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Der Aufbau der Anlagen
Straße der Trapeze
Lage der Trapeze

Trapezgräber von Roitzsch

Ort: Roitzsch (Lommatzsch, Meißen)
Typ: trapezförmige Grabeinfriedung
Datierung: Mittelneolithikum | Baalberger Kultur | 3800 - 3400 v. Chr.

Beschreibung

Nahe Roitzsch bei Lommatzsch sind nördlich der alten Poststraße etwa zwölf trapezförmige Strukturen zu erkennen, die sich über eine Strecke von 1300 m in einer Reihe von Nordwesten nach Südosten ziehen. Es ist anzunehmen, dass sie in der Vorgeschichte obertägig sichtbare Grabmonumente darstellten, die auch von dem etwa 750 bis 1300 m entfernt gelegenen Grabenwerk Mehltheuer sichtbar gewesen sein müssen. Sowohl die Grabbauten als auch das Erdwerk wurden von der mittelneolithischen Baalberger Kultur erreichtet. Gemeinsam waren sie Teil einer neolithischen Monumentallandschaft, der in der damaligen Vorstellungswelt vermutlich eine besondere rituelle Bedeutung zukam.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Der Aufbau der Anlagen

Die zwölf nördlich der alten Poststraße gelegenen Grabeinbauten waren vermutlich von einem trapezförmigen Graben umgeben, der einer Palisade als Unterbau diente. Die Innenfläche der 10 bis 20 m langen Grabmonumente war wahrscheinlich, ähnlich wie bei einem Grabhügel, mit angehäufter Erde aufgefüllt. Ihre markante Architektur machte sie zu einem eindrucksvollen Blickfang, der sie wohl zugleich zu einem Orientierungspunkt in der Landschaft werden ließ.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2011.

Straße der Trapeze

An einigen Stellen wurden die Grabanlagen mit Abständen von nur 6 bis 10 m sehr dicht aneinandergebaut. In zwei Fällen finden sich in der Reihe zwei parallel nebeneinander errichtete Trapeze, ein drittes Paar ist nur leicht zueinander versetzt erbaut. Zwischen anderen liegen Distanzen von 100 bis 300 m, was die Gräberreihe optisch grob in drei Gruppen teilt. Dabei wird die Linie zweimal von Bachtälern durchbrochen. Im Umfeld der Trapeze lassen sich im Luftbild zahlreiche Gruben ausmachen, die jedoch auch aus anderen Zeiten stammen können.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2011.

Lage der Trapeze

Im Umfeld des Grabenwerks von Mehltheuer gibt es zahlreiche Trapezgräber, die Straße der zwölf in einer Reihe liegenden Anlagen bildet jedoch eine Besonderheit. Im digitalen Geländemodel wird sichtbar, dass sich die Grabbauten grob an den Geländekuppen orientieren. Ihre Lage und Ausrichtung folgten also den naturräumlichen Gegebenheiten. Auch die umliegenden Trapeze finden sich auf Hügelkuppen. Auffällig ist aber, dass für die Straße der Trapezgräber nicht die markantesten Kuppen gewählt wurden. Die lineare Ausrichtung der Trapeze war hier offenbar also beabsichtigt und wichtiger als die Lage auf einer in der Landschaft prominenten Kuppe. Möglicherweise waren die Grabanlagen entlang eines Weges oder an einer Sichtachse gereiht.

Ronald Heynowski/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski/A. Reck, Bearbeitung DGM ©LfA 2018/2024.

Literatur

Ronald Heynowski/Carsten Mischka/Tobias Mühlenbruch/Michael Strobel, Weg – Grenze – Zufall, Luftbildprospektion und geomagnetische Untersuchungen von trapezförmigen mittelneolithischen Grabanlagen bei Roitzsch (RZH-50). In: Regina Smolnik (Hrsg.), Ausgrabungen in Sachsen 7. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege, Beih. 34 (Dresden 2020) 81–91.
Ronald Heynowski, Straße der Trapezgräber. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 52–53.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Ronald Heynowski/Annemarie Reck, Trapezgräber von Roitzsch. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (26.04.2024). https://archaeo-sn.de/ort/trapezgraeber-von-roitzsch/ (Stand: 17.07.2024)

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