auf einem nach Osten Richtung Fluss abfallenden Talhang. Die Geländestratigrafie war von glazialer Überformung geprägt und die kolluvialen und alluvialen Schichten im oberen Hangbereich enthielten zahlreiche unbestimmte Befunde sowie Lesefunde. Etwas weiter Richtung Wyhra wurden die Befunde 4 und 5, die Teergrubenmeiler aufgedeckt.
Robert-Alexander AnsorgBildquelle M. Heßling, Foto ©LfA 2015.
Befund 4 und 5
Während Befund 5 im oberen Bereich vom Rohrgraben der Altleitung gestört wurde, lag Befund 4 in situ im Gelände. Ausgehend von Untersuchungen unter Zuhilfenahme experimenteller Archäologie im Museumsdorf Düppel, handelt es sich bei Befund 4 sicher und bei Befund 5 sehr wahrscheinlich um Teergrubenmeiler.
Robert-Alexander AnsorgBildquelle M. Heßling, Foto ©LfA 2015.
Freilegung der Befunde
Der Versuch, beide Befunde mit dem üblichen Verfahren, also einem Profilschnitt, aufzunehmen, wurde aufgegeben. Denn eine Änderung des Grabungsverfahrens hin zur negativen Entnahme versprach für den oberen, trichterförmigen Teil, bessere Ergebnisse. Besondere Rücksicht verdiente die Wandung der Teergrubenmeiler mit den verkohlten Resten der Teergewinnung. Für diese Einordnung spricht das Fehlen der beim sogenannten Doppeltopfverfahren (einem ähnlichen technischen Vorgang um Teer zu gewinnen) üblichen Obertopfreste. Die Teergewinnung aus Holz ist eine Kulturtechnik, die schon die Neandertaler beherrschten und die ausgehend von Resten an Fundstücken vermutlich noch älter ist. Teer, oft synonym als Pech bezeichnet, fand in der Vergangenheit am häufigsten als Klebstoff Verwendung.
Robert-Alexander AnsorgBildquelle M. Heßling, Foto ©LfA 2015.
Teergewinnung
Um unter Anwendung des Pyrolyseverfahrens Teer zu gewinnen, wird ein Auffanggefäß unter eine trichterförmige Vertiefung gestellt, das harzhaltige Holz hineingeschichtet und im Anschluss alles bis auf einen schmalen Ring abgedeckt. Typisch für die Anlage von temporären bzw. stationären technischen Feuerungsanlagen wie Meilern ist die Hanglage. Sie sorgt durch Ausnutzung des Hangwinds für einen Gebläseeffekt beim Feuern, der auch bei den größeren Hangmeilern wie z. B. jenen zur Holzkohlegewinnung genutzt wurde. In Teergrubenmeilern wird nach dem Anzünden des Holzes am schmalen freigelassenen Randes eine thermo-chemische Umwandlung des Ausgangsmaterials bei hohen Temperaturen unter Sauerstoffmangel in Gang gesetzt, die Pyrolyse.
Robert-Alexander AnsorgBildquelle M. Heßling, Foto ©LfA 2015.
Die Meilerwandung
Ein dunkelrot verziegelter Rand von 90 cm Durchmesser zeigte den Teergrubenmeiler-Befund 4 an. Reaktionsraum und Auffanggrube reichten bis in 86 cm Tiefe. Am Bruchstück der Meilerwandung ist deutlich der innere Bereich, mit den schwarzen organischen Resten und der, im Gegensatz zum anstehenden Sediment, hellere, durch die Hitze verziegelte, äußere Bereich erkennbar.
Robert-Alexander AnsorgBildquelle M. Heßling, Foto ©LfA 2015.
Datierung
Die Datierung der Teergrubenmeiler in die späte Völkerwanderungszeit bzw. das Frühmittelalter durch eine C14-Untersuchung (cal 1 σ (68,5%): 541-599 AD, cal 2 σ (95,4%): 436-635 AD) beantwortet nicht die Frage nach der Kulturzugehörigkeit der beiden Befunde. Frohburg, Streitwald und Wolftitz – die Letztgenannten heute beide nach Frohburg eingemeindet – liegen dem Fundplatz am nächsten. Zum ersten Mal in einer mittelalterlichen Urkunde erwähnt wird aber z. B. Frohburg erst 1198. Die in der Literatur häufig erwähnte sorbische bzw. slawische Besiedlung lässt sich archäologisch bisher nicht nachweisen.
Robert-Alexander AnsorgBildquelle H. Kutzsche, Foto ©LfA 2015.
Literatur
Orchando et al., A Neanderthal's specialised burning structure compatible with tar obtention, www.researchgate.net, 2024: https://www.researchgate.net/publication/385768863_A_Neanderthal's_specialised_burning_structure_compatible_with_tar_obtention, (zuletzt aufgerufen am 28.11.2024).
Codex diplomaticus Saxoniae. Zweiter Hauptteil: Die Urkunden der Städte und geistlichen Institutionen in Sachsen, Band 19: Urkundenbuch des Klosters Altzelle, Bd. 1 (1162-1249), bearb. v. Tom Graber, Hannover 2006, Nr. 17, vgl. Online-Ressource: https://codex.isgv.de/codex.php?band=cds2_19&f=&a=b&s=029, (zuletzt aufgerufen am: 28.11.2024).
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
https://archaeo-sn.de/ort/teergrubenmeiler-in-frohburg/
Zitat des Beitrags
Robert-Alexander Ansorg, Teergrubenmeiler in Frohburg. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (01.12.2024). https://archaeo-sn.de/ort/teergrubenmeiler-in-frohburg/ (Stand: 19.08.2026)