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Entstehung von Hohlwegen
Verlauf der Altsraße
Entstehung des Fernwegs

Via Regia bei Miltitz

Ort: Miltitz (Nebelschütz, Bautzen)
Typ: Altstraße
Datierung: Mittelalter | Neuzeit | ab ca. 1200 - 1900 n. Chr.

Beschreibung

Südlich des Ortes Miltitz und östlich von Kamenz zeigen sich in den Feldern langgestreckte, positive Bewuchsmerkmale, die auf eine Altstraße zurückzuführen sind. Als solche werden vor allem Trassen bezeichnet, die im Mittelalter und der frühen Neuzeit als Fernwegeverbindungen genutzt wurden. Im Luftbild zeichnen sich heute besonders die Stellen ab, wo sich die Straße tief als Hohlweg in die Erde eingeschnitten hat. Die sogenannte „via regia“ (Königliche Straße) verlief über zum Teil verzweigte Wegstrecken von Breslau im Osten bis nach Frankfurt am Main im Westen und darüber hinaus. Der in der Neuzeit auch als „Hohe Straße“ bekannte Verkehrsweg war ab dem 12. Jahrhundert eine der bedeutendsten Handels-, Heeres- und Pilgerwege Mitteleuropas. Die Verbindung zwischen Kamenz, Bautzen und Görlitz zählt zu den ältesten Teilstrecken.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Entstehung von Hohlwegen

Nicht selten kam es auf den in der Regel unbefestigten Altstraßen zur Bildung von Hohlwegen, weil sich die Fahrspuren mit der Zeit und bei schlechtem Wetter immer tiefer in den Boden eingruben. Dies lässt sich häufig in Hanglagen beobachten, wenn sich der Kraftaufwand beim Ziehen, Schieben oder Bremsen als deutliche Spur im Boden abzeichnete. Verstärkt wurde die Bodenerosion durch Nässe. Durch das Umfahren schadhafter Wegstellen konnten ganze Bündel von Hohlwegen entstehen. Ebene Wegabschnitte hingegen lassen sich nur noch schwer aus der Luftbild verfolgen und verschwinden teilweise ganz.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle R. Heynowski, Foto ©LfA 2006.

Verlauf der Altsraße

Die heute überpflügte Straße nahe Miltitz lässt sich in östlicher Richtung bis nach Panschwitz-Kuckau verfolgen, von wo aus sie annähernd parallel zur S 100 auf Bautzen zuläuft. Abschnittsweise fächert sich die Trasse zu einem Hohlwegbündel von stellenweise 35 bis 50 m auf. Der weitgehend geradlinige Verlauf des Weges passt sich den Gegebenheiten im Gelände an und ist bereits auf dem Sächsischen Meilenblatt von 1800 verzeichnet. Im 19. Jahrhundert wurde der Verlauf der Trasse dann schnurgerade korrigiert und mit Pflaster befestigt. Seitdem ist der Straßenverlauf konstant. Bei der Erforschung von Altwegen stellt vor allem die schriftliche Überlieferung eine wichtige Quellengattung dar. Aus jüngeren Zeiten können kartographische Darstellungen helfen, um einen aus der Luft beobachteten Altweg oder Hohlwegbündel zu identifizieren.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle A. Reck, Bearbeitung/Berliner Meilenblätter, Hist. TK25 ab 1990 ©LfA 2024.

Entstehung des Fernwegs

In einer Urkunde des Meißener Markgrafen Heinrich III. (1221–1288) aus dem Jahr 1252 wird der Fernweg bei Miltitz erstmals als „strata regia“ bezeichnet. Bereits ab dem 12. Jahrhundert kam es in Mitteleuropa zu Veränderungen auf den Verkehrswegen. Grund dafür waren zahlreiche neue Stadtgründungen, die Durchsetzung des vierrädrigen Wagens zum Warentransport sowie im 13. Jahrhundert aufkommende Gesetze, wie das Stapelrecht und das Umschlagsrecht, die vielen Händlern den Weg vorzeichneten. Die Rechtsvorschriften erzwangen für eine gewisse Anzahl von Tagen die Zwischenlagerung und den Verkauf mitgeführter Waren in nahegelegenen Städten. Hierdurch wurde der Reichtum der Anrainerstädte gefördert.

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck

Bildquelle O. Braasch, Foto ©LFA 1994.

Literatur

Rainer Aurig, via regia – Eine Verbindungaus der Vergangenheit in die Zukunft. In: Roland Enke/Bettina Probst (Hrsg.), via regia. 800 Jahre Bewegung und Begegnung. Katalog zur 3. Sächsischen Landesausstellung (Dresden 2011) 28–33.
Walter Frenzel, Auf den Spuren der alten Lausitzer Hohen Straße. Jahrbücher der Gesellschaft für Vorgeschichte und Geschichte der Oberlausitz 1927, 52–61.
Dana Mikschofsky, Auf der via regia quer durch Europa. In: Regina Smolnik/Ronny Zienert (Hrsg.), Höhenflüge. Luftbilder und Archäologie in Sachsen (Dresden 2024) 92–93.

Hinweis zum Denkmalschutz

Archäologische Denkmäler stehen unter dem Schutz des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes. Für Bodeneingriffe oder Baumaßnahmen ist eine denkmalrechtliche Genehmigung erforderlich.

Permalink

Zitat des Beitrags / Citation

Dana Mikschofsky/Annemarie Reck, Via Regia bei Miltitz. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | SN (13.05.2024). https://archaeo-sn.de/ort/via-regia-bei-miltitz/ (Stand: 17.07.2024)

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