



Trapezanlage Altranstädt
| Ort: | Altranstädt (Markranstädt, Leipzig) |
|---|---|
| Typ: | Grabanlage |
| Datierung: | ca. 3800 – 3500 v. Chr |
Beschreibung
Südöstlich des Ortes Altranstädt bei Markranstädt wurde im Jahr 1992 während einer archäologischen Luftbildprospektion ein auffälliges trapezförmiges Grabenwerk entdeckt. Es war offenbar eingefasst in eine steinzeitliche Siedlungslandschaft, worauf zahlreiche umgebende Siedlungs- und Grabgruben sowie ein weiteres ovales Grabenwerk hindeuteten. Weiterhin wies die Flurbezeichnung Klein Glasau auf den möglichen Standort des wüst gefallenen Ortes Glasau hin. Da die Gemeinde Großlehna an dieser Stelle ein Gewerbegebiet ausgewiesen hatte, kam es im Jahr 1993 bis Mitte 1994 zu großflächigen Ausgrabungen, die dem Bau vorangingen. Eine weitere Grabungskampagne begann 1995 bis 1996. Auf diese Weise konnten die im Boden vorhandenen Befunde und möglichen Fundobjekte vor der endgültigen Zerstörung fachgerecht geborgen und für eine später wissenschaftliche Auswertung dokumentiert werden.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie ReckDas Trapez
Die Grabungskampagne um das trapezoide Erdwerk erfolgte ab 1995 durch das Landesamt für Archäologie Sachsen. Bereits nach Abzug des Oberbodens wurde das schon im Luftbild auffällig gewordene Trapez sichtbar. Die Grabenanlage zeigte eine West-Ost-Orientierung. An den Längsseiten maß es im Süden 34 m und im Norden 33 m Länge. Die breitere Ostseite besaß eine Länge von 20 m während das schmalere Westende lediglich auf 12 m kam. Der Graben war zwischen 1 m und 2,3 m breit und noch etwa 0,8 m bis 1 m tief im Boden erhalten. Die Grubensohle betrug etwa 40 cm. Vermutlich diente der Graben zur Errichtung einer Palisade aus Holzstämmen, während die innenliegende Fläche vermutlich mit Erde befüllt und überhügelt war.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle O. Braasch, Foto ©LfA 1995.
Zentrale Grube
Bereits 1993 wurde ein Suchschnitt angelegt, der das trapezförmige Grabenwerk und auch die zentral darin gelegene runde Grube schnitt. Sie hatte einen Durchmesser von 5 m und war annähernd rund. Verfüllt war sie mit humosem Material. Bei vergleichbaren trapezförmigen Befunden befindet sich in der zentralen Grube in der Regel eine Bestattung. Dies war in Altranstädt jedoch nicht der Fall. Hingegen konnte in der Grube eine nord-süd-verlaufende Steinpackung aus sechs bis zu 1,3 m langen Feldsteinen freigelegt werden, welche die steinfreie Mitte der Gruppe einfassten.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle H. Szédeli, Foto ©LfA 1993.
Bestattung oder Kenotaph?
Falls in der trapezförmigen Grabenanlage von Altranstädt wirklich nie eine Bestattung vorhanden war, würde der Befund eine erstmals beobachtete Besonderheit darstellen. Möglicherweise handelte es sich dann um ein Kenotaph, also ein Scheingrab, das architektonisch wie eine Grabanlage errichtet wurde, jedoch leergeblieben ist. Möglicherweise wurde eine ehemals in der zentralen Grube vorhandene Bestattung zu einem späteren Zeitpunkt entfernt und durch die großen Feldsteine ersetzt. Dass die Knochen im Boden vergangen wären, ist an dieser Stelle hingegen eher unwahrscheinlich. In der unmittelbaren Umgebung des Trapezes, nördlich und nordöstlich der Anlage, wurden während der Grabungen mehrere Hockerbestattungen freigelegt. Soweit datierbar, konnten sie jedoch dem Spätneolithikum zugeordnet werden. Damit wären sie etwa 1000 Jahre jünger als die Trapezanlage.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle H. Szédeli, Foto Hockerbestattung ©LfA 1994.
Datierung
Der Trapezgraben schnitt im Süden eine der Siedlungsgruben, in der sich Keramikscherben aus mittelneolithischer Machart fanden. Dies bedeutet, dass das Grabenwerk nach 3800 v. Chr. errichtet worden sein muss. Die wenigen Fundstücke aus der Grube im Innern der Anlage sind recht unspezifisch und können daher nur grob dem Neolithikum zugewiesen werden. In Sachsen finden sich mehrere architektonisch vergleichbare Befunde, wie etwa die so genannte „Straße der Trapezgräber“ von Roitzsch. Aufgrund derartiger Vergleichsfunde liegt eine zeitliche Einordnung der Anlage ins Mittelneolithikum nahe.
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie ReckBildquelle H. Szédeli/I. Kraft, Befundübersicht M. 1:1000 ©LfA 1996.
Literatur
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski, Grabanlage in Luftbild und Ausgrabung. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 206–207.
Hans Szédeli, Ausgrabungen in Großlehna-Altranstädt, Lkr. Leipziger Land. Archäologie aktuell Freistaat Sachsen 2, 1994, 59–64.
Hans Szédeli/Ingo Kraft, Neues zum trapezoiden Erdwerk in Großlehna-Altranstädt. Archäologie aktuell Freistaat Sachsen 4, 1997, 18–22.
Hinweis zum Denkmalschutz
Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.
Permalink
https://archaeo-sn.de/ort/trapezanlage-altranstaedt/
Zitat des Beitrags
Dana Mikschofsky/Ronald Heynowski/Annemarie Reck, Trapezanlage Altranstädt. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (06.11.2024). https://archaeo-sn.de/ort/trapezanlage-altranstaedt/ (Stand: 26.09.2026)